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08.03.2006

20:40 Uhr

Raumfahrt

Nasa-Sonde erreicht den Mars - Super-Auge soll Rätsel lösen

Die technisch beste Sonde der US- Raumfahrbehörde Nasa hat nach einem sieben Monate langen Flug den Nachbarplaneten Mars erreicht. Der „Mars Reconnaissance Orbiter“ (MRO) schwenkte am späten Freitagabend (MEZ) wie vorausberechnet in eine Umlaufbahn um den roten Planeten ein.

Mars-Oberfläche dpa

Eine Nasa-Erkundungssonde wird an diesem Freitag planmäßig den Nachbarplaneten Mars erreichen.

dpa WASHINGTON/PASADENA. Die technisch beste Sonde der US- Raumfahrbehörde Nasa hat nach einem sieben Monate langen Flug den Nachbarplaneten Mars erreicht. Der „Mars Reconnaissance Orbiter“ (MRO) schwenkte am späten Freitagabend (MEZ) wie vorausberechnet in eine Umlaufbahn um den roten Planeten ein.

Programmdirektor Jim Graf sprach im Kontrollzentrum in Pasadena (Kalifornien) zum Abschluss des 500 Mill. Kilometer langen Fluges von einem Bilderbuch-Manöver. „Ich bin total erleichtert“, sagte er.

Die Sonde benötigt weitere sieben Monate für rund 500 Flugmanöver, um von einer stark elliptischen Umlaufbahn einen nahezu runden Orbit in durchschnittlich 300 Kilometern Höhe über dem Mars zu erreichen. Der Orbiter kreist dann so niedrig über dem roten Planeten wie keine Sonde zuvor. Von November an soll der Raumkörper während seiner zweijährigen Forschungszeit zehn Mal mehr Daten sammeln, als alle bisherigen Mars-Sonden in mehr als vier Jahrzehnten zusammengenommen. „Die Lehrbücher über den Mars müssen neu geschrieben werden“, sagte Graf.

Graf sprach vor dem Einschwenken in eine Umlaufbahn um den Mars von Nerven aufreibenden Minuten. Die Sonde verschwand während des kritischen Flugmanövers für eine halbe Stunde hinter der Rückseite des Planeten. Während dieser Zeit wusste das Kontrollzentrum nicht, ob sie von der Anziehungskraft des Erdnachbarn eingefangen oder weiter hinaus ins All fliegen würde. Beim ersten neuen Signal der Sonde brach daher unter den Nasa-Mitarbeitern in Pasadena großer Jubel aus. „Kein Drehbuch hätte besser sein können“, sagte Graf.

Die neue Nasa-Sonde ist nach den Worten Grafs der technisch beste Raumflugkörper, der je zu einem anderen Planeten geschickt wurde. An Bord sind sechs wissenschaftliche Instrumente, darunter eine neue, besonders hoch auflösende Kamera. Mit diesem Super-Auge können die Wissenschaftler aus 300 Kilometern Höhe selbst Gesteinsbrocken von der Größe eines Schreibtisches deutlich erkennen. Die Expedition kostet 720 Mill. Dollar (rund 605 Mill. Euro).

Die Nasa will nach den Worten von Forschungsleiter Richard Zurek klären, wann und wohin die einst großen Wasserreservoirs des Planeten verschwunden sind und wie es zu dem Klimawechsel kam. Dank der Technik seien jetzt auf dem Mars Dinge zu erkennen, die noch nie zuvor zu sehen waren, sagte er.

Außerdem sucht die Nasa auf dem Mars, der von allen Planeten der Erde am ähnlichsten ist, nach Ländeplätzen für Roboter und Menschen. Im kommenden Jahr soll die Phoenix-Sonde zum Mars fliegen und im Jahr 2009 ein Marslaboratorium. Diese Roboter-Expeditionen bereiten den Weg für den ersten Besuch von Menschen auf dem roten Planten. Die Nasa hat einen bemannten Raumflug mit sechs Astronauten ab 2025 ins Auge gefasst.

Derzeit umkreisen insgesamt vier Sonden den Nachbarplaneten, darunter auch der „Mars-Express“ der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa.

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