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09.03.2006

13:25 Uhr

Raumfahrt

Nasa will „Fluch des Mars“ besiegen

Manche sprechen nur vom „Fluch des Mars“. Knapp drei Dutzend Sonden sind seit 1960 von der Erde zum Nachbarplaneten aufgebrochen, aber zwei von drei Expeditionen scheiterten entweder schon beim Start oder kurz vor dem Ziel.

Marserkundung dpa

Zeichnung des "Mars Reconnaissance Orbiter. (Foto: Nasa).

dpa WASHINGTON. Manche sprechen nur vom „Fluch des Mars“. Knapp drei Dutzend Sonden sind seit 1960 von der Erde zum Nachbarplaneten aufgebrochen, aber zwei von drei Expeditionen scheiterten entweder schon beim Start oder kurz vor dem Ziel.

„Der Mars ist unberechenbar (...) Der Mars behandelt dich nicht sehr gut“, sagt Projektmanager Jim Graf vom Jet Propulsion Laboratory der US-Raumfahrtbehörde Nasa in Pasadena (Kalifornien). Allein die Nasa hat in den vergangenen 15 Jahren zwei ihrer vier Mars-Expeditionen verloren.

Am Freitag stehen Graf und seinem Team wieder Nerven aufreibende Zeiten bevor. Am späten Abend um 22.25 Uhr (MEZ) zünden die Triebwerke der Erkundungssonde „Mars Reconnaissance Orbiter“, damit der Raumflugkörper nach einem sieben Monate langen Flug von 500 Mill. Kilometern in eine Umlaufbahn um den Mars einschwenkt. 27 Minuten dauert das Flugmanöver, aber nur während der ersten 21 Minuten besteht Funkkontakt zwischen dem Kontrollzentrum in Pasadena und der Sonde im All. Dann verschwindet sie für rund 30 Minuten hinter der Rückseite des Nachbarplaneten, und jede Verbindung reißt ab. In diesen kritischen Minuten, ohne jede Chance, von der Erde aus einzugreifen, wird sich entscheiden, ob die Sonde von der Anziehung des Mars eingefangen wird oder auf Nimmerwiedersehen weiter hinaus in unser Sonnensystem schießt.

Verläuft alles nach Plan, dauert es noch weitere sieben Monate, bis die Erkundungssonde auf ihrer endgültigen Umlaufbahn in rund 300 Kilometern über der Mars-Oberfläche Position bezogen hat. Bei seiner Ankunft am Freitag kreist der Orbiter auf einer stark elliptischen Bahn um den Mars. Mal nähert er sich bis auf 400 Kilometer dem roten Planten an, um dann wieder 44 000 Kilometer weit hinauszuschießen. Mit Hunderten von Flugmanövern, bei denen für kurze Zeit die Triebwerke gezündet werden, bringen die Nasa-Mitarbeiter schließlich die Sonde auf eine nahezu kreisrunde Umlaufbahn.

Das hört sich alles einfach an, ist es aber nicht. Der rote Nachbar ist berüchtigt für seine Sandstürme, die nach Nasa-Angaben auch mal den ganzen Planeten verhüllen und das Sonnenlicht um 80 Prozent reduzieren können. Der unangenehme Nebeneffekt: Wird es richtig staubig, dann werden die Atmosphäre dichter und der Widerstand größer. „Dann haben wir Probleme“, sagt Graf. Die vorausberechneten Flugdaten gehen nämlich nicht mehr auf und müssen korrigiert werden.

Zwei Nasa-Sonden und der europäische „Mars-Express“ kreisen bereits um unseren kleineren Nachbarn. Außerdem zuckeln die beiden Rover „Spirit“ und „Opportunity“ über den Boden des Planeten. Die neue Nasa-Sonde soll jetzt alles in den Schatten stellen und nach den Worten von Graf mehr Daten zur Erde funken als alle anderen Mars- Expeditionen zusammengenommen. Nie zuvor hat die US-Raumfahrtbehörde beispielsweise eine so hoch auflösende Kamera zu einem Planeten in unserem Sonnensystem geschickt.

Rund 720 Mill. Dollar (600 Mill. Euro) kostet die Expedition zum Nachbarplaneten, der der Erde am ähnlichsten ist und in zwei Jahrzehnten von sechs Nasa-Astronauten besucht werden soll. Mit ihren sechs wissenschaftlichen Instrumenten soll die Sonde geeignete Landeplätze für Mensch und Roboter finden. Außerdem ist das Rätsel noch ungelöst, ob der Mars jemals bewohnbar war oder ob es unter dem Eis sogar noch Leben gibt.

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