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10.04.2006

21:20 Uhr

Der Mond dpa

Jules Verne feuerte eine (literarische) Kugel auf den Mond, um so die ersten Menschen auf den Trabanten zu befördern. Die Nasa will jetzt mit Beschuss nach Wasser suchen.

dpa WASHINGTON. Die Nasa will auf der Suche nach Wassereis einen dunklen Krater am Südpol des Mondes beschießen. Das für Januar 2009 geplante Experiment soll Aufschluss darüber geben, ob es in den vom Sonnenlicht unberührten und ewig dunklen Kratern am Südpol des Mondes eine Eisschicht wie bei irdischen Gletschern gibt.

„Sollten wir substanzielle Mengen an Wassereis dort finden, könnte dies später von Astronauten für die Herstellung von Raketentreibstoff genutzt werden“, sagte Nasa-Manager Marvin Christensen am Montag (Ortszeit) in Washington. Die Nasa will zwischen 2015 und 2020 wieder Menschen auf den Mond schicken. Die Astronauten könnten dann aus dem Wassereis Wasserstoff für die Herstellung von Raketentreibstoff und Sauerstoff unter anderem zum Atmen gewinnen.

Das Einschlagprojektil und eine Beobachtungssonde sollen nach Angaben der Nasa gemeinsam mit der neuen Mond-Erkundungssonde „Lunar Reconnaissance Orbiter“ im Oktober 2008 starten. Nach den Worten von Projektmanager Daniel Andrews wird zuerst das rund 2000 Kilogramm schweres Projektil mit einer Geschwindigkeit von etwa 9 000 Kilometern pro Stunde aus dem All auf den Shackleton-Krater abgefeuert, der einen Durchmesser von rund 19 Kilometern hat.

Anschließend soll eine Beobachtungssonde durch die aufgewirbelte Staub- und Gesteinswolke fliegen, die sich weiter als 60 Kilometer über die Mondoberfläche ausstrecken kann. Mit Hilfe einer Infrarot- Kamera und eines Spektrometers soll die Sonde die chemische Zusammensetzung der Wolke analysieren und die Einschlagstelle fotografieren. Die Nasa-Wissenschaftler hoffen, dass damit Wassereis- Vorkommen nachgewiesen werden können.

15 Minuten nach dem ersten Einschlag soll dann auch die 880 Kilogramm schwere Beobachtungssonde gezielt abstürzen. Die Nasa- Wissenschaftler rechnen damit, dass das Einschlagsduo ein 30 Meter weites und bis zu fünf Meter tiefes Loch in die Mondoberfläche reißt. Beide Flugkörper kosten zusammen rund 73 Mill. Dollar (60 Mill. Euro).

Die Nasa hatte bereits 1999 die Sonde „Lunar Prospector“ auf den Mond stürzen lassen. Die Wissenschaftler waren aber enttäuscht, weil durch den geringen Aufschlagwinkel die Oberfläche nur wenig angekratzt wurde. Am 4. August 2005 beschoss die Nasa den Kometen Tempel 1 mit einem etwa Kühlschrank großen Projektil.

Die US-Raumfahrtbehörde will in der Zeit zwischen 2015 und 2020 wieder Menschen auf den Mond schicken und dort ein Basislager für Flüge zum Mars errichten lassen. Die neue unbemannte Mondsonde soll deshalb den Erdtrabanten ein Jahr lang in einer Höhe von nur 50 Kilometern umkreisen und nach geeigneten Landeplätzen suchen.

Bislang haben zwölf US-Astronauten die Mondoberfläche betreten. Der Astronaut Eugene Cernan verließ am 14. Dezember 1972 als bislang letzter Mensch den Mond.

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