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28.01.2013

12:05 Uhr

Raumsonde Rosetta

Kometen-Landung im Labor

Seit neun Jahren ist die Raumsonde Rosetta unterwegs zu einem fernen Kometen. Dort angekommen, soll ihr Lander Philae auf dem kosmischen Brocken aufsetzen. Ein kniffliges Manöver, für das Ingenieure jetzt schon üben.

Im Mai 2014 soll die Raumsonde Rosetta den Kometen erreichen. ap

Im Mai 2014 soll die Raumsonde Rosetta den Kometen erreichen.

BremenPhilae trainiert schon kräftig für den großen Moment. Auf hartem Boden, auf Sand, in Schräglage oder auf der Ebene. Im November 2014 soll die Landeeinheit der Raumsonde Rosetta auf einem weit entfernten Kometen landen. Es wäre das erste Mal in der Raumfahrtgeschichte.

Damit dabei nichts schief geht, testen Experten am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bremen zurzeit alle erdenklichen Szenarien durch - allerdings nur an einem Nachbau. Denn Philae ist längst auf dem Weg durchs All.

Die Landung auf dem Himmelskörper soll der Höhepunkt der Rosetta-Mission sein, die sich die Europäer eine Milliarde Euro kosten lassen. „Die Mission ist extrem wichtig“, sagt Andrea Accomazzo, der zuständige Leiter bei der Europäischen Weltraumagentur Esa. „Wenn wir die Kometen besser verstehen, wissen wir mehr über die Entstehung unseres Sonnensystems. Das ist wie Archäologie im Weltall.“

Kometen-Mission Rosetta

Rosetta

Die Rosetta-Mission soll Erkenntnisse über den Ursprung von Kometen und die Geburt unseres Sonnensystems bringen. Die Raumsonde soll den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko im Mai 2014 erreichen. Zunächst wird sie den kosmischen Brocken dann aus der Ferne mit diversen Messgeräten untersuchen und dabei unter anderem die Gase im Kometenschweif analysieren, die Temperatur im Kern messen und dessen Dichte bestimmen.

Philae

Im November 2014 soll die Rosetta-Landeeinheit Philae auf dem Kometen aufsetzen. Dort wird sie mit einem Bohrer Bodenproben nehmen, das Innere des Kerns mit Radiowellen durchleuchten und das Magnetfeld an der Landestelle ermitteln.

Kometen

Kometen sind unregelmäßig geformte Brocken aus Staub und Eis, die aus den äußeren Bereichen unseres Sonnensystems stammen. Seit dessen Entstehung vor mehr als vier Milliarden Jahren blieben sie nahezu unverändert. In ihnen ist also Materie aus jener Zeit konserviert.

67PTschurjumow-Gerassimenko

Den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko entdeckten die Astronomen Klim Tschurjumow und Swetlana Gerassimenko im Jahr 1969. Aufnahmen mit dem Hubble-Teleskop zeigen einen ovalen Himmelskörper von dreimal fünf Kilometern Größe. Alle sechseinhalb Jahre umrundet er die Sonne.

Im August 2015 wird der Komet bis auf etwa 200 Millionen Kilometer an sie herankommen. Danach entfernt er sich wieder bis auf 860 Millionen Kilometer.

Seit März 2004 fliegt Rosetta dem Kometen mit dem sperrigen Namen „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ entgegen. Mehr als zehn Jahre später soll sie dort endlich eintreffen. Dann beginnt der kritischste Teil der Mission. „Wir wissen fast nichts von dem Kometen“, sagt Accomazzo. Muss die Landeeinheit „Philae“ auf Gesteinsbrocken und Geröll landen? Oder bedecken Sand oder Schnee den Kometen? Da bleibt nur eins: Auf alles vorbereitet sein.

Im DLR-Labor baumelt das etwa kühlschrankgroße Landegerät gerade an einem mächtigen Roboterarm über drei Kübeln, die mit Quarzsand gefüllt sind. Raumfahrtingenieur Silvio Schröder drückt eine Taste auf der Steuerkonsole, und Philae saust herab - mit den Füßen direkt in die Kübel. Sofort bohren sich dicke Schrauben in den Sand. Sie sollen die Sonde auf weichen Oberflächen fest verankern.

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