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15.01.2008

10:01 Uhr

Realitätsnaher Simulator

Geboren, um zu leiden

VonMark C. Schneider

Am heutigen Dienstag erblickt der SimMan 3G das Licht der Welt. Der realitätsnahe Simulator für den Einsatz in Medizin und Lehre stammt aus dem beschaulichen Norwegen. Die Herstellerfirma Laerdal verbindet dabei modernste Technik mit Tradition und viel Erfahrung.

Fast schon erschreckend realitätsnah: Die Trainingspuppe SimMan soll emotionale Nähe herstellen. Foto: Archiv

Fast schon erschreckend realitätsnah: Die Trainingspuppe SimMan soll emotionale Nähe herstellen. Foto: Archiv

STAVANGER. Es klingt wie Science-Fiction. Ein knapp 1,80 Meter großer Kunstmensch, der Ärzten und Forschern als willfähriges Patientenmodell für Training und Versuche dient. Sein Herz schlägt, er atmet, bewegt die Augen – und blutet, sobald er verletzt wird.

Die Utopie wird Realität. Drei dieser Menschen des Typs SimMan 3G gibt es bereits. Heute erblicken sie im amerikanischen San Diego das Licht der Welt – zumindest das der Fachwelt auf dem größten internationalen Kongress für Simulationstechnik in der Medizin, kurz IMSH.

Das Besondere an den neuartigen Simulatoren ist ihre Detailtreue: Sie sehen nicht nur aus wie ein Mensch, verfügen über eine hautähnliche Plastikhülle und einen Kreislauf. Sie reagieren erstmals auch selbstständig, etwa durch Pupillenreflex, und können medizinisch wichtige Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel und Urin produzieren – der Tank dazu befindet sich im rechten Oberschenkel. Ein gespritztes Testmedikament erkennt der Simulator über einen Funkempfänger im rechten Arm.

Grundlage ist ein softwarebasiertes Menschenmodell. „SimMan 3G ist ein individuell anpassbarer Computer. Er kann problemlos erweitert werden“, sagt sein „Vater“ Lars Primdahl, Entwicklungschef des Projektes.

Die Batterien für die Kunstmenschen mit feinmechanischen Organen wie Herz und Lunge befinden sich im Bauchraum. Nach zwei bis drei Stunden Ladezeit ist die Mensch-Maschine einsatzbereit. Erstmals ist ein Simulator damit dank Bluetooth-Übertragungstechnik kabellos in Feld und Flur verwendbar – wichtig für die Nachahmung von Rettungseinsätzen und Katastrophenübungen.

Das Elternhaus der drei Prototypen ist die Firma Laerdal. Von der beschaulichen norwegischen Hafenstadt Stavanger aus, neben dem englischen Liverpool Europas unbekannte Kulturhauptstadt des Jahres 2008, tüftelt das Familienunternehmen seit Jahren an Simulatoren. Sie werden „Manikins“ genannt und sollen Ärzten und Schwestern einen möglichst lebensechten Eindruck vermitteln.

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