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14.07.2017

10:56 Uhr

Reisekrankheiten

Unliebsame Mitbringsel aus dem Urlaub

Tourismus und steigende Temperaturen sorgen dafür, dass sich Krankheiten wie Malaria, Denguefieber und Chikungunya ausbreiten - künftig könnte auch Europa stärker betroffen sein. Wie Mediziner darauf reagieren.

Touristen am Strand von Patong Beach auf Phuket. Immer mehr Menschen reisen in Regionen, wo exotische Krankheitserreger kursieren. dpa

Touristen in Thailand

Touristen am Strand von Patong Beach auf Phuket. Immer mehr Menschen reisen in Regionen, wo exotische Krankheitserreger kursieren.

München/BayreuthMalaria, Chikungunya, Zika: Es gibt Urlaubsmitbringsel, auf die man gut verzichten kann. Doch immer mehr Touristen reisen in Regionen, wo solche Erreger kursieren. Gleichzeitig breiten sich die Überträger solch typischer Reisekrankheiten – vor allem Mücken – im Gefolge des Klimawandels aus.

Doch Ärzte hierzulande denken nicht immer an Tropenkrankheiten, wenn sie einen infizierten Patienten vor sich haben. „Es kommt noch nicht so häufig vor, dass man das in der Praxis sieht“, sagt Ulrike Protzer, die das Institut für Virologie der Technischen Universität München (TUM) leitet. So breite sich etwa das insbesondere vor den Olympischen Spielen in Brasilien viel diskutierte Zika-Virus inzwischen langsamer aus.

Malaria und Denguefieber hingegen zählen laut Robert Koch-Institut (RKI) zu den häufigsten „reiseassoziierten Krankheiten“, mit jeweils rund 1000 Fällen im vergangenen Jahr in Deutschland. Afrikanische Staaten wie Nigeria und Eritrea gelten als typische Infektionsländer für Malaria.

Typische Reisekrankheiten

Malaria

Der Malaria-Erreger wird überwiegend in Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas durch Mücken übertragen. Charakteristisch für Malaria­Erkrankungen ist Fieber. Die gefährlichste Malaria-Form kann bei fehlender oder zu spät erfolgter Behandlung tödlich verlaufen. Eine Prophylaxe mit Medikamenten ist möglich.

Dengue

Das Dengue-Virus wird von vorwiegend tagaktiven Stechmücken in mehr als 100 Ländern der Tropen und Subtropen übertragen. Viele hiesige Fälle kommen aus Thailand als stark frequentiertem Fernreiseziel. Die Infektion verursacht Fieber, Kopf­ und Gliederschmerzen sowie in einigen Fällen Hautausschlag. Gerade bei Kindern kann die Krankheit tödlich verlaufen. Es gibt keine Impfung.

Zika

Das Zika-Virus war vor den Olympischen Spielen 2016 in Brasilien auch in Deutschland Thema. Ausbrüche sind aus vielen lateinamerikanischen Ländern bekannt, darunter Kolumbien, Costa Rica, Mexiko und die Dominikanische Republik. Zu den typischen Symptomen zählen Hautausschlag, Fieber, Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen. Eine Labormeldepflicht für die auch sexuell übertragbare Infektion gibt es in Deutschland seit Mai 2016. Impfungen oder medikamentöse Prophylaxe existieren nicht.

Chikungunya

Das Chikungunya-Virus kommt in afrikanischen Ländern wie Senegal, Gambia und Tansania vor, aber auch in Süd- und Südostasien. Seit Ende 2013 sind auch Fälle aus der Karibik sowie Mittel­ und Südamerika bekannt. Auch in Südeuropa wurden lokale Übertragungen beschrieben. Mücken übertragen das Virus von Affen und vermutlich auch Nagetieren auf Menschen. Symptome sind plötzliches Fieber sowie Kopf­, Muskel­ und Gelenkschmerzen. Selten verläuft die Erkrankung tödlich. Einen Impfstoff gibt es nicht.

Wobei das RKI betont, dass die hohe Fallzahl zu einem großen Teil durch Flüchtlinge aus Nordafrika bedingt ist. Im asiatischen Raum – etwa beliebten Touristenzielen wie Thailand und Indonesien – infizieren sich dagegen viele Patienten mit Denguefieber.

Beide Krankheiten können tödlich verlaufen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben zum Beispiel 2015 weltweit rund 430.000 Menschen an Malaria. Oliver Hayden vom TUM-Lehrstuhl für Biomedizinische Elektronik hat mit Kollegen bei Siemens einen automatisierten Blutschnelltest entwickelt. Dieser diagnostiziert die Krankheit anhand von 30 Blutwerten mit einer Sicherheit von 97 Prozent. Dafür gab es den Europäischen Erfinderpreis in der Kategorie Industrie.

Um den Bluttest einzusetzen, brauchen Labore nicht einmal neue Geräte: „Die Fülle an Information eines Hämatologie-Automaten wird bisher nur sehr oberflächlich genutzt. Dabei werden 35 Prozent aller klinischen Tests routinemäßig auf hämatologische Parameter geprüft“, so Hayden. In der Regel werde eine Blutprobe aber erst dann gründlich untersucht, wenn ein Blutbild außerhalb der Norm liege.

Mit einem speziellen Algorithmus für Malaria überprüft Haydens neuer Schnelltest die Blutwerte auf charakteristische Malaria-Muster. Insbesondere die Blutplättchen liefern wichtige Hinweise auf eine solche Infektion.

„Das ist aber kein Test für den Busch“, macht Hayden deutlich. Die Geräte seien für Zentrallabore und sogenannte Hochdurchsatz-Analytik mit Tausenden Proben am Tag ausgelegt. Malaria ist nur ein Beispiel, und es sei abzusehen, dass Laborautomaten in Zukunft viel mehr Krankheiten erkennen könnten. Dies unterstütze die Routinediagnostik an den Kliniken.

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