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23.03.2011

15:05 Uhr

Rekordverdächtiger Himmelskörper

Zwergstern ist nur so heiß wie eine Tasse Tee

Ein „verhinderter Stern“ in 75 Lichtjahren Entfernung zur Erde kann den Rekord als kältestes sternartiges Objekt im Universum beanspruchen.

Künstlerische Darstellung des Doppelsystems aus zwei Braunen Zwergen. Im Hintergrund CFBDSIR 1458+10B, der kühlste bislang entdeckte Vertreter dieser Klasse von Himmelskörpern. Quelle: ESO

Künstlerische Darstellung des Doppelsystems aus zwei Braunen Zwergen. Im Hintergrund CFBDSIR 1458+10B, der kühlste bislang entdeckte Vertreter dieser Klasse von Himmelskörpern.

DüsseldorfEinen neuen Kandidaten für das kühlste sternartige Objekt im Universum haben Wissenschaftler eines französisch-amerikanischen Forschungsteams entdeckt. Bei dem Himmelskörper handelt es sich um einen sogenannten Braunen Zwerg. Seine Oberfläche ist nicht heißer als eine dampfende Tasse Tee – für Himmelskörper dieser Art außergewöhnlich kalt.

Braune Zwerge gelten als „gescheiterte Sterne“: Sie sind nicht massereich genug, als dass in ihrem Inneren die Kernreaktionen starten könnten, aus denen Sternen ihre Energie beziehen und die sie leuchten lassen. Dass Braune Zwerge trotzdem schwach leuchten, liegt daran, dass sie sich durch Kontraktion aufheizen.

Der neu entdeckte Zwerg mit der Bezeichnung CFBDSIR 1458+10B ist die lichtschwächere Komponente in einem Doppelsystem zweier Brauner Zwerge, die in einer Entfernung von 75 Lichtjahren von der Erde umeinander kreisen. Er hat eine Oberflächentemperatur von nur etwa 100 Grad Celsius. Zum Vergleich: Die Oberfläche unserer Sonne ist etwa 5500 Grad heiß.

„Bei so einer niedrigen Temperatur erwartet man von einem Braunen Zwerg ganz andere Eigenschaften als von den bisher bekannten Vertretern dieser Gattung“, so Michael Liu vom Institute for Astronomy der University of Hawaii. Sein Forschungsteam ist dem kühlen Zwerg mithilfe des Very Large Telesope (VLT) der europäischen Südsternwarte Eso auf die Spur gekommen. "Das Objekt dürfte einem großen Gasplaneten ähneln – es könnte in seiner Atmosphäre sogar Wolken aus Wasserdampf geben", so der Forscher.

Die Suche nach kühlen Objekten wie Braunen Zwergen ist derzeit ein aktuelles Thema in der Astronomie. Erst kürzlich hatte das Infrarot-Weltraumteleskop „Spitzer“ zwei andere besonders lichtschwache Objekte entdeckt, die ebenfalls als Kandidaten für die kühlsten Braunen Zwerge gelten. Allerdings lassen sich deren genaue Temperaturen bisher nicht bestimmen.

Liu vermutet, dass solch lichtschwache Himmelskörper keine Seltenheit im Universum sind. "Tatsächlich dürften viele der Gasriesen um sonnenähnliche Sterne, die wir mit der nächsten Generation von Großteleskopen fotografieren können, so ähnlich wie CFBDSIR 1458+10B aussehen", so der Forscher.

Doch bevor er sich auf die Suche nach ähnlich auffälligen Objekten macht, will er mit seinem Team noch einmal CFBDSIR 1458+10B genauer ins Visier nehmen. Durch weitere Beobachtungen sollen die Eigenschaften des kühlen Zwergs genauer bestimmt und die Umlaufbahn des Doppelsystems vermessen werden.

Von

tt

Kommentare (2)

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KFR

23.03.2011, 15:57 Uhr

Glück gehabt mit der "künstlerischen" Dastellung ! bei der Temperatur einer Tasse Tee strahlt nix und nix ist zu sehen !

opsat

23.03.2011, 18:08 Uhr

Naja vielleicht ist der Artikel da nicht präzise,
ist mit "Leuchten" vielleicht Infrarot und nicht das sichtbare Licht gemeint? Als Laie kann ich es mir nur so denken - kann jemand aufklären?

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