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19.09.2013

11:14 Uhr

Riskante Dominanz

In Krisenzeiten stirbt der Chef zuerst

Wer seine Artgenossen dominiert, lebt gefährlich. Er muss sich nicht nur gegen machthungrige Rivalen behaupten - die größte Gefahr lauert am Futtertrog, wie Wiener Forscher herausgefunden haben.

Für Rothirsche kann Dominanz zur tödlichen Gefahr werden. dpa

Für Rothirsche kann Dominanz zur tödlichen Gefahr werden.

ChicagoDominanz kann tödlich sein – zumindest bei Rothirschen. Das geht aus Beobachtungen von Forschern der Veterinärmedizinischen Universität Wien hervor. Zwar haben die Chefs an den Futterplätzen den Vorrang vor anderen Tieren, dafür benötigen sie aber auch deutlich mehr Energie, um ihren „Führungsanspruch“ aufrechtzuerhalten. In Zeiten knapper Futterreserven kann dies den dominanten Tieren zum Verhängnis werden.

Die Wissenschaftler um Christopher Turbill hatten Hirschkühe einer Rothirsch-Gruppe (Cervus elaphus) mit kleinen Transmittern versehen, die in den Pansen eingebracht wurden. Über ihn wurden Herzschlag und Körpertemperatur der Tiere – typische Marker des Stoffwechsels – registriert. Die Rangordnung in der Gruppe, zu der nur Weibchen gehörten, wurde über Verhaltensbeobachtungen erfasst.

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Die Tiere konnten sich in einem 45 Hektar großen Gelände frei bewegen. Im Winter bekamen sie ergänzend Futterpellets aus einem Automaten. Zeitweise schränkten die Forscher dieses Angebot ein, um die physiologischen Folgen für die Tiere zu analysieren.

Rothirsche zehren im Winter von ihren eingelagerten Fettreserven. Zudem wird der Stoffwechsel in kalten Winternächten drastisch heruntergefahren. Den dominierenden Weibchen der Gruppe sei dies deutlich schlechter gelungen, schreiben die Forscher im Fachjournal „Physiological and Biochemical Zoology“.

Die dominanten Weibchen wiesen im Vergleich zu rangniedrigeren Tieren einen schnelleren Herzschlag und eine höhere Körpertemperatur. Als Folge davon verloren sie in den Phasen der Futterknappheit deutlich mehr Gewicht als ihre Artgenossen. In freier Wildbahn könnte dies in Krisenzeiten – etwa in besonders langen und harten Wintern – zum Tod der Tiere führen.

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