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26.07.2011

15:57 Uhr

Robert-Koch-Institut

Ende der Ehec-Epidemie ausgerufen

Über 4300 Erkrankte und 50 Todesfälle – das ist die Bilanz des Ehec-Ausbruchs in Deutschland. Die Epidemie wurde nun für beendet erklärt – doch mit Infektionen rechnen Forscher weiterhin.

Im Rahmen einer Nachuntersuchung bereitet eine Arzthelferin die Blutentnahme bei einem ehemaligen EHEC-Patienten vor. Die EHEC-Krise ist überstanden, ihre Folgen sind es noch nicht. Quelle: dpa

Im Rahmen einer Nachuntersuchung bereitet eine Arzthelferin die Blutentnahme bei einem ehemaligen EHEC-Patienten vor. Die EHEC-Krise ist überstanden, ihre Folgen sind es noch nicht.

Berlin Der größte je beschriebene Ehec-Ausbruch in Deutschland ist zu Ende. Das Robert-Koch-Institut hat die Ehec-Epidemie fast drei Monate nach ihrem Beginn am Dienstag für beendet erklärt. Deutschlandweit forderte der aggressive Darmkeim 50 Todesopfer. Mehr als 4.320 Erkrankungsfälle wurden registriert. Die Behörden wollen den gefährlichen Erreger in Zukunft intensiver überwachen.

Da seit dem letzten übermittelten Erkrankungsbeginn vor drei Wochen kein neuer Erkrankungsfall bekannt geworden sei, betrachte das RKI den Ausbruch als beendet, teilte das Institut am Dienstag in Berlin mit. Die drei Wochen berücksichtigen den Angaben zufolge die Inkubationszeit, die Zeit für die Diagnosestellung und die Zeit für die Übermittlung eines Falls. „Damit ist der größte Ehec-Ausbruch in Deutschland beendet“, sagte RKI-Präsident Reinhard Burger.

Zwtl: Forscher rechnen mit mehr Erkrankungen als zuvor Allerdings rechnen die Forscher künftig mit mehr Meldungen über Ehec-Infektionen als in vergleichbaren Vorjahreszeiträumen. Als Gründe nannten sie die erhöhte Aufmerksamkeit für Ehec/HUS sowie eine vermehrt durchgeführte Diagnostik. Diese Infektionen könnten über Ausscheidungen von Menschen übertragen werden, auch wenn diese keine Symptome mehr hätten. Darüber hinaus könne die Übertragung direkt von Mensch zu Mensch oder durch Lebensmittel erfolgen, die kontaminiert wurden.

Deshalb sollten auch nach dem Ende des Ausbruchs „etwaige Erkrankungen durch Infektion mit Ehec O104:H4 intensiv nachverfolgt und zeitnah dem RKI übermittelt werden“, sagte Burger. Das Lagezentrum, das für das Management des Ausbruchs am 23. Mai 2011 im RKI eingerichtet worden war, soll allerdings geschlossen werden.

Zwtl: Erreger forder 50 Todesopfer bundesweit Seit Ausbruch der Epidemie Anfang Mai erkrankten nach RKI-Angaben bundesweit 4.321 Menschen an dem gefährlichen Darmkeim, 852 von ihnen litten am Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS). Am vergangenen Donnerstag hatten die Behörden die generelle Verzehrwarnung vor rohen Sprossen aufgehoben. Lediglich aus Ägypten importierte Bockshornkleesamen sowie Sprossen und Keimlinge, die aus diesen Samen gezogen wurden, sollten weiterhin nicht roh verzehrt werden.

Diese Samen waren bereits Ende Juni „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ als Auslöser des Epidemie-Ausbruchs in Deutschland identifiziert worden. Am 5. Juli ordnete die Europäische Union den Rückruf der im Zeitraum 2009 bis 2011 importierten Chargen von Bockhornkleesamen an und verhängte ein Einfuhrverbot für sämtliche ägyptische Samen und Bohnen.

Fragen und Antworten zu Ehec

Was ist Ehec eigentlich?

Ehec bezeichnet einen Darmkeim, der normalerweise bei Tieren vorkommt. Er ist eine Sonderform der wichtigen Kolibakterien, die im Darm Nährstoffe spalten und für die Abwehr von Krankheitserregern
sorgen. Das Enterohämorrhagische Escherichia Coli-Bakterium (Ehec) setzt jedoch beim Menschen gefährliche Giftstoffe frei, die lebensbedrohliche Krankheiten auslösen können.

Welche Symptome bringt eine Ehec-Erkrankung mit sich?

Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und
Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich.

Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle?

Seit dem 10. Juni geht das Robert-Koch-Institut (RKI) mit großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass Sprossen die Ursache für den aktuellen Ausbruch sind. Die Warnung vor dem Verzehr roher Gurken, Tomaten und Blattsalaten wurde aufgehoben. Sprossen gelten als generell anfällig für Keime.  Bohnen-Sprossen seien definitiv als Ursache für die Ehec-Erkrankungen festgestellt worden, so das RKI.

Wie kann ich mich vor Ehec-Erkrankungen schützen?

Gegen den Ehec-Keim gibt es keine Impfung, der beste Schutz ist Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem Robert Koch Institut zufolge das Risiko einer Ehec-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Vor dem Verzehr von Sprossen wird gewarnt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät zudem, Rohmilch vor dem Verzehr abzukochen und pasteurisierte und ultrahocherhitzte Milch als sicher anzusehen. Die Behörde mahnt besondere Hygiene im Umgang mit Fleisch an: Die Hände sollen vor der Zubereitung von Speisen und nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich mit Wasser und Seife gewaschen und abgetrocknet werden. Rohes Fleisch soll getrennt von anderen Lebensmitteln gelagert und zubereitet werden, beim Grillen etwa empfiehlt das BfR verschiedene Bretter, Teller und Zangen zu verwenden. Auch diese Gegenstände sollen sofort nach dem Gebrauch gründlich gereinigt und abgetrocknet werden. Zudem rät das Institut Lappen und Handtücher nach der Zubereitung von rohem Fleisch möglichst auswechseln und bei mindestens 60 °C waschen. Wer sich entscheidet, rohes Gemüse oder Obst zu verzehren, soll es schälen oder zumindest gründlich waschen, so die Behörde.

In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das?

HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein.

Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin?

Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen Ehec-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. Der aktuell grassierende Erreger ist gegen Antibiotika allerdings ohnehin resistent.

Wie tauschen die Länder Informationen aus?

Wenn riskante Lebensmittel in Europa im Umlauf sind, tauschen die EU-Länder über ein Schnellwarnsystem wichtige Informationen aus. Das gilt auch jetzt - bei den gefährlichen Ehec-Keimen. Über das europäische Schnellwarnsystem für Nahrungs- und Futtermittel RASFF hat Deutschland die übrigen 26 EU-Länder vor den möglichen Ursachen der Infektionen offiziell gewarnt.

Bestehen unmittelbare Risiken für die menschliche Gesundheit, können nationale Behörden RASFF-Warnungen europaweit zum Anlass nehmen, um die Öffentlichkeit zu informieren, Rückrufaktionen zu starten oder Importe an den Grenzen abzufangen. Betroffene Produkte werden meist vom Markt genommen. In Deutschland laufen die Hinweise beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ein. Darin steht, um welche Produkte es geht, woher sie kommen und welche Maßnahmen im betroffenen Land ergriffen worden sind.

RASFF gibt es seit 1979. Nicht nur die EU-Staaten tauschen darüber Informationen aus. Auch Norwegen, Island, Liechtenstein und die Schweiz machen mit. Darüber hinaus können Drittstaaten über eine Online-Plattform die Meldungen abrufen. 2009 gab es rund 8000 RASFF Meldungen, so viele wie nie zuvor. Bei 557 davon handelte es sich um ernstzunehmende Warnungen über Gefahrenprodukte, die schon auf dem Markt waren.

 

 

Von

dapd

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