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01.08.2016

15:07 Uhr

Roboter unterstützt ALS-Kranke

Der Roboter ersetzt den kranken Körper

Die Nervenkrankheit ALS schließt Menschen immer weiter im eigenen Körper ein – bis hin zur kompletten Lähmung. Mit einem Roboter wollen Wissenschaftler das Schicksal der Betroffenen etwas erleichtern.

Schai Rischoni liegt in seinem Wohnzimmer in Ramat Hascharon (Israel). Der ALS-Kranke kann nur noch seine Augen bewegen. dpa

Kommunikation per Augenbewegung

Schai Rischoni liegt in seinem Wohnzimmer in Ramat Hascharon (Israel). Der ALS-Kranke kann nur noch seine Augen bewegen.

Ramat HascharonSchai Rischoni liegt auf dem Rücken und schaut auf einen Bildschirm über sich. Der 50-jährige Israeli ist querschnittsgelähmt. Er kann nicht sprechen und nur noch seine Augen bewegen. Kommunizieren kann Rischoni nur, indem er seinen Blick auf eine virtuelle Tastatur fixiert und so Botschaften schreibt.

Was er schreibt, zeugt von seinem kämpferischen Geist: „Meine Krankheit definiert nicht, wer ich bin, und darf nicht mein Leben bestimmen.“ Eine weitere technische Hilfe soll nun seine Kommunikation mit der Außenwelt etwas verbessern.

„Schai ist schon seit mehr als drei Jahren komplett gelähmt“, sagt seine Frau Tami. Vor fünf Jahren hatte er die niederschmetternde Diagnose erhalten: Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), eine chronische und fortschreitende Erkrankung des zentralen Nervensystems.

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Was lange Science-Fiction war, wird real: Gedanken lesen. Das hilft Kranken, sich zu verständigen – und Gesunden, produktiver zu werden. Auch bei monotonen Jobs soll die Technologie helfen.

„Es hat ihn hart getroffen“, sagt Tami. Der frühere Marketing-Direktor und Vater zweier Jungen im Alter von 12 und 17 Jahren sei früher „unglaublich sportlich“ gewesen. „Er ist Marathon gelaufen, hat sogar beim Ironman mitgemacht.“

Inzwischen muss Rischoni in seinem Haus in Ramat Hascharon nördlich von Tel Aviv rund um die Uhr künstlich beatmet werden. Er hat einen Betreuer und braucht jeden Tag ausgedehnte Physiotherapie. Der früher so aktive Mann ist komplett von anderen abhängig. Doch jetzt nimmt er an einem Versuch teil, der ihm zumindest zu ein bisschen mehr Freiheit verhelfen könnte.

Rischoni soll einen rollenden Roboter des Typs TeleBuddy steuern, der aus einer langen Stange auf Rollen mit aufgestecktem Ipad besteht. Da der 50-Jährige das nicht via Fernsteuerung mit seinen Händen tun kann, hat der israelische Forscher Roey Tzezana den TeleBuddy mit dem Bildschirm verknüpft, auf dem Rischoni sonst mit den Augen schreibt.

Nun soll der ALS-Kranke darüber dem Telebuddy Befehle geben. Zunächst tut sich nichts, doch nach einer Weile gelingt es: Der mit Anzug und Krawatte gekleidete Roboter bewegt sich wirklich.

Tzezana, Mitgründer der Firma TeleBuddy, spricht zumindest von einem Teilerfolg. „Allein die Tatsache, dass wir beweisen konnten, dass er den Roboter kontrollieren kann, ist ein Fortschritt“, sagt der 36-Jährige.

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