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21.06.2017

13:18 Uhr

Robotik-Professor Martijn Wisse

„Technisch ist heute fast alles möglich“

VonKirsten Ludowig

Martijn Wisse will Roboter besser und günstiger machen, indem er sich Dinge aus der Natur abschaut. Im Interview spricht er über Science Fiction, das niederländische RoboValley und wie Roboter den Alltag umwälzen werden.

„Wir lassen uns in der Robotik von der Natur inspirieren.“ Michiel Wijnbergh

Martijn Wisse

„Wir lassen uns in der Robotik von der Natur inspirieren.“

DelftMartijn Wisse ist der erste Professor für Biorobotik in den Niederlanden. Der 41-Jährige forscht und lehrt am Robotics Institute der Technischen Universität Delft. Sein erklärtes Ziel: bessere, schnellere und günstigere Roboter für alle. Dabei schaut er sich vieles von der Natur von Mensch und Tier ab. Wisse hat bereits zwei Robotik-Spin-Offs mit aufgebaut.

Herr Wisse, warum sind Sie Robotik-Wissenschaftler geworden?
Als Kind hab ich viele Science-Fiction-Bücher gelesen, vor allem die von Isaac Asimov. Hinter all seinen Geschichten steckte immer dieselbe Vision. Nämlich die, dass Roboter grundsätzlich alles können: jeden Job, für jedermann, überall. Und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass das in Zukunft nicht der Fall sein wird. Ich wollte Roboter bauen und begann Maschinenbau zu studieren. Ich konzentrierte mich also erst auf die Technik, später kam dann die Softwareentwicklung dazu. Die Software ist ja ein wichtiger Teil der Robotik, wenn nicht der wichtigste.

RoboValley im niederländischen Delft: Tulpen, Käse und Roboter

RoboValley im niederländischen Delft

Premium Tulpen, Käse und Roboter

In Delft loten unsere niederländischen Nachbarn die Zukunft aus – mit einer neuen Generation von Robotern. Dafür hat das Land ohne Berge sein eigenes Tal geschaffen: RoboValley. Ein Besuch im modernen Maschinenzeitalter.

Sie sind der erste Professor für Biorobotik in den Niederlanden. Was genau verbirgt sich hinter diesem Fachbereich?
Es gibt keine allgemein gültige Definition. An der TU Delft verstehen wir darunter zwei Dinge. Erstens: Wir lassen uns in der Robotik von der Natur inspirieren, von Mensch und Tier. Das ist unser Vorbild. Und zweitens: Es geht um Maschinen für unser Lebensumfeld, zum Beispiel für die Ernte in der Landwirtschaft oder für die Arbeit mit Menschen, etwa in der Pflege.

Wie sind Sie auf die Idee für das RoboValley gekommen?
Ich habe mich länger mit der Geschichte des Silicon Valley beschäftigt – und alles begann mit der Stanford-Universität. Einer der Gründungsväter war Frederick Terman. Um 1920 gab es das Silicon Valley noch nicht und die Stanford-Universität war klein und unbedeutend. Dieser Mann hat es geschafft, dass die Universität mit ihren Professoren und Forschern und das Ökosystem aus Gründern, Unternehmen und Geldgebern Hand in Hand gewachsen sind. Wir wollten etwas Ähnliches aufbauen, speziell für Robotik.

Deswegen auch RoboValley?
Wir haben sehr lange nach einem geeigneten Namen gesucht und uns dann für RoboValley entschieden. Einerseits klingt das ein wenig abgedroschen, andererseits ist jedem sofort klar, was wir hier machen.

Das RoboValley in Delft

Inkubator

Das RoboValley vermietet Büroflächen an Gründer. Zwölf Start-ups haben sich bislang in Delft angesiedelt. Sie können den Sekretariatsservice nutzen und bekommen Unterstützung beim Aufbau ihres Geschäfts sowie bei wichtigen Fragen, etwa zur Regulierung von Drohnen. Auch die Labs der TU Delft stehen zur Verfügung. Im monatlichen Robo-Café werden Ideen ausgetauscht. Eine Internetplattform bietet Jobangebote und neueste Robotik-Studien.

Berater

Mit dem „Robot Master Team“ gibt es eine eigene Consulting-Einheit. Über sechs bis acht Wochen gehen die RoboValley-Berater in ein Unternehmen und lösen ein spezifisches Problem mit Hilfe von Robotern. So bringen sie die Manager mit ihren Robotik-Experten zusammen.

Investor

Das RoboValley hat gemeinsam mit der kanadischen Beteiligungsgesellschaft Chrysalix einen Robotik-Fonds in Höhe von 100 Millionen Euro aufgelegt.

Was war anfangs die größte Herausforderung?
Wir mussten alles gleichzeitig machen: den Aufsichtsrat der Universität überzeugen, große Unternehmen als Partner gewinnen, die Marke bekannt machen. RoboValley existiert seit weniger als zwei Jahren und es ist schon sehr geläufig. Die Investition und der Kraftakt haben sich ausgezahlt.

Wo stehen wir in der Entwicklung der Robotik?
Wenn die x-Achse eine Zeitleiste ist und die y-Achse die Anzahl der Roboter darstellt, die in Gebrauch sind, dann verläuft diese Kurve lange auf einem sehr niedrigen Niveau bevor sie steil ansteigt. Und ich denke, wir sind genau an der Neigung der Kurve nach oben. Wir sehen aktuell in der Industrie und Landwirtschaft oder auch im Gesundheitswesen eine Menge Forschung und Innovationen in der Robotik. Technisch ist heute fast alles möglich. Es kommt aber darauf an, ob es das wert ist. Es kommt also auf das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen an. Wenn Geld keine Rolle spielen würde, würden wir einfach die Gehälter erhöhen.

Kommentare (1)

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Herr Helmut Metz

21.06.2017, 14:40 Uhr

ARNIE kommt auch bald:
https://www.youtube.com/watch?v=W1czBcnX1Ww
ebenso der ROBOCOP:
https://www.youtube.com/watch?v=gLqM7TJX4BE

-> Vollautomatisiertes Töten ohne menschliche Skrupel ist daher auch nur noch eine Frage der Zeit...

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