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08.08.2011

10:19 Uhr

Rohstoffe

Globaler Wettlauf um die Schätze der Tiefe

In der Tiefsee lagern unvorstellbare Schätze. Experten beziffern allein den Wert der verborgenen Bestände an Nickel, Kupfer und Gold auf 33 Billionen Dollar. Der globale Wettlauf um diese Rohstoffe hat längst begonnen.

Chinesisches Tauchboot "Jiaolong". Mit dem Vorstoß des U-Boots in 5000 Meter Tiefe untermauerte China vor wenigen Tagen seine Ansprüche im Wettlauf um die Tiefsee-Rohstoffe. Quelle: dpa

Chinesisches Tauchboot "Jiaolong". Mit dem Vorstoß des U-Boots in 5000 Meter Tiefe untermauerte China vor wenigen Tagen seine Ansprüche im Wettlauf um die Tiefsee-Rohstoffe.

DüsseldorfSeine Zeitgenossen hielten den Bestsellerautor Jules Verne noch für einen Fantasten, als er im Jahr 1870 in seinem Roman "20.000 Meilen unter dem Meer" seine Hauptfigur sagen ließ: "Am Meeresboden gibt es Zink, Eisen, Silber und sogar Goldminen im Überfluss."

Aus Fiktion ist Wirklichkeit geworden. Die unermesslichen Rohstoffvorkommen, von denen Verne nur fantasierte, es gibt sie tatsächlich. Ehrgeizige Staaten und finanzkräftige Konzerne rüsten zum Wettlauf um die Rohstoffe, die ungeborgen ein bis elf Kilometer tief unter der Meeresoberfläche liegen.

Laut der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) finden sich dort rund 500 Milliarden Tonnen "Manganknollen". Dies sind kartoffelgroße Klumpen, die nur etwa fünf Millimeter in einer Million Jahren wachsen. In ihrem Inneren lagern wertvolle Rohstoffe, vor allem Kupfer, Nickel und die von vielen Technologiekonzernen benötigten Seltenen Erden wie Lanthan und Neodym. Hochrechnungen beziffern den Wert - zum aktuellen Marktpreis der jeweiligen Rohstoffe - auf fantastische 33 Billionen Dollar.

Das sind Summen, die jegliche Bedenken der Tiefsee-Vertragsstaaten zerstreuen. Die ISA mit Sitz im jamaikanischen Kingston sorgt dafür, dass sich nicht jeder im Meer bedienen kann. Vor zwei Wochen hat sie Abbaurechte an die Inselstaaten Nauru und Tonga vergeben.

Die Preisexplosion auf den Rohstoffmärkten und die damit verbundenen Verdienstmöglichkeiten wirken auf Regierungen und Großkonzerne wie ein Weckruf: "Immer mehr Staaten treffen Vorbereitungen für die Exploration in der Tiefsee", sagt Christian Reichert, Leiter des Bereichs Marine Rohstoffforschung bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Er vertritt das Bundeswirtschaftsministerium bei der ISA.

Dort hat allein Deutschland sich eine Abbaufläche von 75000 Quadratkilometern mitten im Pazifik gesichert. Zwischen Hawaii und Mexiko sollen dort auf "deutschem" Gebiet nach heutigen Marktpreisen Rohstoffe im Wert von 561 Milliarden Dollar lagern. Das entspräche mehr als dem 30-Fachen des Börsenwerts eines Großkonzerns wie Thyssen-Krupp.

Es sind die großen Rohstoffmultis wie BHP Billiton, Rio Tinto und Vale, die ihr Einsatzgebiet aus Bergminen und dem Tagebau in die Tiefsee verlagern würden, aber auch neu entstandene Konzerne wie das kanadische Nautilus oder Neptun aus den USA sind bereits mit Investitionen in Vorlage gegangen. Ihr Geschäft ist vor allem die Erkundung und Vorbereitung einer professionellen Exploration.

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