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17.08.2012

10:03 Uhr

Rolf Dobelli

Denkfehler auf frischer Tat ertappt

VonPetra Schäfer

Rolf Dobelli ist ein ehemaliger Manager und Internetunternehmer. In einer Fortsetzung von „Die Kunst des klaren Denkens“ enttarnt der Bestsellerautor auf intelligente und unterhaltsame Weise klassische Denkfehler.

Autor Rolf Dobelli. PR

Autor Rolf Dobelli.

KölnAm Anfang waren die Affen. Als Rolf Dobelli ein Experiment zur Vorhersagbarkeit von Börsenkursen schildert, bei dem Affen mit Erfolg spekulieren, ist es im großen Saal des Hauses der Kunst in München mucksmäuschenstill. Viele Menschen seien vom augenscheinlichen Können der Affen als Spekulanten buchstäblich euphorisiert, meint der Autor von "Die Kunst des klaren Denkens" im Vortrag. "Das ist unser Hang, nur nach dem Ergebnis zu schauen, nicht aber danach, wie es eigentlich zustande gekommen ist", sagt Dobelli. Per Zufall nämlich.

Für ihn sei die Ergebnisfalle der Anstoß gewesen, nach weiteren Trugschlüssen zu suchen. Der Schweizer Ex-Manager der Swissair-Gruppe und Internetunternehmer, Mitgründer von GetAbstract, enttarnt Denkfehler - 100 hat er bereits in Kolumnen in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Zeit" analysiert. Mit "Die Kunst des klaren Denkens", das die ersten 52 Analysen klassischer Denkfehler zusammenfasst, belegt Dobelli seit Wochen Platz 1 der Bestellerliste für Sachbücher. Über 300 000 Exemplare wurden bisher verkauft. Ende des Monats kommt die Fortsetzung mit "Die Kunst des klugen Handelns" - und einer Startauflage von sagenhaften 250 000 Stück.

Teil des Buchcovers von „Die Kunst des klugen Handelns“. Pressebild

Teil des Buchcovers von „Die Kunst des klugen Handelns“.

Die Methode Dobelli funktioniert: Der Bestsellerautor recherchiert im Fundus der Verhaltensökonomie und Psychologie und zerrt die Denkfehler wie Sündenböcke in unser Bewusstsein. Auf seiner Internetseite empfehlen Beraterlegende Roland Berger und der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa, Christoph Franz, die Lektüre. "Es ist ein seltener Glücksfall, wenn bei einem Sachbuch einmal alles gelingt", sagt Hanser-Verlagsleiter Hermann Riedel über einen seiner derzeit erfolgreichsten Autoren. Er verstehe es, intelligent und unterhaltsam zu schreiben und einige Grundbedürfnisse der Leser zu treffen - sich in der Informationsflut zu orientieren.

Dobelli ist kein Novize in der Verlagswelt. Der 46-jährige, der in Luzern lebt, hat bereits verschiedene Romane im Diogenes Verlag veröffentlicht. Seine schriftstellerische Arbeit kreise immer wieder um einen Satz, sagt Dobelli: "Man muss das Leben mit Denken durchdringen können." Um Managern, seinen früheren Berufsgenossen, dabei zu helfen, gründet Dobelli rechtzeitig zum Erscheinen des neuen Buchs eine Internetakademie. "Ccademy" soll Online-Trainings zur besseren Entscheidungsfindung anbieten. Gegen Gebühr, versteht sich. Seine persönliche Entscheidung hat Dobelli bereits getroffen: "Ich bin Schriftseller und zu gleichen Teilen auch Unternehmer."

Kommentare (3)

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17.08.2012, 10:57 Uhr

"Am Anfang waren die Affen". Am Ende werden sie auch sein.- Mit unserem Verhalten, der alleinigen Gier nach Geld, der Unterdrückung von Schwachen. Kranken, Armen nähern wir uns den Tieren wieder an.

JaCobi

04.10.2012, 09:13 Uhr

Ich glaube nicht, daß am Ende irgendeine komplexe Erscheinungsform übrig bleiben wird, die über ein so träges Kommunikationssystem verfügt, wie Primaten es haben. Klar, haben wir noch ein trägeres. Vermutlich werden Insekten, Viren, Bakterien das Rennen machen, weil die sehr viel gerechter und damit effizienter kommunizieren können als wir.

Deshalb glaube ich auch, daß der Versuch, einen Vogelschwarm abzuschießen mit dem Versuch, 52 Denkfehler zu beherrschen und damit 52 Irrwege zu vermeiden, um nicht in eine maßgebliche oder entscheidende der von Rolf Dobelli aufgezählten und erklärten Denkfallen zu tappen, nichts bringen wird.

Sich darum zu kümmern, warum Gerechtigkeit für uns nur ein ordentliches Gefühl ist, daß die meisten mit "angemessen, fair" erklären bzw. diese wenig intelligente Feststellung philosophisch verschwurbeln, brächte viel mehr für unser Miteinander und Nebeneinander, das eigentlich nur deshalb immerwieder in ein Aneinandervorbei und Gegeneinander ausartet, weil keine allgemeinverbindliche Definition für Gerechtigkeit vorliegt. Nachdem es sehr viel Gerechtigkeit gibt, ist das mehr als erstaunlich ...

lritzel

23.08.2013, 11:39 Uhr

Wir haben eine iPhone App entwickelt, welche zur Zeit als "Denkfehler App" in den deutschen Medien und als "Management Thinking Mistake App" in den internationalen Medien besprochen ist. Diese hilft Entscheidungsträger, sich eine halbe Stunde vor einem Meeting auf mögliche Denkfehler einzustellen, gewarnt zu sein und schlägt auch gerade Lösungen vor wie diese zu umgehen sind. Es ist eine gratis App welche Ende September auch an der Harvard Universität verwendet werden wird.

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