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06.08.2014

09:47 Uhr

Rosetta am Ziel

Rendezvous mit einem Kometen

Nach zehnjähriger Reise erreicht die Raumsonde Rosetta am heutigen Mittwoch ihr Ziel, einen fernen Kometen. Nach dem Einschwenken in die Umlaufbahn beginnen die Vorbereitungen für ein riskantes Manöver.

Auswertung von Rosetta-Daten im Esa-Forschungszentrum in Toulouse. Zehn Jahre war die Sonde unterwegs, jetzt schwenkt sie in eine Umlaufbahn um ihren Zielkometen ein. AFP

Auswertung von Rosetta-Daten im Esa-Forschungszentrum in Toulouse. Zehn Jahre war die Sonde unterwegs, jetzt schwenkt sie in eine Umlaufbahn um ihren Zielkometen ein.

BerlinDas Rendezvous beginnt: Nach gut zehn Jahren Flug erreicht die Weltraumsonde „Rosetta“ am heutigen Mittwoch ihr Ziel, den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko. Zunächst wird die Sonde auf eine Umlaufbahn um „Tschuri“ gebracht, dann beginnt die Suche nach einem Landeplatz für „Philae“, die Landeeinheit der einzigartigen Mission. Im November schließlich soll das Minilabor auf dem Kometen aufsetzen.

Das gut eine Milliarde Euro teure Projekt steckt voller Premieren und Superlative: Nie zuvor wurde die Energie einer Raumsonde in so großer Sonnenentfernung von Solarzellen geliefert. Noch nie zuvor schwenkte eine Sonde auf eine Umlaufbahn um einen Kometen ein. Und noch nie wurde ein Forschungsmodul darauf abgesetzt.

Ziel der Mission ist es, einen der ursprünglichsten Himmelskörper überhaupt zu erkunden: Kometen sind uralte, weitgehend unveränderte Reste der gigantischen Staubscheibe, aus der vor 4,6 Milliarden Jahren unser Sonnensystem entstand. Sie sind zu kalt und zu klein, ihre Schwerkraft ist zu gering, als dass chemische oder geologische Prozesse sie veränderten, daher spiegeln sie in einzigartiger Weise die Frühzeit unseres Sonnensystems wider.

Raumsonde Rosetta

Was ist Ziel des Projekts?

Mit der Mission will die europäische Weltraumorganisation Esa einen der ursprünglichsten Himmelskörper erkunden. Kometen sind Überbleibsel der Entstehung des Sonnensystems. Auch Hinweise auf die Entstehung des Lebens erhoffen sich die Forscher – etwa in Form bestimmter Proteinbausteine.

Wie lang ist Rosetta schon unterwegs?

Vor fast elf Jahren, am 2. März 2004, hob Rosetta an Bord einer Ariane 5-Rakete ab. Seitdem umkreiste Rosetta fünf Mal die Sonne und nahm bei drei Vorbeiflügen an der Erde und einem Vorbeiflug am Mars Geschwindigkeit auf. Rund 6,4 Milliarden Kilometer ist sie nun schon durch das Sonnensystem gereist.

Welche Instrumente sind an Bord?

Die Raumsonde hat elf Instrumente dabei. Zu ihnen gehören vier unter deutscher Projektleitung. Osiris zum Beispiel kommt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen. Es ist ein hochauflösendes Kamerasystem, mit dem die Form, Größe, Rotation und chemisch-mineralogische Zusammensetzung der Kometenoberfläche erfasst wird. Die knapp einen Kubikmeter große Rosetta-Landeeinheit namens Philae hat zehn Instrumente an Bord, unter anderem ein System aus Sensoren für die Temperaturmessung auf und unter der Oberfläche.

Wie teuer ist das Projekt?

Gut eine Milliarde Euro kostet das Projekt. Es steckt voller Premieren und Superlative: Nie zuvor wurde die Energie einer Raumsonde in so großer Sonnenentfernung von Solarzellen geliefert. Noch nie zuvor schwenkte eine Sonde auf eine Umlaufbahn um einen Kometen ein. Und noch nie wurde ein Forschungsmodul darauf abgesetzt.

Die „schmutzigen Schneebälle“ bestehen aus Gestein, Eis und Staub – zu welchen Teilen, ist bei „Tschuri“ noch unklar. Der Komet kann weich sein wie Pulverschnee oder hart wie Gletschereis. Die vielen Ungewissheiten lassen die Landung von „Philae“ zur heikelsten Phase der Mission werden.

„Vieles von dem Kometen wissen wir noch nicht“, sagt Stephan Ulamec, der „Philae“-Projektleiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Das ist gerade die größte Herausforderung, dass wir auf einem Kometen landen wollen, den wir noch nicht kennen.“

Zur Erde geschickte Bilder des Kamerasystems an Bord zeigten kürzlich, dass der Komet nicht wie erwartet einer Kartoffel ähnelt, sondern eher einer schnabellosen Gummi-Ente. „Das hat uns wahrscheinlich alle überrascht“, sagt Ulamec. „Wir wussten immer, dass wir uns ins Unbekannte vorwagen“, betont der Esa-Kometenexperte Detlef Koschny im niederländischen Noordwijk.

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