Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.01.2015

10:51 Uhr

Rosetta erforscht Tschuri

Eine bizarre Welt erwacht

700 Meter hohe Klippen, Geröllhalden und ein langer Riss am Hals: Der Komet Tschuri bietet immer neue Überraschungen. Jetzt haben Forscher eine erste Bilanz der von der Kometensonde Rosetta gelieferten Daten gezogen.

Aus 30 Kilometer Entfernung nahm Rosetta dieses Bild von Tschuri. Gut erkennbar sind die zahlreichen Staubfontänen, die von dem Kometen ausgehen. ap

Aus 30 Kilometer Entfernung nahm Rosetta dieses Bild von Tschuri. Gut erkennbar sind die zahlreichen Staubfontänen, die von dem Kometen ausgehen.

Göttingen/WashingtonSchroffe Klippen, Staubfontänen und tiefe Löcher: Der Komet Tschuri hat sich auf den detailreichen Bildern der europäischen Raumsonde Rosetta als bizarre und vielschichtige Welt entpuppt. In einer Artikelserie im US-Fachjournal Science haben internationale Forscherteams die bisherigen Beobachtungen der Kometensonde zusammengefasst.

„Wir beobachten einen erwachenden Kometen“, erläutert Holger Sierks vom Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, einer der leitenden Wissenschaftler der Auswertung. „Zum ersten Mal können wir einen Kometen bei seinem Vorbeiflug an der Sonne mit einer Raumsonde begleiten.“

Die Instrumente von Rosetta, darunter eine Kamera namens Osiris, liefern den Forschern dabei den bislang detailliertesten Blick auf einen Schweifstern. „Damit können wir versuchen, die Physik des Kometen und die Physik seiner Aktivität zu verstehen. Das ist aus meiner Sicht ein Durchbruch“, sagt der Leiter des Osiris-Teams.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hofft ab kommenden Mai auch auf neuen Kontakt zum Mini-Labor Philae, das im November auf dem Kometen landete. Im Moment liege das Gerät weiter im Schatten, seine Solarsegel können die leeren Batterien daher nicht aufladen.

„Wir wissen zur Zeit nicht genau, wo „Philae“ ist“, sagte DLR-Chef Johann-Dietrich Wörner am Donnerstag in Berlin. Die Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass das Labor seine Batterien wieder auflädt, wenn der Komet der Sonne näher kommt. Dann könnte es aus seinem Dornröschenschlaf erwachen.

Aus den zahlreichen Mosaiksteinen, die bisher vorliegen, haben die Forscher bereits ein detailliertes Bild von Tschuri zusammengesetzt: Der Komet, dessen volle Bezeichnung 67P/Tschurjumow-Gerassimenko lautet, besitzt grob die Form eines Quietsche-Entchens mit einem kleineren Kopf und einem größeren Körper, die über einen schmalen Hals verbunden sind.

Der Kopf hat in etwa einen Durchmesser von zwei Kilometern, der Körper ist rund vier Kilometer lang. Ob es sich ursprünglich um zwei Brocken gehandelt hat, die irgendwann zusammengeklumpt sind, oder ob der Hals das Ergebnis eines ungleichmäßigen Abschmelzens des Kometen ist, wird noch untersucht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×