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01.09.2016

19:30 Uhr

Rückschlag für SpaceX

Facebook-Satellit bei Raketenexplosion zerstört

Neuer Rückschlag für das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX: Bei einem Test auf Cape Canaveral in Florida ist eine Rakete explodiert. Dabei ist auch ein Satellit zerstört worden, der im Auftrag von Facebook ins All sollte.

Den Angaben von SpaceX zufolge wurde gerade der Abschuss einer unbemannten Falcon-Rakete getestet, als sich die Explosion um kurz nach 9.00 Uhr (Ortszeit) ereignete. Reuters

Explosion in Cape Canaveral

Den Angaben von SpaceX zufolge wurde gerade der Abschuss einer unbemannten Falcon-Rakete getestet, als sich die Explosion um kurz nach 9.00 Uhr (Ortszeit) ereignete.

Cape CanaveralSpaceX hat einen schweren Rückschlag bei seinem ehrgeizigen Raumfahrtprogramm erlitten. Bei einem routinemäßigen Raketentest kam es am Donnerstag auf einem Startgelände in Cape Canaveral zu einer heftigen Explosion, die eine Rakete und einen Satelliten zerstörte, wie das private US-Raumfahrtunternehmen mitteilte. Verletzte habe es nicht gegeben.

Der von Israel gebaute Kommunikationssatellit sollte im Auftrag von Facebook für eine Verbesserung des Internetzugangs in Afrika sorgen. Facebook-Sprecher Chris Norton sagte, das soziale Netzwerk sei sehr enttäuscht wegen des Verlustes, bleibe aber seiner „Mission verpflichtet, Menschen in aller Welt mit dem Internet zu verbinden“. Zu Gesprächen darüber hielt sich Facebook-Gründer Mark Zuckerberg am Donnerstag in Kenia auf.

Raumfahrt-Katastrophen

22. März 1961

Kurz vor dem ersten russischen Raumflug kommt der Kosmonaut Walentin Bondarenko beim Training in einer Isolationskammer des Moskauer Instituts für Raumfahrtmedizin ums Leben. Ein mit Alkohol getränkter Wattebausch hatte sich entzündet und die mit reinem Sauerstoff gefüllte Kammer in Brand gesetzt.

27. Januar 1967

Bei einem Bodentest der US-Raumkapsel Apollo 1 am Raketenstartplatz Cape Canaveral (US-Bundesstaat Florida) verbrennen drei amerikanische Astronauten. Ein Funke hatte die Kapsel in Brand gesetzt.

24. April 1967

Der sowjetische Kosmonaut Wladimir Komarow zerschellt nach der Rückkehr aus dem Weltraum mit seinem Raumschiff Sojus 1 auf der Erde. Das Fallschirmsystem hatte versagt.

29. Juni 1971

Die dreiköpfige Besatzung des sowjetischen Raumschiffes Sojus 11 wird bei der Rückkehr von der Saljut-Raumstation tot in ihrer Kapsel aufgefunden. Bei der Landung hatte der Druckausgleich der Kapsel versagt.

18. März 1980

Eine Wostok-2M-Rakete explodiert beim Betanken direkt auf der Startrampe des russischen Weltraumbahnhofs Plessezk. 48 Menschen sterben.

28. Januar 1986

Nur 73 Sekunden nach dem Start explodiert die US-Raumfähre Challenger und stürzt in den Atlantik. Alle sieben Astronauten kommen ums Leben. Unglücksursache: eine fehlerhafte Dichtung zwischen Segmenten einer Antriebsrakete.

15. Februar 1996

Eine chinesische Rakete des Typs CZ-3 kommt kurz nach dem Start vom Kurs ab und stürzt in ein Dorf. Bei der Explosion sterben nach offiziellen Berichten sechs Menschen, inoffizielle Quellen sprechen von bis zu 500 Toten.

1. Februar 2003

Die Raumfähre Columbia bricht während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre auseinander. Alle sieben Astronauten an Bord sterben. Ursache der Katastrophe: Beim Start war ein Stück Schaumstoff vom Außentank abgerissen und hatte die Hitze-Isolierung des Spaceshuttles beschädigt.

22. August 2003

Eine brasilianische Trägerrakete des Typs VLS-1 explodiert auf der Startrampe des Weltraumbahnhofs Alcantara im Norden Brasiliens. 21 Menschen sterben.

Den Angaben von SpaceX zufolge wurde gerade der Abschuss einer unbemannten Falcon-Rakete getestet, als sich die Explosion um kurz nach 9.00 Uhr (Ortszeit) ereignete. Der Test war demnach eine Vorbereitung für den geplanten Raketenstart, mit dem der israelische Kommunikationssatellit am Samstag von der Startrampe in der Cape Canaveral Air Force Station ins All befördern werden sollte. Die Anlage befindet sich direkt neben dem John-F.-Kennedy-Weltraumbahnhof der Nasa.

Bei der Vorbereitung der Triebwerkszündung - einem regelmäßig einige Tage vor Starts getesteten Manöver - habe es „eine Anomalie auf der Rampe gegeben, die im Verlust des Fahrzeugs und seiner Ladung resultierte“, hieß es in einer Stellungnahme von SpaceX. Weitere Einzelheiten wurden nicht genannt.

Noch im Umkreis von mehreren Kilometern schwankten nach dem Zwischenfall Gebäude. Mehrere Explosionen zogen sich über Minuten hin. Dichter Rauch verdunkelte den Himmel, eine halbe Stunde später hing eine schwarze Wolke über dem Horizont. Fernsehbilder zeigten Qualm, der auch noch zwei Stunden nach dem Vorfall von der Startrampe aufstieg. Die Rakete stand zu diesem Zeitpunkt weiterhin auf der Anlage. Das obere Drittel sah allerdings deutlich beschädigt aus.

Die Nasa ist der Hauptkunde von SpaceX. Das Unternehmen ist eines von zweien, die die Internationale Raumstation ISS im Auftrag der Nasa mit Nachschub beliefern. Es arbeitet auch an der Entwicklung einer Mannschaftskapsel, mit der US-Astronauten zur Raumstation gebracht werden sollen. Ein erster Flug dieser Art war ab dem kommenden Jahr erwartet worden. Ob die Explosion Auswirkungen auf diese Pläne hat, war zunächst unklar.

Der Vorfall ist aber ohne Frage ein herber Rückschlag für SpaceX. Das von dem Milliardär Elon Musk geführte Unternehmen mit Sitz in Kalifornien hatte die Zahl der Starts zuletzt gesteigert. Ein Startunfall 2015 hatte zu einem Auftragsstau geführt. Mit Falcon-Raketen bringt SpaceX auch Güterlieferungen zur ISS auf den Weg.

Von

ap

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