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09.12.2015

09:20 Uhr

SAP-System „Foundation for Health“

Mit Big Data gegen Krebs

VonChristof Kerkmann, Maike Telgheder

Können Daten gegen tückische Tumore helfen? SAP will mit einem neuen System die Krebstherapie verbessern. Der Arzt soll mit einem Klick alle wichtigen Daten bekommen – selbst die DNA des Patienten.

Der IT-Konzern SAP will digitale Informationen für das Gesundheitswesen nutzbar machen – zum Beispiel in der Krebstherapie. obs

Arztgespräch

Der IT-Konzern SAP will digitale Informationen für das Gesundheitswesen nutzbar machen – zum Beispiel in der Krebstherapie.

Düsseldorf/FrankfurtNur wenige Krankheiten sind tückischer als Krebs. Welche Behandlung gegen die Zellwucherungen hilft, wissen selbst die Ärzte nicht genau, gleiches gilt für die Nebenwirkungen der Chemotherapie. Tumor ist nicht gleich Tumor, Mensch nicht gleich Mensch. SAP will den Kampf gegen den Krebs erleichtern: Der deutsche Softwareriese kündigte nun das System „Foundation for Health“ an, mit der Ärzte und Forscher einfacher und schneller Informationen sammeln und auswerten können.

Mit Hilfe des SAP-Systems soll künftig beispielsweise die Krankengeschichte eines Patienten einfacher über eine elektronische Patientenakte abgerufen werden. Ärzte können bei ihren Diagnosen schneller auf wissenschaftliche Studien zugreifen. Auch bei der Analyse der Genbausteine eines Tumors will der Softwarekonzern helfen, damit künftig schneller die für den Patienten geeignete Behandlung gefunden wird.

„Wir sind überzeugt, dass das Gesundheitswesen eine der wenigen Branchen ist, in der digitale Informationen bisher kaum genutzt werden“, sagte SAP-Technikchef Bernd Leukert. Viel Wissen sei einerseits in den Köpfen der Ärzte oder auf Papierakten verborgen, andererseits gebe es große Mengen an Studien in den Forschungszentren. Das Ziel: In den maximal 15 Minuten, in denen der Arzt mit dem Patienten eine Entscheidung über die Therapie trifft, soll er mit einer Suche alle wichtigen Daten finden können. Mit Big Data gegen den Krebs.

Wofür steht Big Data?

Der Hype um die Daten

Unter Big Data versteht man Technologie zur Verknüpfung und Auswertung riesiger Datenmengen. Ziel ist es, neue Erkenntnisse zu gewinnen – etwa welche Produkte einem Kunden gefallen oder wo unentschlossene Wähler wohnen.

Riese Datenmengen

Das Datenaufkommen verdoppelt sich ungefähr alle zwei Jahre. Viele der Informationen erzeugen nicht Menschen, sondern Maschinen – beispielsweise Smartphones, intelligente Stromzähler oder Autos. Gerade Bewegungsdaten sind fürs Marketing relevant.

Vielfältige Quellen

Big Data bedeutet auch: Es werden Daten aus verschiedensten Quellen miteinander verknüpft und zu einem Profil verschmolzen. Marketing-Experten setzen beispielsweise auf klassische Kundendatenbanken, Bewegungsdaten von Smartphones sowie Informationen aus Sozialen Netzwerken. Auch die Wettervorhersage kann nützlich sein, um bestimmte Produkte zu verkaufen.

Ergebnisse in Echtzeit

Besonderen Reiz gewinnt Big-Data-Technologie durch ihre Geschwindigkeit: In vielen Fällen spucken die Superrechner die Ergebnisse in Echtzeit aus, oder sie beschleunigen zumindest die Berechnungen im Vergleich zu herkömmlichen Technologien deutlich.

Korrelation statt Kausalität

Big Data führt zu einer Veränderung im Denken: Wer große Datenmengen auswertet, kann statistische Zusammenhänge entdecken, ohne die Gründe dafür zu verstehen – Korrelation statt Kausalität. Das könnte langfristig verändern, wie wir Menschen Probleme lösen.

Zu den Umsatzerwartungen wollte sich Leukert nicht äußern: „Wir haben das Produkt erst gerade herausgebracht, es ist noch zu früh, um Zahlen zu nennen.“ Die Reaktionen der Partner seien aber sehr positiv – „einige werden das System in jedem Patientengespräch nutzen“, ist der Manager überzeugt.

Für die schnelle Datenauswertung setzt das Unternehmen die eigene Datenbank Hana ein. Diese – entwickelt unter der Leitung SAP-Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner – speichert sämtliche Daten im Arbeitsspeicher, was deutlich höhere Zugriffsgeschwindigkeiten ermöglichen soll. Experten sprechen von In-Memory-Technologie. Viele Anwenderunternehmen, die SAP-Software für die Steuerung der Prozesse nutzen, zögern aber bei der Umstellung. Die Medizin eröffnet ein neues Geschäftsfeld und illustriert gleichzeitig die Möglichkeiten der Echtzeitanalyse.

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