Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.05.2017

11:23 Uhr

Schärfste Schote der Welt

Dieser Chili könnte töten

VonDaniel Lingenhöhl
Quelle:Spektrum.de

Ein walisischer Züchter hat eine rekordverdächtig scharfe Chilischote entwickelt. Wem seine Gesundheit lieb ist, der sollte das Gewächs besser nicht essen. Mediziner sind an den scharfen Schoten aber sehr interessiert.

Beim Verzehr besonders scharfer Arten können die Schleimhäute in der Speiseröhre zuschwellen, warnen Mediziner. gms

Chilischoten

Beim Verzehr besonders scharfer Arten können die Schleimhäute in der Speiseröhre zuschwellen, warnen Mediziner.

HeidelbergEigentlich wollte der walisische Gärtner Mike Smith aus St. Asaph nur eine attraktive Chilipflanze züchten, mit der er auf der „Chelsea Flower Show“ antreten wollte. Doch durch Zufall kam dabei ein rekordverdächtiges Gewächs heraus: die schärfste Chilischote der Welt.

Mit einem Wert von 2,48 Millionen Scoville-Einheiten übertrifft die „Dragon's Breath Chilli“ (Drachenatem-Chili) genannte Frucht den vorherigen Spitzenreiter namens „Carolina Reaper“ deutlich – der bisherige Spitzenwert lag bei „nur“ 2,2 Millionen auf der Scoville-Skala, die die Schärfe von Chilis angibt. Im Falle des Drachatem-Chilis würde man noch einen Tropfen Öl aus der Schote in 2,48 Millionen Tropfen Wasser bemerken.

Vom Genuss des Würzmittels rät Smith allerdings ab. Er habe es nur auf seiner Zungenspitze getestet, wo sich ein intensives Verbrennungsgefühl einstellte, das im Laufe der Zeit sogar noch zunahm. Die Pflanze ist in gewisser Hinsicht ein Gemeinschaftsprodukt mit der Nottingham Trent University, wo Wissenschaftler untersuchen, inwiefern sich Capsaicin medizinisch einsetzen ließe – der Stoff, der den Chilis die Schärfe verleiht.

Sollte jemand tatsächlich ganze Drachenatem-Schoten verspeisen, könnten sie einen anaphylaktischen Schock erleiden und die Schleimhäute in der Speiseröhre als Reaktion zuschwellen, warnen die Forscher. Die betäubende Wirkung des Capsaicins macht es allerdings zum begehrten Forschungsmaterial.

Das aus extrem scharfen Chilis gewonnene Öl kann unter anderem als Narkosemittel auf der Haut wirken, weil es die betroffenen Partien betäubt. Es könnte damit eine Alternative für Menschen sein, die auf herkömmliche Narkosemittel allergisch reagieren.

Bekannt ist auch, dass Capsaicin zumindest in Tierversuchen zu hohen Blutdruck senken kann. Echte Medikamente daraus sind allerdings noch Zukunftsmusik.

Mike Smith verfolgt dagegen ein kurzfristiges Ziel: Das von ihm primär auf Aussehen gezüchtete Gewächs tritt bei der Show in der Kategorie „Pflanze des Jahres“ an – und soll möglichst den ersten Platz machen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×