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25.01.2006

12:55 Uhr

Schifffahrt

Bremer Reederei setzt wieder auf Segelschiffe

Als weltweit erste Reederei setzt die Bremer Beluga Shipping ab 2007 das in Deutschland entwickelte Wind- Antriebssystem Skysails ein.

Segelversuch auf der Ostsee dpa

Vor zwei Jahren sah der Versuch mit den Segelschiffen noch so aus. Im nächsten Jahr soll ein ausgewachsener Frachter von einem Lenkdrachen gezogen werden. Nach 150 Jahren kehrt die Schifffahrt wieder zur Kombination Wind und Motor zurück.

dpa HAMBURG. Als weltweit erste Reederei setzt die Bremer Beluga Shipping ab 2007 das in Deutschland entwickelte Wind- Antriebssystem Skysails ein. Der Kaufvertrag für das erste Zugdrachen-System, das den Treibstoffverbrauch von Schiffen um bis zu 50 Prozent senken soll, wurde am Mittwoch in Hamburg unterzeichnet.

Nach Angaben von Skysails-Geschäftsführer Stephan Wrage könnten weltweit 40 000 Schiffe mit der Hilfsbesegelung ausgerüstet werden. Bis 2013 peilt das Unternehmen einen Marktanteil von 1,5 Prozent an.

Noch hat das „Himmels-Segel“ den Härtetest auf einem richtigen Frachtschiff nicht bestanden. Doch Beluga-Chef Niels Stolberg glaubt fest an den Erfolg des System, das im September 2005 erfolgreich auf der Ostsee vor Wismar getestet wurde. „Etwa drei bis vier Tonnen Treibstoff können mit Hilfe der Windkraft bei einem normalen Schwergutfrachter eingespart werden - pro Tag, das ist schon was“, sagte Stolberg. Das seien bei den derzeitigen Ölpreisen immerhin bis zu 1 200 Dollar täglich.

Skysails ist im Prinzip ein riesiger Gleitschirm, der sich vor dem Schiff in den Wind spannt und so zusätzlichen Vortrieb bringt. Das „Himmels-Segel“ hängt an einer einzigen extrem reißfesten Leine und wird durch eine Steuergondel in die jeweils optimale Position gebracht. Mehr als 100 Meter steigt der Zug-Drachen in die Höhe. Zwischen 100 und 300 Metern sei die Windausbeute zwei bis drei Mal so hoch wie bei einem normalen Segel.

Der Einsatz traditioneller, über Jahrhunderte verbesserter Segeltechnologie in der kommerziellen Schifffahrt endete vor gut 100 Jahren. Seither gab es zwar immer wieder Anläufe, Windkraft wieder für Handelsschiffe zu nutzen. Keines dieser Systeme - wie etwa das von der Kieler Lindenau-Werft entwickelte Indosail-Projekt - konnte sich jedoch durchsetzen. Grund war neben den vergleichweise geringen Spareffekten auch, dass herkömmliche Masten, Segel oder Rotoren ein schnelles Be- und Entladen der Schiffe behinderten. Dieses Problem gibt es bei dem Skysails-System nicht. Der Zugdrachen wird am Bug verstaut und von dort mit einem versenkbaren Kran in die Luft gehoben - das Deck bleibt frei für Ladung.

Neben der Kostenersparnis beim Treibstoff sieht Stolberg bei Skysails noch einen weiteren Vorteil: die Senkung der umweltschädlichen Emissionen. Mit den deutlich verschärften Vorschriften kämen erhebliche Kosten auf die Reeder zu. Vor diesem Hintergrund würden sich die Kosten von rund 500 000 Euro für das erste System innerhalb von etwa drei Jahren rechnen.

Im kommenden Jahr soll das System auf einem Neubau der Beluga Shipping erstmals auf große Fahrt gehen. Von 2008 an werde die Serienproduktion beginnen, kündigte Skysails-Geschäftsführer Wrage an. Experten, wie die Ingenieure Gerhard Jensen und Peter Schenzle, früher bei der Hamburgischen Schiffbau-Versuchsanstalt, sehen als Markt vor allem Frachtschiffe bis zu einer Geschwindigkeit von 15 Knoten. „Bei Schiffen, die schneller sind, ist der Fahrtwind meist stärker als alle anderen Winde“, so Schenzle.

Jensen, heute Geschäftsführer der auf Antriebe spezialisierten Schottel-Gruppe in Spay am Rhein, hält Skysails „für viel attraktiver als bisher bekannte Hilfsbesegelungen“, weil es an jedes Schiff angepasst werden könne. Wie hoch das „technische Restrisiko“ sei, werde sich jetzt im praktischen Einsatz zeigen.

Skysails-Chef Wrage peilt als Markt neben Handelsschiffen die Nische superteurer Hochsee-Yachten an, die wegen ihrer kleinen Treibstofftanks oft mit Schiffen über weite Strecken zu ihrem Zielrevier gebracht werden müssten. Mit einem „Himmels-Segel“ könnten solche Yachten längere Distanzen aus eigener Kraft in kürzerer Zeit schaffen.

Finanziert wird das 2001 in Hamburg gegründete Startup-Unternehmen von der auf Schiffe spezialisierten Oltmann-Gruppe aus Leer (Niedersachsen). Bisher wurden 2,9 Mill. Euro Eigenkapital eingeworben, bis 2008 sollen noch einmal rund acht Mill. Euro dazukommen, um den Start der Serienproduktion zu ermöglichen.

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