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15.05.2015

09:48 Uhr

Schlafapnoe

Wenn nachts der Atem aussetzt

Quelle:dpa

Rund drei Millionen Menschen in Deutschland haben im Schlaf Atemaussetzer. Nachts merken sie davon nichts, aber die Folgen des schlechten Schlafs sind gravierend. Im Schlaflabor soll ihnen geholfen werden.

Im Schlaflabor der Robert-Koch-Klinik in Leipzig werden Patienten mit Schlafstörungen behandelt. dpa

Schlafen unter Aufsicht

Im Schlaflabor der Robert-Koch-Klinik in Leipzig werden Patienten mit Schlafstörungen behandelt.

LeipzigUm 22.00 Uhr herrscht im Schlaflabor Hochbetrieb. Schwester Sabine und Schwester Christine laufen von Zimmer zu Zimmer in der Robert-Koch-Klinik des Klinikums St. Georg in Leipzig, um die Patienten fertig für die Nacht zu machen. Im Jargon des medizinischen Personals heißt das „verkabeln“.

Die Patienten in den acht Zimmern müssen eine Nacht unter Totalüberwachung schlafen. Sie werden vermessen, gefilmt und abgehört, weil sie wie Millionen andere in Deutschland ein Problem haben: Sie schlafen schlecht.

Olaf Schweren hat es sich in seinem Einzelzimmer im Schlaflabor so bequem wie möglich gemacht. „Ich hatte eigentlich kein Problem“, sagt der 56 Jahre alte gelernte Berufskraftfahrer. „Aber alle, die um mich herum waren, die hatten ein Problem!“ Schweren schnarcht, schläft schlecht, ist tagsüber müde, hatte bis zu einer Magen-OP 116 Kilogramm auf den Rippen. „Meine Frau hat mich immer gedrängt: „Geh doch mal zum Arzt!““

Für Thomas Köhnlein, Chefarzt der Robert-Koch-Klinik, ist Schweren der klassische Kandidat für ein sogenanntes Schlafapnoe-Syndrom. Diesen schädlichen Atemaussetzern sind die Schlafmediziner in Leipzig auf der Spur. „Atemaussetzer im Schlaf werden von den Ehepartnern oft sehr zuverlässig beobachtet“, sagt Köhnlein.

Und dass Schweren recht beschwingt über seine Beschwerden spricht, sei auch typisch. „Die Patienten unterschätzen das in der Regel gewaltig.“ Bevor sie ins Schlaflabor kommen, sind sie schon von Lungen- oder HNO-Ärzten gecheckt worden. Besteht ein Verdacht, werden sie zum überwachten Schlafen ins Labor geschickt.

Zwei bis vier Prozent der Deutschen leiden nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin unter den Atemaussetzern im Schlaf. Das Schlafapnoe-Syndrom sei die zweihäufigste der mehr als 50 bekannten Schlafstörungen, sagt Hans-Günter Weeß aus dem Vorstand der Fachgesellschaft. Die Folgen des schlechten Schlafs seien gravierend: Tagesschläfrigkeit mit Einschlafneigung, Konzentrationsstörungen und Leistungsschwäche sowie ein auf lange Sicht erhöhtes Schlaganfall- und Herzinfarkt-Risiko.

Ursache für die Atemaussetzer ist eine ermüdete Muskulatur im Rachenraum, erläutert Schlafmediziner Köhnlein. Besonders häufig komme das bei übergewichtigen Menschen vor, weil das Fett auf die Muskeln im Rachen drücke. Atemaussetzer könnten bis zu 30 Sekunden dauern. 30 Sekunden, in denen zu wenig Sauerstoff im Gehirn ankommt. Das reagiert mit einer Alarm- und Weckreaktion. Weil das viele Male in der Nacht passiert, finden die Schlafapnoeiker nicht in den gesunden Tiefschlaf.

Kommentare (1)

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Himmi _

15.05.2015, 11:55 Uhr

Schade, dass der Artikel nicht tiefer geht.

Denn nicht jeder geschädigte benötigt eine Maske, um Schlafen zu können. Bei vielen hilft bereits eine günstigere Protrusionsschiene, die für den Benutzer viel angenehmer zu tragen ist.

Leider wird diese von den Krankenkassen - aus welchen Gründen auch immer - nicht bezahlt. Die bevorzugen die Mehrausgaben für eine Maske ...

Wäre mal eine Gelegenheit gewesen, diese Praktiken der Krankenkassen um Schaden ihrer Kunden und der Auswirkungen auf unsere Beiträge näher zu betrachten ... ist bestimmt kein Einzelfall.

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