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12.02.2015

15:51 Uhr

Schlafforscher zu Extrem-Gipfeln

„Die Kanzlerin ist keine Eule“

In Brüssel verhandelte die Kanzlerin 17 Stunden – auch die Nacht hindurch. Wie sie das durchstehen konnte, wie Sie herausfinden können, ob Sie dazu auch fähig wären und welche Wirkungen chronischer Schlafmangel hat.

Angela Merkel kommt in ihrem Job nicht zu viel Schlaf. Je nachdem, welcher Schlaftyp sie ist, macht ihr das aber auch nichts aus. dpa

Müde Kanzlerin in Brüssel

Angela Merkel kommt in ihrem Job nicht zu viel Schlaf. Je nachdem, welcher Schlaftyp sie ist, macht ihr das aber auch nichts aus.

Im griechischen Schuldendrama haben die Staats- und Regierungschefs der Eurozone den Weg für Verhandlungen über ein drittes Hilfspaket geebnet. EU-Ratspräsident Donald Tusk berichtete am Montag, der Krisengipfel in Brüssel habe sich einstimmig auf ein umfangreiches Spar- und Reformpaket für das Krisenland verständigt. Vorausgegangen waren intensive Beratungen seit Samstag, die am Ende in einen 17-stündigen Verhandlungsmarathon auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs gipfelten. Mittendrin, zum wiederholten Male, Bundeskanzlerin Angela Merkel. Zuletzt musste die Kanzlerin im Februar einen solchen Marathon hinter sich bringen, als in Minsk über eine Lösung im Ukraine-Konflikt verhandelt wurde. Verhandlungszeit damals: ebenfalls 17 Stunden. Das bedeutet eine Nacht ohne Schlaf für alle Beteiligten. Ist der Mensch unter diesen Voraussetzungen überhaupt noch leistungsfähig? Was bewirkt Schlafmangel? Ein Interview mit Dr. med. Dieter Kunz, Chefarzt der Klinik für Schlaf- und Chronomedizin am St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin.

Herr Kunz, in Minsk verhandelte Kanzlerin Angela Merkel 17 Stunden am Stück, die ganze Nacht. Gleiches passierte nun beim Krisengipfel der Eurogruppe in Brüssel. Ab wann wird Schlafmangel zum Problem?
Das ist individuell sehr unterschiedlich. Was für den einen gilt, gilt für den anderen nicht. Es gibt Menschen, die kommen mit vier Stunden Schlaf blendend aus und es gibt welche, die brauchen unbedingt 9 Stunden. Das zweite ist: Wenn ich dann von dieser individuellen Menge, die ich benötige abweiche, gibt es ein paar grundsätzliche Dinge zu beachten. Jemand, der bereits mit einem Schlafdefizit in eine solche Situation hineinkommt wird schneller entgleisen und eine deutliche Abnahme seiner Leistungsfähigkeit erleiden, als jemand, der gut ausgeruht hineingeht. Das ist trivial, wird aber häufig nicht beachtet. Gut ausgeschlafen in solche Schlafentzugssituationen zu kommen ist das A und O.

Merkel hatte, damals wie heute, bereits anstrengende Tage hinter sich, als die Verhandlungen begannen. Ist man im Zweifel ausgeruhteren Verhandlungspartnern gegenüber im Nachteil?
Wenn sie mal eine Nacht nicht schlafen, hat das kaum Einfluss auf die Leistung. Wenn Sie schon mit einem Defizit in eine solche Nacht gehen, kann es nicht nur zu Leistungseinbußen führen, sondern auch zu emotional schwierigen Situation bis zu depressiven Verstimmungen.

Die Kanzlerin bezeichnete sich selbst einst als „Kamel“, ihr wird die Fähigkeit nachgesagt, über Nickerchen wieder aufzuladen. Funktionieren die sogenannten Power-Naps?
Das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Es gibt Menschen, die sehr stark durch ein System von inneren Uhren getaktet werden und andere, die nicht so stark durch dieses System beeinflusst sind. Gerade bei dieser zweiten Hälfte scheint es so zu sein, dass sie durch ein kurzes Nickerchen ihr Schlafdefizit abbauen können. Andere, bei denen die innere Uhr im Vordergrund steht, sind dazu nicht in der Lage.

Was hat das für Folgen?
Die Menschen, bei denen das System an inneren Uhren sehr stark ist, können sehr schwierig in der Nacht verhandeln. Diese Schlaftypen können morgens um 4 oder 5 Uhr keine Leistung mehr bringen, egal wie viel oder wenig Schlafentzug sie zuvor gehabt haben. Da steht das gesamte System auf Schlafmodus und selbst wenn sie wach sind, werden sie keine wirkliche Leistung erreichen. Der Verdacht ist, dass die Kanzlerin keine Eule ist, also nicht so stark durch dieses System getaktet ist.

Wenn Schlaf keine Option ist – helfen Aufputschmittel? Hilft Koffein?
Eine schwierige Frage. Kaffee wirkt nur auf ein System, es ist ein sogenannter Adenosin-Antagonist und nimmt damit die akute Schläfrigkeit, die durch Adenosin-Veränderungen bedingt wird. Alle anderen Dinge werden dadurch nicht beeinflusst. Die Schläfrigkeit als solche ist weg, die mangelnde Leistungsfähigkeit, z.B. durch längerfristig fehlenden Schlaf, kommt dadurch nicht zurück.

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