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23.09.2014

13:50 Uhr

Schnelle Ausbreitung

Ärzte ohne Grenzen fordern Bundeswehreinsatz gegen Ebola

Noch ist kein Ende der Ebola-Seuche in Westafrika in Sicht. Das Virus breitet sich laut der WHO immer rasanter aus, es zu kontrollieren wird immer schwieriger. Deshalb rufen nun selbst NGOs nach einem Bundeswehreinsatz.

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in Schutzkleidung: Ein Ebola-Opfer wird desinfiziert. dpa

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in Schutzkleidung: Ein Ebola-Opfer wird desinfiziert.

LondonOhne einen verstärkten Kampf gegen das tödliche Ebola-Virus wird es nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation in sechs Wochen möglicherweise rund 21.000 Infizierte geben. Die Zahl der Fälle werde sich exponentiell steigern, sagte der strategische Direktor der WHO, Christopher Dye, der Co-Autor einer neuen Ebola-Studie ist.

Die neue Analyse der Situation in Westafrika wurde am Dienstag von dem Fachmagazin „New England Journal of Medicine“ im Internet veröffentlicht. Demnach könnten sich Menschen auch noch in Jahren mit Ebola anstecken, sollten sich die Kontrollmaßnahmen nicht verbessern. Seit die ersten Fälle vor gut einem halben Jahr in Westafrika auftraten, sind nach WHO-Schätzungen bislang 5800 Menschen an dem Virus erkrankt. Ebola forderte demnach bislang rund 2800 Todesopfer.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Dye und seine Kollegen schrieben, dass die Zahl der Infizierten und Toten in den kommenden Monaten um Hunderte oder gar Tausende Fälle pro Woche ansteigen könne. Das Virus werde sich auch in Teilen Guineas ausbreiten, aus denen bislang noch keine Ebola-Ansteckungen bekannt sind.

Die Maßnahmen gegen Ebola in den nächsten Monaten seien entscheidend, urteilten die Wissenschaftler. „Das Fenster, um den Ausbruch zu kontrollieren, schließt sich“, sagte ein Epidemiologe der Londoner Hochschule für Hygiene und Tropenmedizin, Adam Kucharski.

Wegen der Dramatik der Situation ruft nun auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen zu einem militärischen Eingreifen auf. „Wir bitten staatliche, nicht-staatliche und militärische medizinische Einheiten, in Westafrika tätig zu werden“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Ärzte ohne Grenzen, Dr. Tankred Stöbe, im Interview mit der Zeitschrift Internationale Politik und Gesellschaft. „Auch wenn wir meistens zivile Hilfe bevorzugen, haben wir in dieser unpolitischen Krise alle Akteure aufgerufen, diese Katastrophe eindämmen zu helfen“, so Stöbe.

In den vergangenen Wochen hatten mehrere Staaten verstärkte Hilfe für die am stärksten betroffenen Länder Liberia, Sierra Leone und Guinea zugesichert. Darunter waren auch die USA, die 3000 militärische Angestellte zum Aufbau von Behandlungszentren sowie die Ausbildung von Medizinern vor Ort bereitstellen.

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