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12.04.2017

07:25 Uhr

Schneller schlau

Forscher enträtseln das Schnürsenkel-Problem

VonThomas Trösch

Forscher arbeiten an der Lösung eines Rätsels, das die Menschheit durch die Geschichte begleitet: Warum geht er immer wieder von selbst auf, der Schnürsenkel? Kein triviales Problem, denn dahinter stehen große Fragen.

Rekonstruktion eines Schuhs der Gletschermumie Ötzi. Schnüre aus Pflanzenfasern hielten das Gehwerkzeug zusammen und dienten auch als Verschluss.

Ötzis Schuh

Rekonstruktion eines Schuhs der Gletschermumie Ötzi. Schnüre aus Pflanzenfasern hielten das Gehwerkzeug zusammen und dienten auch als Verschluss.

Als „Eismann“ Ötzi vor 5000 Jahren durch die Alpen stapfte, tat er das in Schuhen, die mit Bändern aus Pflanzenfasern verschlossen waren. Seit diesem frühesten Beispiel hat der Schnürsenkel den Menschen auf Schritt und Tritt durch die Geschichte begleitet, und auch in Zeiten des Klettverschlusses ist der klassische Riemen längst nicht aus der Mode gekommen.

Doch fast so alt wie der Senkel selbst dürfte auch das leidige Problem mit der sich lösenden Schleife sein: Je nach Knotentechnik früher oder später, doch irgendwann ganz bestimmt geht jede Schnürsenkelschleife auf. Warum das so ist, wollten Forscher der University of California in Berkeley jetzt ganz genau wissen. Über ihre Versuche berichten sie aktuell in den „Proceedings A“ der britischen Royal Society.

„Wenn man das Prinzip des Schnürsenkels zu verstehen beginnt, kann man dieses Wissen auch auf andere geknotete Strukturen übertragen, die dem Einfluss dynamischer Kräfte unterliegen“, erläutert Christopher Daily-Diamond, einer der Autoren der Studie, das Interesse an dem vermeintlich trivialen Schnürsenkel-Problem. Solche Erkenntnisse wären etwa für die Materialforschung wichtig, aber auch beispielsweise für ein besseres Verständnis des komplex strukturierten Erbgutmoleküls DNA.

Für ihre Untersuchung schickten die Forscher eine Kollegin aufs Laufband: Während die passionierte Läuferin Christine Gregg, Mitautorin der Studie, ihre geschnürten Laufschuhe übers Band wirbeln ließ, filmten ihre Kollegen die Bewegungen der Schnürbänder in Zeitlupe. Zudem schnürten die Wissenschaftler eine Schleife um ein spezielles Pendel, damit sie die einzelnen Kräfte, die auf die Senkel wirken, besser isoliert voneinander untersuchen konnten.

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