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12.05.2016

14:09 Uhr

Schneller schlau

Im Reich der niedlichen Killer

VonThomas Trösch

Präriehunde sehen eigentlich viel zu niedlich aus, als dass man ihnen aggressives Verhalten zutrauen könnte. Unter bestimmten Umständen werden die nordamerikanischen Präriebewohner aber zu echten Killern.

Die Prärie-Bewohner legen mitunter ein extrem aggressives Verhalten an den Tag. dpa

Schwarzschwanz-Präriehunde

Die Prärie-Bewohner legen mitunter ein extrem aggressives Verhalten an den Tag.

Präriehunde gehören zu der Art von Tieren, die man eigentlich permanent anfassen möchte. Die in der nordamerikanischen Prärie heimischen Verwandten unserer Murmeltiere verfügen allerdings neben ihrem verlockend weichen Fell auch über kräftige Zähne und scharfe Krallen, die sie bereitwillig zum Einsatz bringen, wenn Dinge nicht so laufen, wie sie wollen. Als Haustiere sind die vermeintlichen Kuschelkugeln also eher nicht geeignet.

Zu welchen Gewaltausbrüchen Präriehunde in der freien Natur fähig sind, haben US-Biologen vor einiger Zeit herausgefunden. Sie beobachteten eine Kolonie der Tiere über sechs Jahre hinweg. Die Nager teilten sich den Lebensraum mit Zieseln, die wie sie zur Familie der Erdhörnchen gehören, aber kleiner und schwächer sind als Präriehunde.

Und diese Schwäche wurde ihnen immer wieder zum Verhängnis: Weibliche Präriehunde machten regelrecht Jagd auf die kleineren Verwandten. Wurden die Ziesel gestellt, bissen die Präriehund-Damen so lange zu, bis ihr Gegenüber tot war.

Im Lauf der Jahre registrierten die Forscher mehr als 160 solcher Attacken. Rund ein Drittel aller Weibchen der Kolonie tötete im Beobachtungszeitraum mindestens ein Ziesel, die eifrigste „Mörderin“ brachte es auf neun Tötungen in vier Jahren.

Der Grund für diese Aggression dürfte in der Konkurrenz um Nahrung liegen. Ziesel sind wie Präriehunde Vegetarier und konkurrieren mit ihnen um die Nahrungspflanzen im gemeinsamen Lebensraum. Das macht auch verständlich, warum fast ausschließlich Weibchen die Angreifer sind und unter diesen wiederum meist solche, die gerade Junge aufziehen.  Die Sorge um den Nachwuchs fördert offenbar die Bereitschaft, lästige Konkurrenz ein für alle Mal auszuschalten.

Bleibt die Frage, warum Ziesel nicht an anderer Stelle siedeln und so die für sie ungesunde Nachbarschaft einfach meiden. Ganz einfach: Sie profitieren von ihr.

Präriehunde sind sehr vorsichtig und wachsam – stets halten einige Tiere der Kolonie Ausschau nach möglichen Gefahren. Nähert sich ein Feind, stoßen diese Wächter Warnrufe aus, sodass sich die Kolonie in ihren Bau zurückziehen kann. Und da Ziesel von den gleichen Feinden – Greifvögel, kleinere Raubtiere – bedroht werden wie ihre großen Verwandten, kommen die Warnrufe auch ihnen zugute. Die gelegentliche Mordlust der Präriehund-Weibchen ist da offenbar das kleinere Übel.

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