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06.05.2014

12:13 Uhr

Szene aus dem Film "Hannibal" mit Anthony Hopkins als Serienkiller Hannibal Lecter. Reuters

Szene aus dem Film "Hannibal" mit Anthony Hopkins als Serienkiller Hannibal Lecter.

Im Reich der fliegenden Nektarsammler zählen Hummeln zu den eher gutmütigen Vertretern. Zwar verfügen auch sie wie Bienen oder Wespen über einen Stachel, den sie aber meist nur bei akuter Lebensgefahr einsetzen. In anderen Fällen begnügen sie sich damit, ihren Unwillen durch bedrohliches Brummen kundzutun – was angesichts der respektablen Größe der Tiere meist reicht, um potenzielle Angreifer abzuschrecken.

Kaum vorstellbar, dass ausgerechnet diese harmlosen Insekten Erkenntnisse liefern, die bei der Suche nach gefährlichen Serienmördern helfen können. Doch tatsächlich hat vor einigen Jahren eine Forschungsgruppe aus Biologen und Kriminalisten genau solche Erkenntnisse zusammengetragen. Unter der Leitung des Biologen Nigel Raine von der Queen-Mary-Universität in London befassten sie sich mit der Frage, wie die pelzigen Insekten bei der Suche nach den Wohnorten von Serientätern helfen könnten.

Den Forschern war aufgefallen, dass Hummeln bei der Nahrungssuche ein ähnliches Verhaltensmuster zeigen wie Serienmörder bei der Suche nach einem Opfer. Sie bewegen sich zwar in einem überschaubaren Radius um ihr Nest, meiden aber Pflanzen in dessen unmittelbarer Nähe, um Fressfeinden nicht die genaue Lage dieser Basis zu verraten. Eine vergleichbare „Pufferzone“, das haben kriminologische Untersuchungen ergeben, wahren Serienmörder: Sie begehen ihre Taten zwar meist relativ nahe an ihrem Wohnort, in einem Gebiet also, das ihnen vertraut ist. Die unmittelbare Umgebung der Wohnung ist jedoch tabu, da sie dort von Freunden oder Nachbarn leicht erkannt werden könnten.

Im Rahmen des sogenannten „Geographic Profiling“ entwickeln Kriminalisten Modelle, anhand derer sie auf der Basis von Tatorten und Fundstücken auf den möglichen Wohnort des Täters rückschließen. Bislang fehlte es allerdings an einer Methode, um die Modelle wissenschaftlich zu überprüfen. Genau hier kommen die Hummeln ins Spiel: Bei ihren Untersuchungen im Labor gelang es den Forschern um Nigel Raine, unter Anwendung solcher Modelle allein aus der Verteilung der angeflogenen Zuckerschalen – die im Laborversuch als Blütenersatz dienten – die genaue Lage des Hummelnestes zu bestimmen.

Die Erkenntnisse, die sich aus dem Hummelflug gewinnen lassen, könnten also helfen, die Techniken zum Aufspüren von gefährlichen Kriminellen zu verbessern. Ganz nebenbei liefern solche Untersuchungen aber auch Erkenntnisse zum besseren Schutz der natürlichen Lebensräume von Hummeln. Und das hat durchaus Bedeutung über den reinen Naturschutz hinaus: Hummeln zählen zu den wichtigsten Bestäuber-Insekten, da sie auch bei schlechtem Wetter noch fliegen, wenn Bienen lieber im Stock bleiben. Viele kommerziell wichtige Obst- und Gemüsesorten sind auf die pelzigen Bestäuber angewiesen.

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