Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2014

13:50 Uhr

Vor Darth Vader gruseln sich sogar Heuschrecken. dpa/picture alliance

Vor Darth Vader gruseln sich sogar Heuschrecken.

Der Oberschurke des Star-Wars-Imperiums lässt auch Heuschrecken nicht kalt. Zumindest dann nicht, wenn die Sechsbeiner so platziert werden, dass Darth Vader mit seinem Raumschiff direkt auf sie zuzusteuern scheint. Die Erkenntnisse, die britische Forscher durch einen ungewöhnlichen Versuch mit den Tieren gewannen, könnten einmal helfen, die Verkehrsprobleme auf unseren Straßen zu lösen.

Claire Rind und ihr Team von der Universität Newcastle beschäftigte die Frage, warum Heuschrecken nicht ständig miteinander kollidieren. Kein triviales Problem angesichts der Millionen Tiere, die dicht gedrängt in einem riesigen Heuschreckenschwarm unterwegs sind. Tatsächlich schaffen es die Tiere, noch 45 Millisekunden vor einem drohenden Zusammenstoß durch eine Richtungsänderung der Kollision mit einem Artgenossen auszuweichen.

Um den Mechanismus hinter dieser extrem kurzen Reaktionszeit zu entschlüsseln, entschieden sich die Forscher für ein ungewöhnliches Experiment: Sie spielten den Tieren, die sie zuvor durch Knetmasse am Weghüpfen gehindert hatten, Szenen aus Star-Wars-Filmen vor und beobachteten dabei die Hirnaktivität der Heuschrecken. Die fiel immer dann besonders heftig aus, wenn sich ein Raumschiff auf dem Bildschirm direkt in Richtung auf die Zuschauer bewegte.

Verantwortlich für diese Reaktion sind besonders leistungsfähige Nervenzellen im Gehirn der Heuschrecken. Sie bilden den sogenannten LGMD (Lobula Giant Movement Detector) und sind in der Lage, innerhalb von Sekundenbruchteilen auf kleinste Kontrastveränderungen im Gesichtsfeld der Tiere zu reagieren. Schlagen diese Neuronen Alarm, wird automatisch ein Signal an Beine und Flügel ausgesandt, die dann den entscheidenden Impuls für die Richtungsänderung geben.

Ist es für ein Ausweichen zu spät, kann sich die Heuschrecke auch blitzschnell zu Boden fallen lassen. Auf diese Weise entgehen die Tiere nicht nur den Zusammenstößen mit Artgenossen, sie sind auch extrem wendig, wenn es darum geht, den hungrigen Mäulern von Fressfeinden wie Vögeln zu entkommen.

Einen praktischen Nutzen hat die Arbeit der britischen Wissenschaftler bereits erbracht: Ein auf Basis des Heuschrecken-Systems programmierter Roboter schaffte es im Labor, allen Zusammenstößen auf einer mit Hindernissen gespickten Teststrecke auszuweichen. Eines Tages, so hoffen die Forscher, wird ein dem Heuschrecken-System ähnliches Programm in der Lage sein, Autos ganz autonom über dicht befahrene Straßen zu steuern und den Fahrer vom lästigen Kurbeln am Lenkrad zu entlasten. Der könnte sich stattdessen ja einen Star-Wars-Film anschauen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×