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05.01.2015

13:45 Uhr

Der Tobasee geht auf einen verheerenden Vulkanausbruch vor 73.000 Jahren zurück. Bild: Mimihitam/Wikipedia. CC BY-SA 4.0

Der Tobasee geht auf einen verheerenden Vulkanausbruch vor 73.000 Jahren zurück.

Bild: Mimihitam/Wikipedia. CC BY-SA 4.0

An Katastrophen mit unzähligen Todesopfern herrscht in der Geschichte der Menschheit wahrlich kein Mangel. Doch weder Weltkriege noch Naturkatastrophen hatten solch katastrophale Auswirkungen wie ein Ereignis aus der Zeit der Neandertaler – von dem heute nur noch ein idyllischer See auf der indonesischen Insel Sumatra zeugt.

Mit einer Fläche von gut 1700 Quadratkilometern ist der Tobasee der größte Kratersee unseres Planeten. Er entstand, als vor etwa 73.000 Jahren die riesige Magmakammer eines Supervulkans explodierte. Der gewaltige Ausbruch übertraf alles, was Feuerberge in der jüngeren Erdgeschichte so angerichtet haben.

Mit der Kraft von 27.000 Hiroshima-Bomben schleuderte der Toba fast 3000 Kubikkilometer Material in bis zu 80 Kilometer Höhe. Teile von Sumatra waren danach unter einer 600 Meter dicken Ascheschicht begraben. Zehn Milliarden Tonnen Schwefelsäure waberten durch die Luft und sorgten im Verbund mit den aufgewirbelten Aschteilchen für einen vulkanischen Winter, weil sie die Erde gegen die Sonneneinstrahlung abschirmten.

Nach Berechnungen australischer Forscher könnte diese vulkanische Eiszeit Jahrzehnte angedauert haben und regional für Temperaturstürze bis zu 16 Grad Celsius gesorgt haben. Hand in Hand mit der Abkühlung verringerten sich auch vielerorts die Niederschläge, da die Luft weniger Feuchtigkeit aufnehmen konnte. Lange Dürreperioden suchten die Pflanzenwelt heim und verschlimmerten die Folgen des vulkanischen Winters noch. Bis zu einem Jahrtausend dürfte es gedauert haben, bis sich die Vegetation weltweit von der Toba-Katastrophe erholt hatte.

Mitten in diesem apokalyptischen Szenario versuchte sich Homo sapiens, der Vorläufer des modernen Menschen, im Überlebenskampf mit anderen Urmenschen wie dem Neandertaler zu behaupten. Doch die Toba-Katastrophe hätte diesem Überlebenskampf beinahe ein jähes Ende gesetzt: Die Verwüstungen  sowie die durch den vulkanischen Winter bedingte lange Hungerperiode sorgten dafür, dass unsere Spezies in Asien und Europa verschwand. Nur in den äquatornahen Regionen Afrikas überlebten ein paar tausend unserer Ahnen die Krisenzeit – und sicherten damit den Fortbestand der Art.

Wie knapp unsere Vorfahren der vollständigen Auslöschung entgingen, lässt sich noch heute in unserem Erbgut nachweisen: Die enge genetische Verwandtschaft aller heute lebenden Menschen erklärt sich dadurch, dass wir alle von den wenigen Individuen abstammen, die einst der Katastrophe entgingen.

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