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23.10.2014

15:14 Uhr

Schneller schlau

Welcher Himmelskörper ist nichts für empfindliche Nasen?

Ein wahrhaft kosmischer Gestank – Schneller schlau entführt Sie in die Welt des Wissenswerten.

Die Illustration zeigt den Lander Philae, der am 12. November auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko aufsetzen soll - als Höhepunkt der Rosetta-Mission. obs

Die Illustration zeigt den Lander Philae, der am 12. November auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko aufsetzen soll - als Höhepunkt der Rosetta-Mission.

Gut zehn Jahre hat die Raumsonde Rosetta gebraucht, um ihr Ziel, den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, zu erreichen. Nun umkreist sie den Himmelskörper und wartet auf den Höhepunkt ihrer Mission: Am 12. November soll sie das mitgeführte Landefahrzeug Philae starten, das als erstes von Menschen gebautes Raumfahrzeug auf einem Kometen landen wird.

Glaubt man den Untersuchungen von Wissenschaftlern der Universität Bern, so muss man wohl froh sein, dass Philae unbemannt ist. Denn für menschliche Nasen dürfte Tschuri, wie der Komet inzwischen liebevoll genannt wird, eine kaum zu bewältigende Herausforderung darstellen. Die Schweizer Forscher kommen in einer aktuellen Untersuchung zu dem Schluss, dass der Komet gewaltig – nun, „stinkt“ wäre wohl noch deutlich zu milde ausgedrückt. Die Ausdünstungen des fernen Himmelkörpers spotten jeder irdischen Beschreibung.

Zu den wichtigsten Bestandteilen der Gashülle des Kometen gehört Schwefelwasserstoff, das für einen intensiven Geruch wie von faulen Eiern sorgt. Eine weitere Zutat ist Ammoniak, das Tschuri ein kräftiges Pferdestall-Aroma beschert. Dies vermengt sich mit dem schwachen, bittermandelartigen Aroma des giftigen Cyanwasserstoffs, auch bekannt als Blausäure.

Hinzu kommt noch Alkohol in Form von Methanol, ergänzt durch das essigähnliche Aroma von Schwefeldioxid sowie einen Hauch des süßlichen Dufts von Schwefelkohlenstoff. Gekrönt wird das Duftensemble schließlich durch beißendes Formaldehyd.

Ein Komet zum Naserümpfen ist Tschuri damit aber keineswegs. Im Gegenteil, die Forscher zeigten sich hocherfreut über ihre Entdeckung. Die Vielfalt der gemessenen Moleküle habe sie überrascht, gestand Kathrin Altwegg, Leiterin des Rosina-Projekts am Center for Space and Habitability der Universität Bern.

Man habe mit deutlich weniger gerechnet, schließlich sei der Komet noch über 400 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. „Je näher der Komet zur Sonne kommt, desto mehr verdampft von seinem Eis, und umso stärker wird seine Ausgasung“, sagte Altwegg. Gut möglich also, dass der Komet in Sachen Gestank künftig noch weiter zulegen wird.

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