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19.02.2014

12:35 Uhr

Französische Schiffe beschießen die Festung San Juan de Ulúa. Ein Gemälde von Horace Vernet. Wikipedia Public Domain

Französische Schiffe beschießen die Festung San Juan de Ulúa. Ein Gemälde von Horace Vernet.

Eine verwüstete Bäckerei steht am Anfang der Geschichte des Kuchenkrieges, in dem sich 1838/39 Frankreich und Mexiko gegenüberstanden. Auslöser der Feindseligkeiten war die Plünderung einer französischen Bäckerei in einem Vorort von Mexiko-Stadt durch mexikanische Soldaten. Da er von den Behörden der seinerzeit noch jungen Republik Mexiko keine Unterstützung erwartete, wandte sich der Bäcker, ein Monsieur Remontel, mit seiner Forderung nach Entschädigung direkt an den französischen König Louis-Philippe.

Der machte sich die Ansprüche seines Untertanen jenseits des Ozeans tatsächlich  zu eigen: Der Bäcker müsse mit 600.000 Pesos entschädigt werden, so die offiziell von Frankreich an Mexiko übermittelte Forderung – eine für die damalige Zeit enorme Summe. Entsprechend kühl fiel die mexikanische Reaktion aus. Nachdem ein von Frankreich gestelltes Ultimatum verstrichen war, kam es zur Konfrontation: Am 27. November 1838 beschossen französische Kriegsschiffe die Festung San Juan de Ulúa vor der mexikanischen Hafenstadt Veracruz, was Mexiko mit der Kriegserklärung an Frankreich beantwortete.

Drei Monate dauerte die Auseinandersetzung, die im Wesentlichen aus der Blockade der mexikanischen Häfen durch die französische Flotte bestand. Zu einer skurrilen Zeremonie kam es nach einem der wenigen Gefechte zwischen den Kriegsparteien: General Antonio López de Santa Anna, Befehlshaber der mexikanischen Truppen in der legendären Schlacht von Alamo 1836, hatte sich mit Beginn des Kuchenkrieges an die Spitze der mexikanischen Truppen gestellt.

Bei einem Scharmützel mit der französischen Nachhut wurde Santa Anna verwundet, die Ärzte mussten ihm ein Bein amputieren – das der mit einem gesunden Selbstbewusstsein ausgestattete General anschließend mit allen militärischen Ehren in einem prachtvollen Grab beisetzen ließ. Nicht zuletzt dieser Verwundung, die er propagandistisch geschickt auszunutzen verstand, verdankte es Santa Anna, dass er nach Jahren der politischen Bedeutungslosigkeit wieder nach der Macht in Mexiko greifen konnte.

Der Kuchenkrieg endete schließlich mit dem Triumph Frankreichs: Die mexikanische Regierung, die sich mittlerweile auch einem drohenden Kriegseintritt der USA gegenübersah, erklärte sich nach Vermittlung durch Großbritannien zur Zahlung der 600.000 Pesos bereit. Die aus so nichtigem Anlass entstandene Auseinandersetzung kostete mehr als 200 Menschen das Leben.

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