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18.11.2014

16:01 Uhr

Der Kerzenfisch diente einst tatsächlich als Lichtquelle. Bild: Wikipedia Public Domain

Der Kerzenfisch diente einst tatsächlich als Lichtquelle.

Bild: Wikipedia Public Domain

Der Neigung des Menschen, bei Nacht seine Umgebung unter Nutzung von Meerestieren aufzuhellen, hat manche Wal-Art an den Rand des Aussterbens gebracht. Denn bevor Gas oder Elektrizität die Straßen unserer Städte erleuchteten, wurde das Fett der Meeressäuger für den Betrieb von Straßenlichtern verwendet. Kaum vorstellbar, wie viele Tiere ihr Leben ließen, um mit ihrem Tran  Metropolen wie London oder Paris in hellem Glanz erstrahlen zu lassen.

Zum Glück für die Tiere ist die Nachfrage nach Wal-Produkten stark zurückgegangen, und auch die nach wie vor unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Forschung betriebene Jagd durch „unbelehrbare“ Walfangnationen wie Japan kann den Meeressäugern nicht mehr wirklich gefährlich werden. Gleiches gilt auch für einen anderen Meeresbewohner, den menschlicher Scharfsinn zur Lampe werden ließ: den Kerzenfisch (Thaleichthys pacificus).

Das bis zu 30 Zentimeter große Tier, das den östlichen Nordpazifik bevölkert, war bei den Ureinwohnern an der amerikanischen Westküste nicht nur als Speisefisch beliebt. Sein hoher Fettanteil – bis zu 15 Prozent seines Körpergewichts sind reines Fett – machte ihn auch zu einer wichtigen Quelle von Fischöl. Dazu wurde er zunächst vergoren und dann gekocht, wobei das auf dem Wasser schwimmende Öl abgeschöpft werden konnte. Auf eigenen Handelswegen, den sogenannten Fettpfaden, wurden Öl und getrocknete Fische ins Hinterland transportiert, wo sie als begehrte Waren zahlreiche Abnehmer fanden.

Das Fischöl fand nicht zuletzt in den Lampen Verwendung, mit denen die Menschen ihre Behausungen erhellten. Doch der Kerzenfisch ließ sich auch viel unmittelbarer als Lichtquelle nutzen – und dieser Tatsache verdankt er seinen Namen: Manche Völker trockneten die Fische, zogen ihnen Dochte ein und zündeten diese an. Der hohe Fettanteil sorgte dabei dafür, dass der Fisch wie eine echte Kerze langsam vor sich hin brannte.

Wie beim Wal hat die moderne Lichttechnik auch beim Kerzenfisch für sinkende Nachfrage gesorgt. Ganz erholt haben sich die Bestände aber bis heute noch nicht: Noch 2010 wurden einige Kerzenfisch-Populationen von der US-Fischereibehörde in die Liste gefährdeter Bestände aufgenommen.

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