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10.12.2014

12:10 Uhr

Beim Aufeinandertreffen von Mensch und Kampfstier sind die Rollen klar verteilt – meistens. dpa

Beim Aufeinandertreffen von Mensch und Kampfstier sind die Rollen klar verteilt – meistens.

Von einer Karriere als Torero hatte José Delgado (1915-2011) in jungen Jahren nicht unbedingt geträumt. Zwar stand er einige Male als Nachwuchskämpfer bei kleineren Fiestas in der Arena, doch der junge Delgado wollte eigener Aussage zufolge lieber in die Fußstapfen seines Vaters treten und Augenarzt werden. Dass er letztlich doch durch einen Stierkampf weltberühmt werden sollte, hat auch damit zu tun, dass er diese Fußstapfen knapp verfehlte.

An einem heißen Tag des Jahres 1965 trat Delgado, inzwischen zwar kein Augenarzt, dafür aber als Neurowissenschaftler an der US-Eliteuniversität Yale eine anerkannte medizinische Autorität, in einer Stierkampfarena im spanischen Cordoba dem Kampfstier Lucero entgegen. Der Bulle war zuvor von professionellen Toreros gereizt worden und wartete nur darauf, Delgado auf die Hörner nehmen zu können.

Doch mitten im Ansturm auf den Wissenschaftler blieb Lucero plötzlich stehen, wandte sich ab und trottete ruhig davon. Der vermeintliche Kampf auf Leben und Tod endete ebenso abrupt wie unblutig.

Delgados Stierkampf sollte allerdings auch gar kein Spektakel für blutgierige Zuschauer sein. Der Hirnforscher wollte mit seinem Auftritt beweisen, wie stark sich tierisches Verhalten durch Eingriffe ins Gehirn manipulieren lässt. Dazu waren Lucero in den Tagen vor dem Kampf Elektroden ins Gehirn eingepflanzt worden, die sich aus der Distanz aktivieren ließen. Als der Stier auf den Forscher einstürmte, drückte der auf ein Knöpfchen an einer mitgeführten Fernbedienung – und verwandelte die tierische Kampfmaschine so in ein zentnerschweres Schoßhündchen.

Der Kampfstier-Versuch war der spektakulärste, aber keineswegs der einzige Versuch, Lebewesen durch solche Hirnimplantate zu steuern. Delgado selbst erprobte sein Verfahren etwa noch an Menschenaffen, die er mittels der Brain-Chip-Technik zähmte. Und auch andere Forscher widmeten sich in jenen Tagen diesem Wissenschaftszweig, an dessen Ende, so hoffte man, auch der Mensch von der Technik profitieren könnte.

Das kann er mittlerweile auch: Zwar werden wir – glücklicherweise – noch nicht per Brain Chip ferngesteuert, doch neuronale Erkrankungen wie etwa Parkinson lassen sich dank der Erkenntnisse von Delgado und seinen Kollegen heute deutlich besser behandeln.

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