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17.08.2012

17:32 Uhr

Schneller schlau

Wie kommt chinesischer Staub auf französische Alpengipfel?

VonThomas Trösch

20.000 Kilometer bis zum Gipfel - Schneller schlau entführt Sie in die Welt des Wissenswerten.

Blick auf das Mont-Blanc-Massiv in den französischen Alpen. ap

Blick auf das Mont-Blanc-Massiv in den französischen Alpen.

Als Francis E. Grousset einige Staubproben analysierte, die in Gipfelregionen der französischen Alpen gesammelt worden waren, staunte er nicht schlecht: Die rötlichen Sandkörner waren nicht etwa vom Wind aus dem vergleichsweise nahen Nordafrika herbeigeweht worden, wie er vermutet hatte. Die Isotopen-Verteilung der Proben verriet vielmehr, dass der Staub aus deutlich weiter entfernten Gebieten stammen musste: Grousetts Untersuchungen waren der erste Beweis dafür, dass Staubpartikel aus China Mitteleuropa erreichen können.

Seit den 1970er-Jahren hatten Wissenschaftler immer wieder dunkle Staubablagerungen auf den Schneefeldern von Alpen und Pyrenäen beobachtet. Die meisten dieser Ablagerungen stammten aus Nordafrika, einer Region, die für ihren atmosphärischen Staubtransport nach Mitteleuropa bereits seit längerem bekannt ist.

Doch ein nicht unerheblicher Teil musste auch aus anderen Regionen der Erde stammen, wie die chemische Signatur der Partikel nahelegte. Aus welchen und welche Mechanismen den Staubtransport begünstigten, blieb aber zunächst offen.

Angestachelt von den Ergebnissen ihrer ersten Untersuchungen an den weitgereisten Staubkörnern, machten sich Grousset und seine Kollegen von der New Yorker Columbia-University und der Universite Bordeaux an die Entwicklung eines Computermodells, das den Weg der Staubpartikel rekonstruieren sollte.

Als Ausgangspunkt der Staubfracht vermuteten sie einen heftigen Sandsturm, der Ende Februar 1990  im Gebiet der Wüste Taklamakan im Nordwesten Chinas gewütet hatte. Basierend auf Wetterdaten der US-Weltraumbehörde Nasa rekonstruierten die Forscher die atmosphärischen Luftströmungen zu jener Zeit und entwickelten daraus Kurs und Reisegeschwindigkeit des Wüstenstaubs: Rund zwei Wochen benötigten die Wüstenfracht demnach für die rund 20.000 Kilometer weite Reise in die französischen Alpen und überquerte dabei China, den Nordpazifik, Nord-Amerika und den nördlichen Atlantik.

Mit seinen Untersuchungen hat Grousett nicht nur das Rätsel des Alpenstaubs gelöst und seine Forschungsneugier befriedigt. Die Ergebnisse der Forscher unterstreichen auch Bedeutung und Gefahren des globalen Stofftransports. Atmosphärische Staubpartikel gelten als eine der wichtigsten Ursachen von Allergien. Zudem können neben Staub auch Schwermetalle, Pilzsporen, Bakterien oder Viren weite Strecken durch die Atmosphäre zurücklegen – und Menschen sowie Ökosysteme weitab ihres Entstehungsgebietes belasten.

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