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11.11.2015

14:22 Uhr

Schneller schlau

Wie wurde aus der grünen Sahara die heutige Wüste?

VonThomas Trösch

Wir kennen die Sahara als lebensfeindliche Wüste, doch das war nicht immer so. Einst wurde sie von mächtigen Strömen bewässert und bot Mensch und Tier reiche Nahrung. Doch was führte zum Untergang der grünen Sahara?

Wo heute nur gelegentlich die Bäume einer Oase die Weite der Sandwüste unterbrechen, erstreckte sich einst eine grüne Savanne. gms

Wüste Sahara

Wo heute nur gelegentlich die Bäume einer Oase die Weite der Sandwüste unterbrechen, erstreckte sich einst eine grüne Savanne.

Die größte Trockenwüste der Erde ist die Sahara, die sich von der nordafrikanischen Atlantikküste bis zum Roten Meer erstreckt: Neun Millionen Quadratkilometer Sand, Hitze und extreme Trockenheit – ein Ort, wie er lebensfeindlicher kaum sein könnte.

Doch das war nicht immer so. Vor 10.000 Jahren erstreckte sich im Gebiet der heutigen Wüste eine blühende Savanne, die den Menschen jener Tage, die als Jäger und Sammler lebten, reiche Nahrung bot. Spuren dieser „grünen Sahara“ haben Forscher jüngst vor der Küste Mauretaniens entdeckt.

Das Team, zu dem neben mauretanischen auch französische und belgische Forscher gehörten, stieß am Meeresboden in Küstennähe auf Spuren eines alten Flussbetts, das einst Teil des Mündungsgebiet eines mächtigen Stroms gewesen sein muss. Und tatsächlich gelang es den Geologen, ihren Fund einem Flusssystem zuzuordnen, das vor 10.000 Jahren das heute so trockene Gebiet durchströmte.

Der mächtige Tamanrassett-Strom transportiere seinerzeit Wasser aus dem Atlasgebirge durch die Westsahara und führte es in einem breiten Delta dem Ozean zu – als einer von mehreren Flüssen, die die Sahara mit lebensspendendem Nass versorgten. Vor allem in Zeiten des Monsuns führten diese Ströme – Spuren vergleichbarer Flüsse fanden Forscher bereits an der nordafrikanischen Mittelmeerküste – große Mengen Wasser mit sich.

Und genau hier liegt der Schlüssel zum Verständnis der Prozesse, die schließlich die Sahara austrocknen ließen: Der Regengürtel des afrikanischen Monsuns verlagerte sich allmählich weiter nach Süden, sodass immer weniger Wasser die heutige Wüste erreichte.

Vor etwa 8000 Jahren, das haben Forscher anhand von Bodenablagerungen im Nil nachgewiesen, kam es dann zu einem dramatischen Klimaumschwung: Innerhalb weniger Jahrzehnte trocknete die grüne Sahara vollständig aus – nach geologischen Maßstäben also im Rekordtempo.

Den Menschen jener Tage blieb nichts anderes übrig, als die Region zu verlassen. Sie siedelten sich im fruchtbaren Einzugsgebiet des Nils an, aus Jägern und Sammlern wurden Ackerbauern – und die Begründer der Hochkultur der ägyptischen Pharaonen.

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