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04.12.2012

09:06 Uhr

Schwaches Bauchgefühl

Warum Senioren oft betrogen werden

Quelle:dpa

Kein Wunder, dass Trickbetrüger vor allem auf Senioren als Opfer zielen. US-Forscher haben nun herausgefunden, dass ältere Menschen schlechter am Gesicht erkennen können, ob ein Mensch vertrauenswürdig ist.

Weil Senioren wenig vertrauenswürdige Menschen oft zu positiv einschätzen, haben Trickbetrüger mit ihnen leichteres Spiel. dpa

Weil Senioren wenig vertrauenswürdige Menschen oft zu positiv einschätzen, haben Trickbetrüger mit ihnen leichteres Spiel.

WashingtonLaut einer US-Studie lässt bei Älteren die Aktivität in einer Gehirnregion nach, die normalerweise wie ein Frühwarnsystem ein ungutes Bauchgefühl vermittele. Das berichten die Experten in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften.

Die Forscher um Elizabeth Castle von der Universität von Kalifornien in Los Angeles hatten einer Reihe von Testpersonen zwischen 20 und 84 Jahren zunächst Fotos von Menschen gezeigt und sie gefragt, für wie vertrauenswürdig sie die Personen halten. Zuvor hatten die Forscher die Menschen auf den Fotos in drei Kategorien eingestuft: vertrauenswürdig, neutral, nicht-vertrauenswürdig. Es stellte sich heraus, dass Senioren vertrauenswürdige und neutrale Personen richtig einstuften, wenig vertrauenswürdige Menschen jedoch zu positiv beurteilten.

"Wir fanden diesen Effekt bei den meisten Älteren", erklärt Studienleiterin Shelley Taylor. In einem zweiten Versuch steckten die Forscher Versuchspersonen in einen Magnetresonanztomographen und ließen sie dort Gesichter auf Fotos beurteilen. So konnten sie beobachten, was im Gehirn der Probanden passierte.

Bei den jüngeren Erwachsenen war beim Beurteilen der Bilder und vor allem beim Betrachten von wenig-vertrauenswürdigen Gesichter eine bestimmte Region im Gehirn aktiv: die anteriore Insula. Bei den Älteren hingegen war diese Region nur schwach aktiv. Aus früheren Untersuchungen ist bekannt, dass die anteriore Insula bei Gefühlen von Abneigung oder bei der Bewertung von Risiken eine Rolle spielt. Sie nimmt innere Gefühle wahr, interpretiert diese für das Gehirn und ist so vermutlich an der Entstehung eines Bauchgefühls beteiligt.

"Bei den älteren Menschen ist das Frühwarnsignal der anterioren Insula schwächer; ihre Gehirne melden nicht im gleichen Maße wie bei jüngeren: sei vorsichtig", erläutert Taylor. Die Forscher berichten weiter, dass die Vertrauensseligkeit der Senioren erhebliche Auswirkungen habe. So seien US-Bürgern über 60 Jahren einer neuen Studie zufolge im Jahr 2010 durch Betrügereien ein finanzieller Schaden in Höhe von mindestens 2,9 Milliarden US-Dollar entstanden, angefangen von kleineren Schwindeleien bei Haushaltsreparaturen bis hin zu ausgemachten Betrugsdelikten.

Auf der anderen Seite trage die Vertrauensseligkeit älterer Menschen vermutlich auch zum Wohlbefinden bei. Senioren seien vielen Untersuchungen zufolge glücklicher mit ihrem Leben, empfänden negative Gefühle weniger stark oder behielten positive Informationen besser als schlechte. "Die geringere Empfänglichkeit für negative Reize, wie sie etwa in nicht-vertrauenswürdigen Gesichtern zu finden sind, könnte auf positive Weise dazu beitragen, dass sich Senioren die meiste Zeit gut fühlen", schreiben die Forscher.

Kommentare (4)

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kuac

04.12.2012, 14:04 Uhr

Immerhin, das ist der erste Versuch zu erklären, warum die Senioren öfter von den Banken, Versicherungen oder auch am Telephon abgezockt werden können. Bisher hiess es immer, die dummen Senioren sind selbst Schuld. Daher, der Gesetgeber ist hier gefordert.

Alex

04.12.2012, 14:41 Uhr

Braucht man dazu eine Studie um zu wissen dass man im Alter eben nicht mehr unbedingt topfit ist und staendig aufpasst wie ein Luchs?

Natuerlich kann man die Schwaechsten am ehesten ueberrumpeln. Auch sind viele aeltere Menschen einsam und auch deswegen schon in einer schwaecheren Position.

Koennte denn nicht ein Gesetz eingefuehrt werden damit Vertraege speziell bei Haustuergeschaeften, Telefonabzockgeschaeften etc erst nach einer zweiwoechigen Bedenkzeit zustande kommen und solange widerrufen werden koennen?

Und generell sollten Handwerker dazu verpflichtet werden dem Kunden vor Ausfuehrung von Leistungen einen Kostenvoranschlag auszuhaendigen und unterschreiben zu lassen sobald ein Mindestbetrag ueberschritten wird, z.B. 150 EUR. So eine Regelung gibt es auch in Frankreich, siehe http://www.leparticulier.fr/jcms/c_147653/reparations-au-dela-de-150-devis-obligatoire

kuac

04.12.2012, 15:08 Uhr

@Alex
Ich stimme Ihnen voll zu bis auf die Ausage, ob man eine Studie dafür brauche. Ja, man brauche Studien um auf den Grund der "Erfahrung" zu gehen. ZB. Der Apfel fällt immer erfahrungsgemäß vom Baum. Aber, Newton hatte rausgekriegt, dass dahinter die "Schwerkraft" steckt, eine der wichtigsten Theorien der Naturwissenschaften.

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