Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.01.2011

14:38 Uhr

„Science Slam“

Physik im Nachtclub lernen

VonJulia Wäschenbach (dpa)

Wieso brummt ein Trafo? Was machen Kaffee und Alkohol mit unserem Körper? Wer auf solche Fragen mal keine dröge Antwort bekommen will, sollte dringend einen „Science Slam“ besuchen. In immer mehr deutschen Universitätsstädten gibt es solche Bühnenwettbewerbe.

Studenten beim Science Slam in Münster: Wissenschaft in lockerer Atmosphäre verständlich erklärt. dpa

Studenten beim Science Slam in Münster: Wissenschaft in lockerer Atmosphäre verständlich erklärt.

MÜNSTER. So einen Andrang würde sich mancher Professor bei der Vorlesung wünschen. Dicht an dicht quetschen sich die Studenten auf den Holzbänken, stehen Hunderte Zuhörer bis zur Eingangstür. Aber der Hörsaal ist an diesem Abend kein schnöder Kasten, sondern einer der angesagtesten Clubs der Studentenstadt Münster. Vor der Leinwand stehen keine grauhaarigen Eminenzen, sondern junge Kerle in Jeans und Sneakers. Beim „Science Slam“ erklären sie ihrem Publikum, über dem eine glitzernde Disco-Kugel baumelt, auf originelle Weise die Welt der Wissenschaft.

„Stellt euch mal vor, das hier ist ein Elektron.“ Sebastian Niehues streckt seinen rund 400 Zuhörern ein Playmobilmännchen entgegen. Später wird der rotblonde Physikstudent es zur Veranschaulichung auf einen Akkubohrer setzen. Er will Lehrer werden, dafür übt er schon mal - und bewegt sich nah an der Lebenswirklichkeit seiner Schüler: Zustände vergleicht er mit dem Tassenkarussell im Disneyland, eine Tüte voller Marshmallows muss als Ladungswolke herhalten. So will er seinen wissensdurstigen Zuhörern beibringen, wieso ein Trafo brummt. Zehn Minuten hat er dafür Zeit, wie seine fünf Mitstreiter beim „Science Slam“.

Den Forscherwettstreit gibt es in deutschen Uni-Städten erst seit wenigen Jahren, in Münster hat ihn der Studentensender Radio Q auf die Beine gestellt. Das Prinzip ähnelt den beliebten Poetry Slams, wo Kurzgeschichten vorgetragen werden. Auf der Bühne geht es um Inhalte und rhetorisches Geschick; darum, die Zuschauer einzufangen oder zum Lachen zu bringen. Jeder Teilnehmer muss sich und sein Projekt in kurzer Zeit präsentieren. Am Ende entscheidet das Publikum, wer das am besten hingekriegt hat. Nur, dass sich der „Science Slam“ nicht um Schöngeistiges, sondern um wissenschaftliche Vorgänge dreht, wie eben das Brummen eines Trafos. Ob von dem Vortrag von Sebastian Niehues am Ende etwas hängengeblieben ist? „Einige sind bestimmt gnadenlos überfordert gewesen“, sagt der 25-Jährige und grinst. „Aber ich hab' ja selbst ewig gebraucht, bis ich das verstanden hab'.“

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

markuswk

25.02.2011, 12:14 Uhr

Alle deutschen Science Slams findet man übrigens auf der zentralen Homepage www.scienceslam.org
Grüße

Hanshotter

25.02.2011, 13:52 Uhr

Das "Original" findet am 4.3. mal wieder im Haus der Wissenschaft Braunschweig statt. Zu sehen auch im Live-Stream!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×