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23.10.2014

15:29 Uhr

Selbsttest

Im Schutzanzug der Ebola-Helfer

VonNoah Gottschalk

Für Ärzte und Krankenpfleger im Ebola-Einsatz ist passende Schutzkleidung überlebenswichtig. Doch der Umgang mit Isolieranzug und Atemschutzmaske stellt sie vor große Herausforderungen, wie unser Selbsttest belegt.

Kompliziertes Prozedere

Wie Sie einen Ebola-Schutzanzug anlegen

Kompliziertes Prozedere: Wie Sie einen Ebola-Schutzanzug anlegen

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Düsseldorf/KölnEs riecht nach Desinfektionsmittel in meinem knallgelben Schutzanzug. Mir wird heiß. Schweißperlen tropfen mir von der Stirn. In dem mehrschichtigen Isolieranzug, der Menschen vor tödlichen Krankheitserregern wie dem Ebola-Virus schützen soll, wird jeder Handgriff zur Schwerstarbeit.

Eng und beklemmend ist es in dem neongelben Overall. Das lautstarke Geraschel des Plastik-Anzugs verschluckt bei jeder Bewegung die Umgebungsgeräusche, ich komme mir vor wie ein Schwerhöriger. Die Atemschutzmaske, die zusammen mit Handschuhen und Schuhüberziehern meine Schutzausrüstung komplettiert, zwingt mich, deutlich langsamer zu atmen, als ich es eigentlich möchte.

Unter diesen Bedingungen muss ein Helfer also arbeiten. Länger als 90 Minuten kann man in so einem Anzug kaum aushalten, meinen Experten. Ich selbst ziehe mein Exemplar schon nach zehn Minuten wieder aus. Kaum vorstellbar, wie man diese Tortur bei Temperaturen von 40 Grad Celsius aushalten soll, wie sie in Afrika nicht selten sind. Aber die Schutzausrüstung ist überlebenswichtig für alle Ärzte, Pfleger und sonstigen Helfer. Denn die begeben sich Tag für Tag in Risikosituationen, um im Kampf gegen Ebola Leben zu retten.

Ebola-Chronologie

Hinweis: Diese Chronologie kann nur im Internet-Explorer und mobil nicht angezeigt werden. Die Chronologie in großer Version darstellen.

Daniel Peter (34) ist einer von ihnen. Als Arzt an der Kölner Uni-Klinik hat er selbst schon in etlichen Krisengebieten geholfen. Und weiß daher, dass die gefährlichste Situation das Ausziehen der Schutzausrüstung ist. Im Innenhof des Arbeiter-Samariter-Bundes in Köln demonstriert er den Vorgang, die einzelnen Handgriffe, die in genau der richtigen Reihenfolge durchgeführt werden müssen, um sich nicht anzustecken.

Der Risikofaktor Mensch kann nur durch intensives Training minimiert werden, sagt Peter: „Ich selbst habe diese kombinierte Schutzausrüstung sicherlich mehrere Dutzend Male an- und abgelegt und kann das mittlerweile. Das wäre für mich die Größenordnung, mit der ich mich sicher fühle.“ Ärzte und Pfleger fordern eine bessere Ausbildung im Umgang mit der Schutzkleidung, um die Handgriffe auch in Stresssituationen beherrschen zu können.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Amerikanische Kliniken haben einen Weg gefunden, das Risiko eines Fehlgriffs und einer Ansteckung zu reduzieren: das sogenannte „Buddy-System“. Eine zweite Person steht mit einer Checkliste daneben und hakt die einzelnen Schritte ab, wenn ein Arzt oder Pfleger die Schutzausrüstung auszieht. Peter wünscht sich, dieses System auch in den Krisengebieten und in Deutschland zu verbreiten.

Kommentare (1)

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Herr Chris Frank

23.10.2014, 16:10 Uhr

Der Autor hat nicht gedient, oder? Jeder der beim Bund ABC-Einsatz im Overgarment oder gar im Zodiak gelernt hat, hat mit wesentlich unkomfortableren Schutzanzügen unter wesentlich härteren Bedingungen arbeiten müssen (mein längstes im Zodiak: 8 Stunden am TEP...) .

Und bei der Feuerwehr sind diese leichten Schutzanzüge ggf. sogar mit Gebläsefiltersystem für uns ebenfalls eher angenehm, im Vergleich zum schweren Chemikalienvollschutzanzug. Dort haben wir das An-/ Ablegen nach Liste auch schon länger im Programm. Ebenso die Ausbildung mit dem Ziel eine Kontaminationsverschleppung zu verhindern (u.a. mittels fluoreszierendem Farbstoff als künstliche Verunreinigung und anschließender Kontrolle mit UV-Licht).

Es ist zwar schön, dass der Autor da einen Selbstversuch macht, aber das was er da erlebt hat ist jetzt nichts so außergewöhnliches und sollte Fachpersonal weder überraschen noch vor Probleme stellen. Es mangelt dann ggf. schlicht an der Ausbildung (weil: braucht man ja nie).

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