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03.07.2012

11:15 Uhr

Sensationsfund

Der Mann, der Amerika taufte

VonMartin Dowideit

Ein Frühwerk des Kartografen Martin Waldseemüller ist per Zufall in der Münchener Universitätsbibliothek entdeckt worden. Das Dokument könnte Millionen wert sein, denn es gab einem neuen Kontinent seinen Namen.

Die in der Universitätsbibliothek München gefundene Waldseemüller-Karte. Die Weltkarte des berühmten Freiburger Kartographen Martin Waldseemüller (ca. 1470 - 1522) gilt als Geburtsurkunde Amerikas, weil der neu entdeckte Kontinent dort erstmals unter der Bezeichnung "America" aufgeführt ist. dpa

Die in der Universitätsbibliothek München gefundene Waldseemüller-Karte. Die Weltkarte des berühmten Freiburger Kartographen Martin Waldseemüller (ca. 1470 - 1522) gilt als Geburtsurkunde Amerikas, weil der neu entdeckte Kontinent dort erstmals unter der Bezeichnung "America" aufgeführt ist.

DüsseldorfAls der Abt und Gelehrte Trithemius im Jahr 1507 auf einer Reise durch Deutschland war, griff er an einem Verkaufsstand zu. Er habe „günstig einen hübschen Erdglobus von kleiner Größe“ und zur gleichen Zeit „eine große Weltkarte“ erstanden, schrieb er wenige Tage später einem Freund.

Die Wissenschaft ist sich einig, dass dieser Passus der einzige verbriefte Beleg für den Kauf eines Werks des um 1470 geborenen badisch-elsässischen Geografen Martin Waldseemüller ist. Die Werke, die dort den Besitzer wechselten, schwingen jedoch in ihrer Bedeutung bis heute nach. Denn es waren die „Taufurkunden Amerikas“ – die ersten geografischen Werke, auf denen für die Entdeckungen jenseits des Atlantiks der Begriff „America“ verwendet wurde.

Ein Exemplar eines Globensegment-Drucks, wie ihn Trithemius vor mehr als 500 Jahren erwarb, ist jetzt in der Münchener Universitätsbibliothek zufällig entdeckt worden. Zwei Forscherinnen entdeckten die wertvolle, rund 500 Jahre alte Karte in einem unscheinbaren Bibliothekseinband aus dem 19. Jahrhundert - zwischen zwei Drucken zur Geometrie, wie Bibliotheksdirektor Klaus-Rainer Brintzinger sagte. „Wir haben einen Sensationsfund gemacht.“

Amerigo Vespucci: Vom Banker zum Entdecker

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Er führte den wohl bekanntesten Vornamen der Geschichte: Nach Amerigo Vespucci ist ein ganzer Kontinent benannt. Doch bis heute ist seine Rolle bei der Entdeckung der Neuen Welt umstritten.

Tatsächlich sind wenige geografische Werke so begehrt wie die Waldseemüllers. Das liegt nicht nur daran, dass nur wenige Karten die Jahrhunderte überdauert haben. Es liegt auch daran, dass sie Beleg für einen wissenschaftlichen Irrtum sind, der jedoch nie korrigiert wurde und bis heute im Begriff Amerika mitschwingt.

Waldseemüller war Mathematiker und Geograf, studierte ab Ende des 15. Jahrhunderts in Freiburg im Breisgau und wurde zum vermeintlich besten Mann seines Fachs. In einem Gelehrtenkolleg im lothringischen Saint-Dié-des-Vosges, einer Art Think-Tank des ausgehenden Mittelalters, wertete Waldseemüller mit dem Humanisten Matthias Ringmann und anderen Gelehrten kosmographische Schriften und erste Dokumente über Entdeckungen jenseits des Atlantiks aus.

Darunter waren Briefe des Händlers und Seefahrers Amerigo Vespucci, der mehrfach an Bord von Entdeckungsschiffen gen Südamerika aufbrach. Die Erlebnisberichte deuteten Ringmann und Waldseemüller erstmals als Beleg für die Entdeckung eines neuen Kontinents.

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