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14.06.2013

13:53 Uhr

Sepsis-Therapie

Mediziner setzen auf neuartige Blutreinigung

In Intensivstationen sind Ärzte oft hilflos, wenn sie Patienten mit Blutvergiftung behandeln müssen. Rostocker Mediziner haben nun möglicherweise eine Tür in Richtung einer erfolgreicheren Sepsis-Behandlung aufgestoßen.

Der Rostocker Nierenspezialist Steffen Mitzner hat ein Gerät entwickelt, um lebensbedrohliche Blutvergiftungen besser zu bekämpfen. dpa

Der Rostocker Nierenspezialist Steffen Mitzner hat ein Gerät entwickelt, um lebensbedrohliche Blutvergiftungen besser zu bekämpfen.

RostockBlutvergiftungen und daraus folgendes Organversagen gehören zu den gefährlichsten . Jedes Jahr behandeln Ärzte auf deutschen Intensivstationen mehr als 200.000 Patienten wegen Blutvergiftung (Sepsis), rund 60.000 überleben nicht. „Bei den meist älteren Patienten ist Sepsis die Folge einer Lungenentzündung, einer Operation oder auch eines Unfall“, sagt der Rostocker Nierenspezialist Steffen Mitzner.

Letztlich breche das Immunsystem unter der Dauerbelastung zusammen. „Die Immunzellen sind erschöpft. Wir Ärzte sind hilflos“, beschreibt Mitzner das drängende Problem, das zudem Kosten in Milliardenhöhe verursacht.

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Zusammen mit anderen Forschern hat der Mediziner ein Immun-Unterstützungssystem außerhalb des Körpers (EISS) entwickelt, das wie eine Art weiterentwickelte Blutreinigung (Dialyse) funktioniert. Verwirrend viele Schläuche und Schalter sind zu sehen. Mitzner selbst nennt den Prototypen des Geräts ein wenig respektlos einen „Teebeutel“ am Patientenbett.

Denn wie in einem Teebeutel wird in dem Gerät entlang einer Membran das kranke, mit Gift- und Abfallstoffen belastete Blutplasma des Patienten mit gesunden Immunzellen eines Spenders mit gleicher Blutgruppe in sehr engen Kontakt gebracht. „Diese Immunzellen sind heiß und wollen sich in den Kampf stürzen“, erläutert Mitzner. Die Spenderzellen kämen dabei aber nie in den Körper der Patienten. So kann es auch nicht zu einer Abwehrreaktion kommen.

In jeweils mehrstündigen Umläufen holen die gesunden Immunzellen nun die Giftstoffe aus dem Blut der Patienten. Und nicht nur das - sie geben auch immunaktivierende Substanzen ab, die zur Genesung beitragen. Im Blut der Patienten sei ein signifikanter Anstieg von entsprechenden Markern festgestellt worden, ergänzt Mitzner. „Das Immunsystem der Patienten kann für Stunden oder wenige Tage auf Kur gehen und sich in dieser Zeit regenerieren.“

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