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23.01.2008

08:54 Uhr

Sicherheitsetiketten

Holospots schützen vor Fälschungen

VonMartin Roos

Mit Hilfe so genannter Holospots, Sicherheitsetiketten mit sichtbaren und verschlüsselten Daten, können Original-Produkte von gefälschten unterschieden werden. Die Klebestreifen werden seit 2003 von der Beiersdorf-Tochter Tesa verkauft – und bescheren der Firma ein Millionengeschäft. Doch der Markt für Sicherheitstechnik dürfte weiter rasant wachsen.

Ein Tesa "Holospots" ist nur einen Quadratmillimeter groß und kann bis zu einem Kilobyte verschlüsselte Informationen speichern. Foto: Archiv

Ein Tesa "Holospots" ist nur einen Quadratmillimeter groß und kann bis zu einem Kilobyte verschlüsselte Informationen speichern. Foto: Archiv

HAMBURG. Es ist einer dieser Tage, der in die Geschichte eingehen soll. In den Iden des März 1998. Die beiden Physiker Steffen Noethe und Matthias Gerspach tüfteln in ihrem Labor an der Universität Mannheim wieder einmal wild herum. Schon seit längerer Zeit forschen sie nach einer Kunststoff-Folie, die als Speichermedium dienen könnte. Bisher erfolglos. Eher aus Übermut legen Noethe und Gersprach schließlich einen handelsüblichen Tesafilm unter den Laserstrahl. Dann bleibt ihnen die Spucke weg. Bei einer Temperatur von 170 Grad belichtet der Laser winzige Punkte auf den Tesa-Film - durch alle Schichten der Rolle hindurch.

Was für Laien nach angekohltem Klebstreifen klingt, ist mittlerweile ein Millionengeschäft. Zehn Jahre später macht diese Erfindung bei der Beiersdorf-Tochter Tesa den neuen Geschäftsbereich „tesa scribos“ aus. Seit 2003 verkaufen die 50 Mitarbeiter in Hamburg und Heidelberg so genannte Holospots – Sicherheitsetiketten mit sichtbaren und verschlüsselten Daten, die Original-Produkte von gefälschten unterscheiden.

Die Kunden sind Unternehmen aus der Agrarchemie, der Automobilbranche, der Elektro- und Luxusgüterindustrie. Zwar ist der Umsatz mit knapp über zehn Mill. Euro noch klein und macht knapp zwei Prozent des Tesa-Gesamtumsatzes aus (846 Mill. Euro). Doch das Geschäftsfeld wächst zweistellig und damit überproportional. „Für 2008 erwarten wir ein Wachstum von 40 Prozent“, sagt tesa-scribos-Geschäftsführer Joachim Suesse.

Im Markt für Sicherheitstechnik agieren weltweit etwa 400 Unternehmen, darunter viele Mittelständler oder Tochtergesellschaften großer Konzerne. 400 Mill. Euro Umsatz gibt der Markt her. Zu den größten Unternehmen zählen DuPont, 3M, Hologram Industries und Tesa.

Nur fünf Jahre brauchten die Holospots von ihrer Erfindung bis zur Marktfähigkeit. Nachdem Noethe und Gerspach herausgefunden hatten, dass sich das Material als Datenspeicher für satte zehn Megabyte pro Quadratzentimeter eignet, knobelten die beiden Experten im Heidelberger European Media Laboratory weiter an dem unscheinbaren Klebematerial herum – bis schließlich ihr Laser eine kreisrunde Veränderung der Polymerstruktur erzeugte. Sie grenzte sich scharf vom umgebenen Film ab und ließ sich mit speziellen Geräten lesen. Diese nur ein Quadratmillimeter große, „Holospot“ genannte Folie enthält nun verschlüsselte Informationen wie Texte oder ein winziges individuelles Hologramm. Einige dieser Informationen auf dem schwarz-silbernen Material aus Polyethylen kann der Verbraucher mit dem bloßen Auge lesen. Sie ermöglichen es ihm zu überprüfen, ob das Produkt ein Original oder eine Fälschung ist.

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