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06.01.2010

13:54 Uhr

Sicherheitstechnik

Es geht auch sehr viel diskreter

VonDietrich von Richthofen

Torsten May aus Jena nimmt die Aufregung um Nacktscanner gelassen. Und bastelt lieber an einer besseren Lösung. Sein System setzt auf Terahertz - es erkennt Angreifer auf diskrete Art.

Torsten Mays Terahertz-Scanner liefert Bilder wie eine Wärmekamera. Pressebild

Torsten Mays Terahertz-Scanner liefert Bilder wie eine Wärmekamera.

JENA. Sie sind in Verruf geraten als Peep-Show für Flughafenbedienstete - und schon beim Namen fängt das Dilemma an: Sogenannte Nacktscanner, in den USA und den Niederlanden zur Terrorabwehr bereits im Einsatz, sollen am Körper versteckte Waffen oder Sprengstoff sichtbar machen. Der Preis für mehr Sicherheit: Recht plastisch offenbaren die Geräte den Körper und setzen ihn zudem elektromagnetischer Strahlung aus. Noch im Januar werden Innenexperten in Deutschland und Europa über die Geräte beraten. Es winken Millionengeschäfte.

Torsten May hat einen Bodyscanner entwickelt - und die hitzige Debatte über die neuartige Sicherheitstechnik erfreut ihn regelrecht. „Wir haben auf beide Einwände gute Antworten“, sagt er. Seine elektronische Leibesvisitation sei beides: unschädlich und diskret.

Wie ein fanatischer Sicherheitstechniker wirkt May nicht: Der 38-Jährige trägt Clogs, Jeans und T-Shirt, die langen Haare sind zum Zopf gebunden. Der Physiker sitzt in der Küche des Jenaer Instituts für Photonische Technologien (IPHT) und sucht nach halbwegs verständlichen Metaphern, um die Funktionsweise seiner komplexen Technik zu vermitteln. „Sie müssen sich das vorstellen wie eine Wärmebildkamera“, sagt May. Nur messe sein Scanner statt Wärmestrahlung die Terahertz-Strahlung, die vom Körper ebenfalls ausgeht - wenn auch in sehr geringer Intensität.

May ist überzeugt, dass sein System den auf dem Markt befindlichen Geräten überlegen ist. Die nämlich, so sagt er, messen in der Regel nicht Terahertz-, sondern Mikrowellen-Strahlen, deren größere Wellenlänge von Nachteil sei. „Die Auflösung ist bei diesen Geräten wesentlich geringer als mit unserer Technologie“, sagt May. Auch der Kontrast sei schwächer, vor allem in Gebäuden. Die kommerziell verfügbaren Geräte müssten deshalb, wenn sie in Flughäfen oder anderen Gebäuden zum Einsatz kämen, zur Kontrasterhöhung selbst Strahlung aussenden - ähnlich wie ein Blitzlicht oder ein Radarsystem.

Experten sprechen von aktiven Systemen. Der Nachteil: Die eingesetzte Strahlung gibt Gesundheitsbedenken Raum. Und weil das Blitzlicht anatomische Details oder auch künstliche Darmausgänge sichtbar macht, sehen Ethik-Experten die Menschenwürde in Gefahr.

Kommentare (1)

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JoSch

06.01.2010, 17:44 Uhr

Ein passiver bodyscanner ist nur geringfügig besser als die Geräte der ersten Generation. Es bleibt der Makel, dass externe "besonderheiten" wie intimschmuck, künstlicher Darmausgang oder ähnliches sichtbar gemacht werden. Sicherheit furch immer komplexere Technik ist ein irrweg. Die Terroristen stellen sich darauf ein und wir zahlen über noch mehr Steuern oder teurere Tickets für ein nutzloses System. Es wird so lange Terror geben, bis die Ursachen beseitigt sind. Ein Terrorist hat nicht viel zu verlieren. Das muss sich ändern.

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