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08.01.2015

10:40 Uhr

Sicherheitstechnik

Terrorabwehr durch Mobilfunk-Radar

Der Anschlag von Paris hat einmal mehr gezeigt, wie verletzlich unsere Metropolen für terroristische Angriffe sind. Deutsche Forscher haben eine Technik entwickelt, die Einfallstore für Terroristen schließen könnte.

Das System nutzt die von Objekten reflektierte Mobilfunkstrahlung zum Aufspüren verdächtiger Wasserfahrzeuge. Bild: FKIE

Das System nutzt die von Objekten reflektierte Mobilfunkstrahlung zum Aufspüren verdächtiger Wasserfahrzeuge.

Bild: FKIE

BerlinVerkehrsknotenpunkte wie Airports oder Häfen sind unverzichtbarer Bestandteil der Infrastruktur moderner Metropolen – doch sie sind auch potenzielle Einfallstore für terroristische Gewalttäter. Beim Blick auf die Sicherheitsmaßnahmen fällt eine Diskrepanz ins Auge: Während Flughäfen und Luftraum streng überwacht werden, ist das Sicherheitsnetz zur Terrorabwehr in Hafenstädten und Küstenregionen oft deutlich grobmaschiger.

So fehlt es vielerorts an Systemen, um kleine, schnelle Boote erkennen und überwachen zu können. In solchen Speedbooten, wie sie etwa auch von Piraten benutzt werden, könnten sich Terroristen den Küsten nähern, um Sprengstoff und Waffen an Land zu bringen oder ein zur Bombe umgebautes Boot in Hafenanlagen zu steuern.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FKIE) haben nun ein System entwickelt, um küstennahe Meeresgebiete auch ohne aufwendige Radaranlagen zu überwachen. „Passive Coherent Location“ (PCL) heißt das Verfahren, das die kontinuierlich ausgestrahlten Funksignale von Mobilfunksendemasten nutzt, um verdächtige Boote zu entdecken.

Die Funktionsweise ähnelt der von Radaranlagen. Beim klassischen Radar werden elektromagnetische Signale ausgesandt und das von Objekten zurückgestrahlte Echo aufgefangen. Die PCL-Antenne fängt die von Objekten reflektierte Mobilfunkstrahlung auf und nutzt dieses Echo zum Aufspüren verdächtiger Wasserfahrzeuge.

Allerdings ist das Verfahren deutlich komplexer als die klassische Radartechnik. Eine Radarantenne sendet eigene, genau definierte Signale in einem begrenzten Sektor aus, deren Echos sich leicht deuten lassen. Der neue Sensor hingegen nutzt Mobilfunksignale, die aus verschiedenen Richtungen von verschiedenen Basisstationen ausgesendet werden. Was beim Empfänger ankommt, ist zunächst nur ein chaotischer Mix verschiedener Echos, aus dem die unterschiedlichen Objekte dann mühsam herausgerechnet werden müssen.

„Ein Problem besteht darin, dass unser Sensorsystem zunächst die starken Signale der Mobilfunkstationen wahrnimmt“, erläutert Reda Zemmari, Projektleiter am FKIE. „Die von Booten auf dem Wasser zurückgestrahlten Echos sind sehr viel schwächer.“ Eine spezielle Software soll diese Schwächen ausgleichen. Sie ist unter anderem in der Lage, die starken, direkt von den Mobilfunkmasten eintreffenden Funksignale zu unterdrücken.

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