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13.02.2012

09:47 Uhr

Sigmund Jähn wird 75

Kult-Kosmonaut wider Willen

Er wurde von der SED zum Helden erklärt. Gemocht hat Sigmund Jähn diese Rolle nie. Jetzt wird der erste Deutsche im All 75 Jahre alt. Statt Aufbruch zu neuen Planeten empfiehlt er den Menschen, die Erde bewohnbar halten.

Die Kosmonauten Valeri Bykowski (l.) und Sigmund Jähn im Sommer 1978 vor ihrem Start ins All. In der DDR wurde Jähn mit seinem knapp achttägigen Raumflug zum Volkshelden. dpa

Die Kosmonauten Valeri Bykowski (l.) und Sigmund Jähn im Sommer 1978 vor ihrem Start ins All. In der DDR wurde Jähn mit seinem knapp achttägigen Raumflug zum Volkshelden.

BerlinSeine Anhänger empfangen Sigmund Jähn in Berlin bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte wie einen Popstar: Auch mehr als 30 Jahre nach seinem historischen Flug ist der Kosmonaut, der am 13. Februar 75 Jahre alt wird, in der ehemaligen DDR unvergessen. Vielen Westdeutschen sagt sein Name hingegen wenig.

Am 26. August 1978 war Jähn gemeinsam mit dem sowjetischen Kosmonauten Waleri Bykowski mit einer Rakete vom Typ Sojus 31 ins All gestartet. Die beiden umkreisten 125 Mal die Erde und führten an Bord zahlreiche wissenschaftliche Experimente durch. Am 3. September kehrten sie zur Erde zurück.

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Vor 30 Jahren startete der erste Deutsche ins All. Als Sigmund Jähn am 3. September 1978 zur Erde zurückkehrte, hatte er ein chronisches Rückenleiden - und die DDR eine Art Popstar.

Die SED feierte den ersten Raumflug eines Deutschen als Beweis für die Überlegenheit des Sozialismus und baute Jähn zu einer nationalen Identifikationsfigur auf. Sein Gesicht zierte eine Gedenkmünze, Briefmarken und Plakate. Das Fernsehen zeigte Sondersendungen. Doch trotz des Trubels um seine Person, der Oberstleutnant der Nationalen Volksarmee (NVA) betonte schon damals, er fühle sich nicht als Held.

Das Interesse an ihm ist besonders in den neuen Bundesländern bis heute ungebrochen: Vor einem öffentlichen Auftritt in Berlin-Köpenick im Januar standen seine Fans Schlange am ausverkauften Kino Union. Unterm Arm Jugendweihe-Geschenkbücher mit Jähns Foto und leicht vergilbte Ausgaben der Zeitung „Neues Deutschland“.

Er sei damals von der Landung „durchaus beeindruckt“ gewesen, sagte Jähn auf die Frage der Moderatorin nach seinen Gefühlen während des Fluges. Seine Raumkapsel überschlug sich mehrmals, und der Kosmonaut erlitt eine bleibende Verletzung an der Wirbelsäule - was die SED-Propaganda verschwieg.

Kommentare (2)

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Witzig

13.02.2012, 14:04 Uhr

Vor vielen Jahren passierte ich mal den Nord-/Ostsee-Kanal. Eines der Schiffe in der Nähe war das Schiff "Fliegerkosmonaut der DDR Siegmund Jähn".

Nun wollte die Kanal-Leitstelle diesem Schiff etwas übermitteln und rief: "Dat Schiff mit dem long´n Noam mal auf Kanal 77" - Lange Pause.

Dann meldet sich das Schiff: "Hier ist Fliegerkosmonatut der DDR Siegmund Jähn" - darauf ganz trocken von der Leitstelle: "Sach ich doch!"

Witzig

13.02.2012, 14:04 Uhr

Vor vielen Jahren passierte ich mal den Nord-/Ostsee-Kanal. Eines der Schiffe in der Nähe war das Schiff "Fliegerkosmonaut der DDR Siegmund Jähn".

Nun wollte die Kanal-Leitstelle diesem Schiff etwas übermitteln und rief: "Dat Schiff mit dem long´n Noam mal auf Kanal 77" - Lange Pause.

Dann meldet sich das Schiff: "Hier ist Fliegerkosmonatut der DDR Siegmund Jähn" - darauf ganz trocken von der Leitstelle: "Sach ich doch!"

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