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27.01.2010

14:00 Uhr

Ski-Go

Auf sensiblen Sohlen die Piste hinab

VonDietrich von Richthofen

Maximilian Müller hat einen digitalen Skitrainer entwickelt. Das System registriert Fahrfehler und gibt Tipps für den optimalen Kurvenschwung. Für die Neugründung tut sich ein vielversprechender Markt auf. Doch die etablierte Konkurrenz arbeitet schon an ähnlicher Technologie.

Auf die Technik kommt es an. Dabei soll der digitale Skitrainer von Moticon helfen. dpa

Auf die Technik kommt es an. Dabei soll der digitale Skitrainer von Moticon helfen.

BERLIN. Skilehrer sind sportlich, braun gebrannt und immer gut gelaunt - so will es das Klischee. Das Teil, das Maximilian Müller in den Händen hält, kann da nicht mithalten: ein Paar Einlegesohlen, ein orangefarbener Minicomputer, Kopfhörer. Dafür hat der digitale Skilehrer, den der Maschinenbauingenieur mit seiner Firma Moticon entwickelt hat, seinem menschlichen Pendant etwas voraus. Die Sohlen messen die Druckverteilung im Skischuh und funken die Daten an den kleinen Rechner. Eine Software wertet die Daten aus und gibt dem Schüler über Kopfhörer Rückmeldung zu seinen Fahrfehlern - und Tipps für die richtige Haltung. "Jeder Skifahrer, der seine Bewegungstechnik verbessern will, kann davon profitieren", sagt Müller.

Wertvolles Echtzeit-Feedback

Neu ist das zugrunde liegende Prinzip nicht. Im Profi-Skisport findet die Kraftmessung schon lange Anwendung, um den Fahrstil von Rennfahrern zu analysieren. Diese tragen Rucksäcke mit Elektronik auf dem Rücken, zusätzlich werden sie gefilmt, um die gesammelten Daten mit einer Videoanalyse zu kombinieren. "Wir wollen dieses Prinzip jetzt auch für den Breitensport zugänglich machen", sagt Müller. Dabei solle die Technik keinesfalls den Trainer ersetzen. "Es geht darum, den Skilehrer beim Unterricht zu unterstützen."

Einige Ausbilder haben das Ski-Go getaufte System schon ausprobiert - und die Resonanz sei jedes Mal positiv gewesen, sagt Müller. Ein Tester ist Michael Brunner, Inhaber der Skischule Garmisch-Patenkirchen und beim Deutschen Skilehrerverband für Ausbildungsfragen zuständig. Er findet besonders das Echtzeit-Feedback wertvoll: "Das kann helfen, den Skischüler für seine Sohle und die eigene Balance auf dem Ski zu sensibilisieren." Eine Konkurrenz sei das System nicht. "Ich glaube eher, dass Skischulen den Unterricht damit attraktiver gestalten und sich so einen Wettbewerbsvorteil sichern können", sagt Brunner.

Auf die Unterstützung der Experten ist Moticon angewiesen. Die Vertriebsstrategie beschränkt sich vorerst darauf, die Geräte an Skischulen zu verkaufen. Sie sollen Ski-Go im Unterricht einsetzen oder verleihen. Der Grund: Für den Verkauf an den Endkunden ist das System zu teuer in der Herstellung - dabei liege der Preis schon "deutlich unter tausend Euro", sagt Müller.

Vertrieb über die Skischulen

Doch auch so tut sich ein viel versprechender Markt auf: Alleine in Deutschland gibt es rund 260 Skischulen, in ganz Europa etwa 1200. Darüber hinaus birgt die Technik weiteres Potenzial: Im medizinischen Bereich könnten die sensiblen Sohlen etwa zur Gangschulung zum Einsatz kommen, im Golfsport könnten sie helfen, den Abschlag zu optimieren. "Wir haben noch einiges vor", sagt Müller.

Der 31-Jährige ist rund zwei Meter groß, ein sehniger, schlaksiger Typ. "Ich wollte immer Unternehmer werden", sagt der Münchener, der damit dem Vater nachstrebt. Er sei "arbeitgeberfreundlich aufgewachsen." Was er zudem mitbringt: ein Talent für das Handwerkliche. Mit zwölf Jahren schweißt Müller in der elterlichen Garage sein eigenes Liegerad zusammen. Im Studium baut er ein Klapprad für große Menschen - die herkömmlichen Geräte sind zu klein für ihn.

Zweimal hat er bei "Jugend forscht" abgesahnt, für sein Klapprad erhielt er 2005 auf der Münchener Sportmesse Ispo einen Preis. Nun produziert es ein Fahrradhersteller in Kleinserie. Trotzdem: "Um wirklich ein eigenes Unternehmen zu gründen, dazu fehlte mir lange das Fleisch", sagt Müller.

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