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18.10.2011

14:48 Uhr

Sojus-Rakete

Geheimwaffe gegen die Billigflieger im All

Erstmals wird eine russische Sojus ST-B-Rakete vom europäischen Raumfahrtbahnhof Kourou starten. Der Raketen-Veteran soll Europas Position gegen Billiganbieter beim Satellitentransport stärken.

Die Computer-Illustration nimmt den Sojus-Start vorweg. Am Donnerstag soll erstmals eine russische Rakete vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou starten. dpa

Die Computer-Illustration nimmt den Sojus-Start vorweg. Am Donnerstag soll erstmals eine russische Rakete vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou starten.

DüsseldorfWas lange Zeit für den VW-Käfer am Boden galt, gilt im All noch immer für das bewährteste Astronauten-Taxi aller Zeiten: es fliegt und fliegt. Die über die Jahre kontinuierlich verbesserte Sojus-Rakete ist seit Jahrzehnten beim Fernverkehr ins All einer der zuverlässigsten Transporter. Eine Einschätzung, an der auch der Verlust einer unbemannten Sojus im vergangenen August nichts geändert hat.

Erstmals soll der russische Raketen-Veteran nun am Donnerstag vom europäischen Raumfahrtbahnhof in Kourou (Französisch-Guyana) starten. An Bord die beiden ersten europäischen Galileo-Satelliten.

Mit der Sojus als Ergänzung zur Ariane will Europa der aufkommenden Billigkonkurrenz beim Satellitentransport aus den Schwellenländern und dem Privatsektor trotzen. Sie macht Europas Paradepferd beim Ritt ins All, der Ariane, mittlerweile zunehmend den Rang streitig.

Denn ein halbes Jahrhundert nach dem ersten Ausflug des Menschen ins All hat sich die Welt der Raumfahrt drastisch geändert. Neben Chinesen oder Indern versucht zunehmend, auch eine neue Generation von privaten Unternehmen immer selbstbewusster in den Markt zu drängen. Über knallharte Billigangebote wollen sie den europäischen Marktführer Arianespace aus dem Raumfahrtgeschäft hebeln.

Die erprobte, konventionelle Sojus-Raketentechnik aus Russland soll nun die Konkurrenz im Zaum halten und die Ariane im mittleren Nutzlastsegment ergänzen. Insgesamt 14 Sojus-Raketen hat Arianespace beim Sojus-Hersteller in Samara zunächst geordert - alle sind nach Unternehmensangaben ausgebucht. Die Sojus-Starts von Kourous neuer ELS-Rampe werden die Nutzlast der russischen Rakete auch ohne große technische Veränderungen deutlich steigern.

Denn die Äquatornähe bietet gegenüber dem in Kasachstan gelegenen russischen Startplatz Baikonur einen bedeutenden Vorteil: Sie ermöglicht kürzere Distanzen, um die Satelliten in ihrem geostationärem Orbit abzusetzen. Das jedoch bedeutet weniger Treibstoff und damit mehr Nutzgewicht, das gegen Geld in den Orbit transportiert werden kann. Zudem sind die Versicherungsprämien für derart erprobte Raketen deutlich geringer.

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