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11.10.2016

11:46 Uhr

Sonde ExoMars vor dem Ziel

Sechs Minuten des Schreckens

Gibt oder gab es Leben auf dem Mars? Die Raumfahrtagenturen Esa und Roskosmos suchen nach Antworten und wollen dafür eine gemeinsame Sonde auf dem Roten Planeten landen lassen. Ein ebenso heikles wie teures Manöver.

März 2016: Start der Mission ExoMars vom Weltraumbahnhof Baikonur. AP

Start zum Mars

März 2016: Start der Mission ExoMars vom Weltraumbahnhof Baikonur.

MoskauDie Spannung steigt mit jedem Kilometer, die sich die europäisch-russische Sonde dem Mars nähert. Erstmals wollen die Europäische Raumfahrtagentur Esa und ihr russischer Partner Roskosmos gemeinsam ein Testmodul auf dem Roten Planeten landen lassen.

Mit dem Milliardenprojekt ExoMars suchen sie nach Spuren von Leben auf dem Nachbarplaneten der Erde. Nach rund 500 Millionen Kilometern und sieben Monaten Flugzeit rückt für das Landemodul „Schiaparelli“ der entscheidende Tag am 19. Oktober näher.

Missionen zum Mars

Planet Mars

Der Mars gehört zu den am besten erforschten Himmelskörpern unseres Sonnensystems. Seit 1960 haben vor allem die USA und Russland mehr als 40 Missionen zum Roten Planeten auf den Weg gebracht.

Mariner 4

Der US-Sonde gelingt 1965 der erste Vorbeiflug in rund 10.000 Kilometern Entfernung. Sie schickt Fotos vom Mars zur Erde.

Viking 1 und 2

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa startet 1975 zwei Raketen mit je einem Satelliten und einem Landemodul. „Viking 1“ und „Viking 2“ suchen in verschiedenen Mars-Regionen nach Mikroorganismen am Boden, finden aber nichts. Die Geräte sind jahrelang im Einsatz.

Pathfinder

Die Nasa-Sonde „Pathfinder“ setzt nach der Landung 1997 den Rover „Sojourner“ auf der Mars-Oberfläche aus. Es ist der erste geglückte Einsatz eines Rovers auf dem Nachbarplaneten der Erde.

Opportunity

Daten des Nasa-Rovers „Opportunity“ deuten an, dass einst auf der Mars-Oberfläche Wasser geflossen sein könnte. Der Rover ist seit 2004 in der Tiefebene Meridiani Planum im Einsatz, wo im Oktober auch das ExoMars-Testmodul „Schiaparelli“ landen soll.

Curiosity

Der US-Rover ist mit fast 900 Kilogramm und 3 mal 2,8 Metern der größte mobile Forschungsroboter, der bislang auf den Roten Planeten geschickt wurde. Er ist seit 2012 aktiv.

„Alles muss mit Millisekunden-genauer Präzision funktionieren“, sagt der Esa-Experte Jorge Vago. „Und unsere Einflussmöglichkeiten sind gleich null.“ Die Daten der Sonde brauchen rund zehn Minuten, um vom Mars zur Erde zu gelangen. Wenn Informationen über Probleme im Kontrollzentrum eintreffen, kann „Schiaparelli“ längst als Weltraumschrott im rötlichen Marssand liegen.

„Deswegen sprechen die Amerikaner bei diesen Manövern von den sieben Minuten des Schreckens“, erklärt Vago. „In unserem Fall sind es sechs Minuten“ – die Landesequenz sei auf sechs Minuten programmiert. Der Ingenieur aus Argentinien ist aber zuversichtlich: „Unsere Simulationen geben uns eine Erfolgschance von fast 98 Prozent.“

Für die Experten bei Esa und Roskosmos hängt viel vom Erfolg der Landung ab. Es wäre nicht nur die erste gemeinsame Marslandung in der Geschichte beider Raumfahrtagenturen. Auch finanziell wäre ein Erfolg hilfreich. Das Projekt, für das die Esa 1,3 Milliarden Euro ausgegeben hat und an dem sich Roskosmos mit etwa einer Milliarde Euro beteiligt, ist noch nicht ganz gesichert: Zunächst für 2018 geplant, wurde die zweite Phase von ExoMars mit einem Rover auf 2020 verschoben.

Die entstehenden Kosten muss die Esa von ihren Mitgliedstaaten bewilligen lassen. „Es geht um rund 300 Millionen Euro“, sagt Vago.

Auch für den russischen Partner Roskosmos sind die Finanzen ein heikles Thema. Wegen einer schweren Rezession hatte die Regierung in Moskau im Frühjahr das Raumfahrtbudget um rund 30 Prozent gekürzt. ExoMars gilt aber als wichtiges Prestige-Projekt für Russland. 

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