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07.08.2014

08:08 Uhr

Sozialexperiment

Roboter trampt durch Kanada

Forscher untersuchen das Verhältnis von Mensch und Maschine. Ihr Roboter reist per Anhalter und entwickelt sich gerade zu Kanadas beliebtestem Beifahrer. Lange muss hitchBot nie auf eine Mitfahrgelegenheit warten.

www.hitchbot.me: Im Internet können interessierte die Route von hitchBot nachverfolgen. Mal schauen, wie weit ihn sein gelber Gummi-Daumen bringt. Reuters

www.hitchbot.me: Im Internet können interessierte die Route von hitchBot nachverfolgen. Mal schauen, wie weit ihn sein gelber Gummi-Daumen bringt.

Der derzeit wohl beliebteste Beifahrer in Kanada ist ein Roboter. Er heißt hitchBot und ist aus Schwimmnudeln, einer Tortenhaube, einem Eimer und Gummistiefeln gebastelt. Sein Ziel: 6000 Kilometer einmal quer durchs Land trampen. Ende Juli setzten seine Erfinder, zwei Wissenschaftler, das Robotermännchen in Halifax an der Atlantikküste am Straßenrand aus. Der nach oben gereckte Daumen seiner rechten Gummihandschuh-Hand signalisierte: „Nehmt mich mit!“

„Normalerweise beschäftigen wir uns damit, ob wir Robotern trauen können“, sagt Frauke Zeller. Die Deutsche arbeitet an der Ryerson University in Toronto und hat hitchBot mit entwickelt. Hollywood-Filme wie „Terminator“ oder „Matrix“ zeigten Maschinen oft als Feinde der Menschen. Bei hitchBot sei das ganz anders. „Dieses Projekt stellt unsere Angst vor der Technologie auf den Kopf und fragt 'Können Roboter Menschen trauen?'“, sagt die Forscherin. Nach den ersten Tagen auf Reisen kann hitchBot diese Frage ganz klar mit Ja beantworten. Als erste nahmen ältere Eheleute den Roboter in ihrem Wohnmobil mit. Nach einer Nacht in der kanadischen Wildnis übergab das Paar seinen Schützling an drei junge Männer aus Québec.

Seither musste hitchBot nie lange auf eine Mitfahrgelegenheit warten. Das liegt zum einen an seiner enormen Bekanntheit. Zehntausende verfolgen die Reise des Robotermännchens mittlerweile auf Twitter oder auf seiner Website www.hitchBot.me. Zum anderen ist hitchBot ein charmantes Kerlchen. LED-Lichter zeigen unter dem Tortenhaubenhelm ein breites Grinsen und dank des eingebauten Computers kann hitchBot seine Mitfahrer mit Smalltalk unterhalten. Ist sein Akku leer, bittet er darum, an den Zigarettenanzünder angeschlossen zu werden.

Obwohl er aussieht, als hätten Kinder ihn gebastelt, tüftelten die Forscher lange am Aufbau von hitchBot. „Er musste robust aber gleichzeitig ansprechend sein“, sagt Zeller. „Die Leute sollten denken 'Ja, ich muss anhalten und diesem Roboter helfen'.“ Dafür durfte hitchBot nicht zu schwer sein, damit er in seinem Kindersitz ins Auto getragen werden kann. Aber auch nicht zu leicht, sonst könnte ein Windstoß ihn wegblasen.

Bisher scheint der Roboter den Trip per Anhalter unbeschadet überstanden zu haben, wie die vielen Reisebilder im Internet beweisen. Und auch die Wissenschaftler sind zufrieden mit dem Experiment. „Jeder will ihn unterstützen“, sagt Zeller. „Das ist ein interessantes Phänomen: Die Menschen entwickeln eine Beziehung zu dem Roboter, selbst jene, die hitchBot nie begegnen, sondern ihm nur in den sozialen Medien folgen.“

Wenn hitchBot an der kanadischen Westküste angekommen ist, will das Wissenschaftlerteam alle Kommentare auf Twitter und Facebook auswerten und so Rückschlüsse auf das Verhältnis Mensch-Maschine ziehen. Der kleine Roboter jedenfalls wird überaus menschlich behandelt. „Wo bist du jetzt, hitchBot? Wir würden dich gern ein Stück mitnehmen“, twitterte beispielsweise Susan Dennie aus Ontario. Von so viel Anteilnahme können Menschen, die per Anhalter unterwegs sind, nur träumen.

Von

afp

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