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01.04.2016

06:34 Uhr

Spaceport America wartet auf Touristen

Von der Wüste ins All

Von New Mexico aus soll bald jeder ins All fliegen können. Aber trotz Millionen-Investitionen hebt das Abenteuer Weltraum nicht richtig ab. Der erste kommerzielle Spaceport muss sich andere Einnahmequellen suchen.

Der Spaceport America, in der Nähe von Truth or Consequences, New Mexico (USA). Von hier aus soll bald jeder ins All fliegen können. dpa

Spaceport America

Der Spaceport America, in der Nähe von Truth or Consequences, New Mexico (USA). Von hier aus soll bald jeder ins All fliegen können.

White SandsFast scheint es leichter, in den Weltraum selbst zu kommen, als zum „Spaceport America“. Das ist nach Betreiberangaben der erste nur für diesen Zweck erbaute kommerzielle Weltraumbahnhof der Welt. Das futuristische Gebäude von Star-Architekt Norman Foster, von dem aus irgendwann Touristen ins All starten sollen, liegt mitten in der Wüste des US-Bundesstaats New Mexico. Errichtet auf trockener brauner Erde, zwischen endlos scheinenden Stromtrassen und Rinderweiden, die sich bis zu den San Andres Bergen am Horizont ziehen.

Aber was aussieht wie das Ende der Welt, sei in Wahrheit ein „geografisches Sahnehäubchen“, schwärmt Reiseleiter Mark Bleth. „Der Weltraumbahnhof liegt auf etwa 1400 Meter Höhe, die Bevölkerungsdichte ist extrem gering, wir haben hier 300 Sonnentage im Jahr und liegen am Rand der Raketenbasis White Sands, der einzigen permanenten Flugverbotszone der ganzen USA neben dem Weißen Haus“, ergänzt er. „Starts sind also so gut wie immer möglich und das macht die Wüste hier zu einem perfekten Ort für den Weltraumbahnhof.“

Mit seiner Firma bietet Bleth Bustouren zum „Spaceport America“ an. Los geht es im Städtchen Truth or Consequences, der nächstgelegenen Menschenansiedlung, rund 40 Kilometer und fast eine Stunde Fahrzeit über kurvige Straßen entfernt.

In der Entwicklung der Erde sei das hier ursprünglich alles Meeresboden gewesen, dann kamen die Dinosaurier, erklärt Bleth, während der Bus durch spärlich bewachsene Hügel kurvt. Tumbleweed, das sind rundliche Pflanzenknäuel, die man aus Wild-West-Filmen kennt, taumeln über die Straßen. Hin und wieder queren kleine Vögelchen rasant die Fahrbahn. Autos kommen keine entgegen.

„Jornada del Muerto“, auf Deutsch etwa der Weg des Todes, nannten einst die spanischen Eroberer diese unwirtliche Gegend, die ihnen im 16. und 17. Jahrhundert bei ihrem Vorstoß extreme Mühen bereitete. 1945 testete die US-Regierung hier erstmals eine Atombombe.

dpa

Spaceport America

Der Bus fährt durch Engle, wo einst Arbeiter wohnten, die einen nahe gelegenen Damm bauten. Heute ist Engle eine Geisterstadt, das alte Schulhaus dient als südlicher Zugang der Ranch des US-Medienmoguls Ted Turner. „Der Legende nach kam Turner eines Tages auf einem weißen Pferd angeritten und hat den Besitzern weit mehr Geld geboten, als sie eigentlich verlangt hatten.“

Bald wird die geteerte Straße zu einem Staubpfad. Der Bus biegt ab und am Horizont erscheint auf einmal das Ziel: Wie eine flache Krabbe liegt der „Spaceport America“ in der Wüste. Das Hauptgebäude tarnt sich erdfarben. „Willkommen zum nächsten großen Schritt für die Menschheit“, sagt Bleth.

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