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09.04.2016

05:09 Uhr

SpaceX schafft Durchbruch

Rakete wieder sicher auf der Erde gelandet

Es hat geklappt. Die Rakete hat ihre Fracht abgesetzt, und ihre ausgebrannte erste Stufe ist weitgehend unversehrt auf die Erde zurückgekehrt. Das ist ein Durchbruch in der kommerziellen Raumfahrt.

hat erfolgreich seine Fracht bei der Raumstation ISS abgesetzt und schaffte erstmals auch die unversehrte Landung auf der Erde. AP

Die Falcon 9 von SpaceX

hat erfolgreich seine Fracht bei der Raumstation ISS abgesetzt und schaffte erstmals auch die unversehrte Landung auf der Erde.

Cape CanaveralRund zehn Monate nachdem eine Explosion den „Dragon“ auf dem Weg zur Internationalen Raumstation zerstört hatte ist erneut ein Raumfrachter der Firma SpaceX zur ISS gestartet. Die „Dragon“-Kapsel habe an der Spitze einer Falcon 9-Rakete erfolgreich vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida abgehoben, teilten die US-Raumfahrtbehörde Nasa und SpaceX am Freitag mit.

Erstmals klappte zudem die sichere Landung der ersten Raketenstufe auf einem unbemannten Boot im Atlantik. Dieses Manöver war zuvor bei mehreren Versuchen missglückt. Der „Dragon“ hat rund 1400 Kilogramm Versorgungsnachschub und wissenschaftliche Experimente an Bord und soll am Sonntag an der ISS ankommen.

Doch vor allem die geglückte Landung der ersten Trägerstufe ist in diesem Fall das besondere Ereignis und könnte zum Wendepunkt der kommerziellen Raumfahrt werden. Nicht zuletzt die klammen Budgets von Raumfahrtnationen wie den USA und Russland treiben die Kommerzialisierung der Raumfahrt voran. Weltweit dürften die staatlichen Raumfahrt-Investitionen in den kommenden Jahren im Schnitt zwar um gut zwei Prozent wachsen und im Jahr 2024 gut 81 Milliarden US-Dollar erreichen, schätzt Steve Bochinger vom Branchendienst Euroconsult. Allzu große Sprünge dürften damit aber nicht drin sein – es sei denn, man findet günstige und trotzdem zuverlässige Anbieter.

Gleich drei Privatunternehmen liefern sich ein Rennen um die Versorgungsflüge zur ISS: SpaceX, Orbital ATK und Sierra Nevada. Dem Gewinner winkt ein 3,5 Milliarden Dollar schwerer Sieben-Jahres-Vertrag der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Doch die Flüge zur ISS standen zuletzt unter keinem guten Stern.

Im Oktober 2014 explodierte Orbitals „Cygnus“-Frachter beim Start. Ende April 2015 verglühte ein russischer „Progress“-Transporter in der Atmosphäre.

Die Firmen von Elon Musk

Zip 2

Als das Internet massentauglich wurde, gründeten Elon Musk und sein Bruder Kimbal die Firma Zip 2, ein durchsuchbares Firmenverzeichnis – damals eine Innovation. Große Zeitungsverlage schlossen mit dem Start-up Verträge ab. 1999 übernahm der Computerhersteller Compaq die Firma für gut 300 Millionen Dollar, Musk erhielt 22 Millionen Dollar.

X.Com

Musk dachte schon länger darüber nach, wie man mit einer Online-Bank die Finanzbranche umkrempeln könnte. Er engagierte die besten Programmierer und gründete 1999 mit dem Großteil des Verkaufserlöses von Zip2 X.Com. Die Firma experimentierte mit radikalen Konzepten und ermöglichte etwa den Versand von Geld per E-Mail.

Paypal

Auch andere entwickelten ein Bezahlsystem fürs Internet – etwa das Start-up Confinity mit seinem Dienst Paypal. Erst konkurrierten X.com und Confinity, dann schlossen sie sich zusammen. Eine große Finanzierungsrunde ermöglichte weiteres Wachstum, 2002 übernahm Ebay den Dienst für 5,1 Milliarden Dollar. Musk erhielt davon 165 Millionen Dollar.

Space X

Mit dem Geld konnte Musk seine Faszination für den Weltraum ausleben. Die erträumte Marsmission war zunächst unrealistisch, der Unternehmer ließ sich aber 2002 davon überzeugen, eine günstige Rakete zu entwickeln. Heute bietet Space X tatsächlich Raumflüge zu deutlich günstigeren Konditionen an als etwa Boeing oder Lockheed Martin.

Tesla Motors

Das bekannteste Musk-Projekt ist Tesla, auch wenn andere die Firma gründeten und der Macher erst 2004 mit seinem Geld dazu stieß. Zunächst nahm in der Autobranche niemand die Idee eines reinen Elektrofahrzeuges ernst, dank der Ingenieursleistung von Tesla ist das jetzt anders. Bei allem Erfindergeist ist die börsennotierte Firma immer noch nicht profitabel.

Solar City

Weil Solarzellen teuer waren, gründeten Lyndon und Peter Rive 2006 die Firma Solar City. Sie produzierte selbst keine Module, sondern finanzierte die Anlage vorab, so dass die Kunden sie nicht auf einen Schlag bezahlen mussten. Ihr Cousin Elon Musk stieg als Investor ein und war größter Anteilseigner. Die Firma gehört zu den größten Anbietern von Solarzellen in den USA. Im November 2016 stimmten die Aktionäre Musks Plan zu, Solar City durch den Autobauer Tesla übernehmen zu lassen.

Hyperloop

Als Musk vom Eisenbahnsystem enttäuscht war, ersann er eine Alternative: Transportkapseln sollen durch Druckluftröhren schießen und so auch lange Strecken in kurzer Zeit bewältigen. Mehrere hochrangige Ingenieure von Space X und Tesla erarbeiteten ein Konzept. Derzeit ist eine Verbindung zwischen Los Angeles und Las Vegas geplant. Kosten: mehr als 8 Milliarden Dollar.

Im Juni zerbrach ein „Dragon“-Frachter von SpaceX auf dem Weg zur ISS, als die Trägerrakete explodierte. Anfang Dezember hob ein „Cygnus“-Frachter dann einwandfrei ab.

Alle Flüge bisher eint aber eines: Erfolgreich oder nicht: Am Ende verglühen die teuren Raketen in der Atmosphäre, oder die Dragon-Stufen zerbarsten bei der Landung. Für die nächste Mission musste eine neue Rakete gebraucht. Das wäre so, als ob man nach jedem Transatlantikflug den Jumbojet verschrottet und einen neuen für den Rückflug baut. Die Tickets für diese Flüge wären für Normalverdiener praktisch unbezahlbar.

Elon Musk, Gründer von SpaceX, will das ändern. Er hofft die Kosten für einen Transportflug ins All weit mehr als halbieren zu können, wenn wichtige Teile mehrfach versendet werden können. Das Prinzip ist bekannt von den Space-Shuttle der Nasa, die ebenfalls zum Teil wiederverwendbar waren. Allerdings gingen bei den Shuttles die Raketenstufen ebenfalls komplett verloren.

Die nächste Herausforderung für Musk ist deshalb nun, die gebrauchte Dragon-Stufe zu überholen und wieder erfolgreich einzusetzen. Dann hat der Gründer der Tesla-Automobilwerke die Chance in die Königsklasse aufzusteigen. Wenn die Nasa im nächsten Schritt die ISS-Flüge für Astronauten vergibt, sehen sich der bisherige Raumfahrt-Weltmarktführer Lockheed Martin und sein Partner Boeing dem aufstrebenden Rivalen SpaceX gegenüber. Und das vielleicht zu Preisen, bei denen es den Lockheed-Managern einfach die Sprache verschlägt.

Von

dpa

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