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14.12.2011

21:29 Uhr

Spitzenforschung

Deutscher Zukunftspreis geht nach Dresden

Eine Milchtüte, die vor Ablauf ihres Haltbarkeitsdatums rot aufleuchtet? Unmöglich ist das nicht, wenn sich die Ideen von Dresdener Forschern durchsetzen. Zur Ermutigung erhielten sie den Deutschen Zukunftspreis.

Bundespräsident Christian Wulff (r) verleiht den Deutschen Zukunftspreis an die Wissenschaftler Karl Leo, Martin Pfeiffer und Jan Blochwitz-Nimoth (v.l.). dpa

Bundespräsident Christian Wulff (r) verleiht den Deutschen Zukunftspreis an die Wissenschaftler Karl Leo, Martin Pfeiffer und Jan Blochwitz-Nimoth (v.l.).

BerlinSagt er etwas zu seinem Privatkredit oder sagt er nichts? Selten stand ein Bundespräsident bei der Verleihung des Deutschen Zukunftspreises so unter politischer Beobachtung wie Christian Wulff am Mittwochabend in Berlin. Es ging um Spitzenforschung und um 250 000 Euro Preisgeld - und gleichzeitig forderten Oppositionspolitiker wie Renate Künast (Grüne) eine Entschuldigung von Wulff. Die Wissenschaft hat unter diesem Erwartungsdruck klar gesiegt.

Wulff äußerte sich nicht zu seinem Kredit. Wirklich gerechnet hatte damit ohnehin niemand. Er drückte sich aber auch nicht um den anschließenden Empfang - verschwand nach einer halben Stunde dann aber doch recht früh.

Den siegreichen Wissenschaftlern aus Dresden hat das alles nicht die Laune verdorben. „Wir freuen uns“, sagt Teamsprecher Karl Leo. „Das war eine Überraschung bei der Konkurrenz. Wir wollten vorher den Ball flach halten, weil wir nicht wussten, ob wir es schaffen.“ In diesem Jahr musste sich die Jury zwischen drei Forschungsteams entscheiden. Zwei kamen aus dem klassischen Tüftlerland Baden-Württemberg und boten Fahrerassistenzsysteme für Autos und effektivere
Solarzellen aus Galliumarsenid.

Gesiegt hat mit den Sachsen aber schließlich der Osten - als leuchtendes Vorbild bei der speziellen Weiterentwicklung organischer Halbleiter. Die haben nichts mit klassischem „Bio“ zu tun. Dem Team aus der Technischen Universität Dresden, dem Fraunhofer-Institut und den ausgegründeten Firmen Dresdner Novaled AG und Heliatek GmbH geht es um Kohlenwasserstoff-Verbindungen. Sie können bei der Stromgewinnung biegsame Alternativen zu sperrigen klassischen Solarzellen sein. Die Forscher nutzen ihre Kunststoff-Elektronik bereits für Handy-Displays. Intelligente Kleidung, die leuchten kann, sei ebenfalls möglich. „Es könnte bald Taschen geben, in denen man sein Mobiltelefon auflädt“, erläuterte Leo.

Auch großflächige Leuchten, die sich wie eine zweite Haut hauchdünn auf Wänden, Möbeln, Fenster- oder Fassadenflächen aufbringen lassen, halten die Forscher für realistisch. Es sei kostengünstiger und praktischer - und auch an der Haltbarkeit werde gearbeitet - mehr als 10 Jahre sollen möglich sein.

Doch bis sich die Sachsen als Sieger fühlen konnten, mussten sie eine Dreiviertelstunde zittern. So lange dauerte die Verleihungszeremonie, bei der Bundespräsident Wulff beim Betreten der Bühne zunächst ernst und angespannt wirkte. Doch er machte alle spielerischen Versuche mit, die der Kür der Sieger vorausging. Und er lobte den Erfindungsreichtum der Wissenschaftler. Sie trügen dazu bei, das Leben der Menschen zu verbessern.

Der Zukunftspreis ist eine Institution. Es geht bereits zum 15. Mal um die besten marktreifen Ideen aus den Technik-, Ingenieur- und Naturwissenschaften in Deutschland. Wer die Auszeichnung bekommt, darf sich der Aufmerksamkeit der Branche gewiss sein. Der Preis ist auch ein Prädikatssiegel für weitere Entwicklung und Vermarktung.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Wutbuerger

14.12.2011, 23:17 Uhr

Schön daß es in der BRD noch Gegenden gibt in denen Innovation gelebt wird. Eine Milchtüte, die rot leuchtet (Nordost), ist tausendmal besser als Steinzeitmenschen (Südwest), die gut funtionierende Atomkraftwerke abschalten und auf dem Rücken unserer SteuerzahlerInnen nach Afrika verkaufen wollen.

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