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07.09.2014

08:25 Uhr

Sportmediziner Alois Teuber

„Kein Sport, das ist Mord!“

VonJessica Schwarzer

Bänderriss, Zerrung, Stauchung – die Liste der Sportverletzungen ist lang. Vor allem Amateure sind gefährdet, weiß Sportmediziner Teuber: Sie trainieren oft falsch. Trotzdem gilt der bekannte Spruch von Churchill nicht.

Bayern-München-Star Arjen Robben: Schmerzen nach einem Foul - den Fußballprofi verfolgt das Verletzungspech. dpa

Bayern-München-Star Arjen Robben: Schmerzen nach einem Foul - den Fußballprofi verfolgt das Verletzungspech.

Sport nimmt in seinem Leben einen großen Platz ein – und in seiner Praxis in Meerbusch bei Düsseldorf. Die Klitschkos, die Eishockeyspieler der Düsseldorfer EG und andere Spitzensportler grüßen von den Wänden in seinem Büro. Alois Teuber ist ein international renommierter Sportmediziner und beriet unter anderem die Volksrepublik China bei den Olympischen Spielen 2008. Er war selbst im Amateurboxsport aktiv und spielt heute leidenschaftlich Tennis, fährt Ski, spielt Golf und macht Fitnesstraining. Mit Sportverletzungen kennt er sich bestens aus, besonders die Prophylaxe liegt ihm am Herzen.

Ist Sport Mord?
Das hat Winston Churchill einst gesagt, und er ist auch der einzige auf dieser Welt, der das gesagt hat. Er hat es nur leider so verkauft, dass viele es geglaubt haben. Nur ist das natürlich absolut falsch. Genau das Gegenteil ist richtig: Sport ist Leben, Sport ist Gesundheit.

Sportmediziner Alois Teuber

Sportmediziner Alois Teuber

Ganz ungefährlich ist Sport aber auch nicht. Wie krank sind Sportler?
Wir müssen natürlich zwischen Leistungssportlern und normalen Sportlern unterscheiden. Der normale Mensch braucht den Sport als Ausgleich für stundenlanges Sitzen im Büro. Sport hilft uns außerdem sehr gut, unsere Psyche unter Kontrolle zu halten. Der Leistungssportler hat in der Regel ganz andere Ambitionen, er will damit seinen Lebensunterhalt verdienen. Natürlich verletzen sich Profis ab und zu.

Vor allem Fußballer scheint es oft zu treffen. Es gibt sogar eine Webseite: Ist Arjen Robben verletzt oder nicht? Ist Fußball so gefährlich?
(lacht) Nein, das würde ich nie so formulieren. Das wäre ja dramatisch. Schließlich ist Fußball die beliebteste Sportart überhaupt. Wenn sich da über kurz oder lang jeder verletzen würde, würde ja niemand Fußball spielen. Fußball ist nicht gefährlich, das ist eine subjektive Wahrnehmung. Fußball ist eine extrem beliebte Sportart, darüber wird natürlich auch viel berichtet – und natürlich auch über die Verletzungen der Spitzensportler.

Gibt es spezielle Verletzungen je nach Sportart?
Jede Sportart hat ihr eigenes Verletzungsprofil. Bei Fußballspielern trifft es vornehmlich die Knie, aber auch die Sprunggelenke. Bei Eishockeyspielern sind es Sprunggelenke und Schultergelenke, manchmal ist es auch der Schädel, Tennisspieler haben wieder andere Probleme …

Statistische Zahlen zu Sportunfällen

Radsport

In Deutschland kommt es pro Jahr zu etwa 500.000 Verkehrsunfällen mit Personenschaden. Demgegenüber stehen jährlich etwa 1,5 Millionen Sportunfälle. Ein Prozent werden beim Radsport gemeldet.

Leichtathletik

Knapp dahinter rangiert die Leichtathletik mit 1,4 Prozent.

Badminton

1,5 Prozent der Unfälle passieren beim Badminton.

Tennis

1,6 Prozent der Sportunfälle geschehen auf dem Tennisplatz.

Reiten

1,9 Prozent aller Unfälle werden beim Reiten gezählt.

Judo

2,2 Prozent verletzten sich beim Judo.

Turnen

In 3,1 Prozent der registrierten Fälle ist ein Turner oder eine Turnerin betroffen.

Basketball

3,6 Prozent der Sportunfälle werden beim Basketball registriert.

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6,6 Prozent der Unfälle werden beim Volleyball registriert.

Gymnastik

Bei den gymnastischen Sportarten werden 4,2 Prozent der Sportunfälle gezählt.

Handball

15,6 Prozent der Sportunfälle passieren beim Handball.

Fußball

Der Fußball führt - nach der absoluten Zahl der Verletzungen gesehen - mit 45,6 Prozent die Statistik an. Diese Spitzenposition ergibt sich jedoch nicht, weil er im Verhältnis zu anderen vergleichbaren Sportarten besonders risikoreich ist, sondern weil er die in Deutschland am häufigsten betriebene Sportart darstellt.

Quelle: ARAG Auswertungsstelle für Sportunfälle

… und alle Golfer haben Rücken? Tiger Woods hat beispielsweise die Teilnahme am Ryder Cup deswegen abgesagt.
Natürlich haben nicht alle Golfer Rückenbeschwerden. Bei Profis kann es aber zu Überbelastungen kommen. Überlegen Sie doch einmal, welche Position Sie beim Golfspielen einnehmen. Es ist eine den Rücken belastende Sportart. Zu jeder Sportart gehört die entsprechende Ausrüstung und damit meine ich nicht nur das schicke Outfit, sondern auch den entsprechend geschulten Muskelapparat. Wenn Sportler da Defizite haben, kann es zu Problemen kommen und bei Golfern ist es häufig der Rücken. Wer seinen Muskelapparat darauf nicht vorbereitet, entsprechend trainiert und schult, wird Probleme bekommen.

Aber Tiger Woods trainiert doch sicher den ganzen Tag entsprechend.
Wenn wir bei diesem Beispiel bleiben: Wer jahrzehntelang Golf spielt, hat natürlich auch mal Überlastungserscheinungen. Das ist ganz normal. Aber nicht alle Golfer haben grundsätzlich einen kaputten Rücken.

Kommentare (2)

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Herr Walter Dr. Zägelein

08.09.2014, 10:59 Uhr

Zu den Aussagen von Herrn Dr Teuber möchte ich einige Anmerkungen machen:
1. Winston Churchill hat den Spruch "Sport ist Mord" nie gesagt. Wenn, dann nur im Scherz.
2. Solange Sie das Boxen trainieren und selbst nicht Boxen, dann mag dieser Sport sehr umfassend wirken und seine positive Seiten haben. Aber denken Sie bitte auch an die Älteren unter uns.
3. Den Spruch "Spoprt ist Leben" und "Sport ist Gesundheit" kann man meiner Meinung nach nicht so plakativ stehen lassen, ohne dass dies zwangsläufig zu Missverständnissen führt. Sport, vor allem mit Ehrgeiz betrieben bietet viele Risiken. Das geht schon los, wenn vier ältere Herrschaften, vom Ehrgeiz zerfressen miteinander oder besser gesagt gegeneinander im Tennisdoppel stehen. Ist denn nicht am Montagmorgen Hochbetrieb in jeder orthopädischen Praxis um sich die Malaisen des Wochenendes wieder zurechtrücken zu lassen?

Aus meiner Sicht muss der Spruch lauten "Bewegung ist Leben" und ich möchte sogar soweit gehen und bitte nicht Missverstanden zu werden und sagen: "Treiben Sie weniger Sport, aber bewegen Sie sich mehr". Immer wird darauf hingewiesen, dass früher sich die Menschen mehr bewegt hätten; nur heute würde dies wegen den Errungenschaften der modernen Technik niemand mehr tun. Dies ist auch richtig. Aber früher hat bis auf die Schlacht bei Marathon bei den alten Griechen auch keiner einen Marathonlauf gemacht. Auch an all die künstlichen Verrenkungen bei manchen modernen Sportarten hat seinerzeit kein Mensch gedacht. Man musste sich um vorwärtszukommen einfach mehr bewegen und viele Dinge körperlich verrichten. Ein Triathlon oder leistungbezogener Fussball sind hier nicht unbedingt zielführend. Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber ich habe nur noch knapp 100 Zeichen. Im Buch "Move for Life" aus dem Springer-Verlag ist alles zusammengefasst. Herr Steingart hat ein Exemplar erhalten. Schauen Sie das Ganze doch einmal näher an. Dort steht alles drin und schicken Sie das Exemplar hinterher Herrn Dr. Teuber.

Herr Axel Mittendorfer

08.09.2014, 16:07 Uhr

Laufschuhe gehören nach 10.000 gerannten Kilometern ausgetauscht. Ich glaub da ist eine Null zuviel reingerutscht.1000 km halten Laufschuhe normal.

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